Goldenes Handwerk

Bei all den ausführlichen Debatten über das „big picture“, über Digitalisierung, Medienrevolution und all das ganze Zeugs – übersieht man möglicherweise einen entscheidenden Grund dafür, warum der klassische Journalismus sich zumindest die Diskussion darüber gefallen lassen muss, dass er an Relevamz verloren haben könnte: simpelstes Handwerk. Ich will mir kein Urteil darüber erlauben, was die Ursachen sind und ich mag auch kein kulturpessimistisches Gejammere anstimmen, es sei früher alles besser gewesen. Aber mir fällt verstärkt auf, wie oft in der durchschnittlichen deutschen Tageszeitung inzwischen blödeste handwerkliche Fehler sind. Keine, von denen die Welt untergeht. Mehr solche von der Güteklasse, bei denen mir mein erster Volontärsvater immer sagte, wie man mir denn den Rest der Geschichte glauben solle, wenn schon der Vorname des Hauptdarstellers nicht stimme.

Solche Schlampereien finde ich in den paar regionalen Blättern, die ich mehr oder minder regelmäßig auf dem Tisch habe, ständig. Beispiel von heute (Name des Blatts tut nix zur Sache): Unter einer Überschrift, die ankündigt, die verbleibenden sieben Kandidaten von DSDS gingen in den Endspurt, ist ein Foto, auf dem erkennnbar acht Leute zu sehen sind. Im Text werden dann die Namen der Gladiatoren aufgezählt – demnach wären es dann nur noch sechs . Ganz davon abgesehen, dass zwei der auf dem Foto abgebildeten Kandidaten gar nicht mehr dabei sind und der Nachrücker für den einen ausgeschiedenen Kandidaten nicht zu sehen ist.

Falsches Foto, falsche Zahlen. So what? Im Einzelfall: sicher. Wenn ich sowas allerdings an nahezu jedem Tag im Blatt habe, wird´s ärgerlich. Und der alte Volontärsvater hatte doch recht: Wie soll ich dem Blatt ne faktenlastige Geschichte in der Politik abnehmen, wenn es nicht mal in der Lage ist, die Leute auf einem Foto richtig zu zählen?

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2 Kommentare

  1. und daher auch zunehmend wichtig: korrekturspalten in den tageszeitungen, die könnten bald – auch in deutschland – wirklich karriere machen.

  2. Ich fand den Lapsus der HAZ letztens sehr gut:
    In der Online-Ausgabe stand recht lange zu lesen:
    Friedhelm Pflüger geht nach Berlin.
    Obwohl die Pfeiffe aus H kommt und die HAZ sogar den Lebenslauf auf seiner Webseite geschrieben hat.

    Gruß

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