Ich bin ein zynisches Dreckschwein – und es ist mir egal

„Journalisten sind zynische Dreckschweine.“

„Der Journalismus ist eines der korruptesten Gewerbe überhaupt.“

„Ich würde mein Kind lieber auf den Bau schicken, als in den Journalismus.“

Das alles soll der leibhaftige Don Alphonso jetzt in einem Seminar in Leipzig gesagt haben. Vor Studenten. Mit Betonung auf „soll“, ich war nicht dabei, er wird aber so zitiert. Und jetzt ist, erstaunlicherweise, das Geschrei gerade groß.

Es ist ja schon eine erstaunliche Reaktion, wenn man sich jemanden einlädt, der einigermaßen bekannt dafür ist, gerne mal ein wenig zu provozieren und zu polarisieren – und man sich dann ganz fürchterlich aufgregt, wenn derjenige komt und ein wenig provoziert und ein wenig polarisiert.

Es ist eine leicht riechende Reaktion, wenn dann der Lieblingsfeind Nummer eins (Turi) sofort den üblichen Reflex auspackt (Jugendfoto von Don Alphonso, das wir jetzt ungefähr dreihundertmal gesehen haben) auspackt und nach Anwälten schreit (dabei müsste gerade er doch froh sein, gerade mal keinen justitablen Kontakt mit Don Alphonso zu haben). Und dass Stefan Niggemeier dem Auftritt Dons einen ziemlich langen und natürlich nicht eben positiven Eintrag widmet, just nachdem die Debatte über den ebenfalls leicht riechenden GOA so langsam zu Ende geht, hat sicher nichts damit zu tun, dass diese Debatte ziemlich maßgeblich von Don geführt wurde, sicher nicht. So langsam müssten sich die Herren doch selbst langweilen.

Manchmal glaube ich, dass der Don jetzt gerade auf seiner Dachterasse sitzt und sich im Stillen köstlich amüsiert, dass alle genau das tun, was er erwartet und vermutlich gewollt hat. Schön, wenn man Menschen so leicht steuern und manipulieren kann.

Ich bin übrigens auch Journalist, wenn ich nicht gerade Blogger bin. Ich bin demnach auch ein zynisches Dreckschwein? Von mir aus. Wenn ich mir überlege, wem ich in meinem Journalistenleben schon alles an die Kandarrhe gefahren bin und dabei sicher nicht immer freundlich war, dann sollte ich im Gegenzug auch aushalten können, wenn mir mal jemand einen bösen Tritt vors Schienbein gibt. Don würde seine Kinder lieber auf den Bau schicken? Seine Entscheidung. Zumindest meine beiden müssen nicht auf den Bau, aber wenn sie wollen, dürfen sie das. In den Journalismus zwingen werde ich sie sicher nicht, wenn sie trotzdem hinwollen: bitte sehr. Kurzum, ich finde, man muss sowas aushalten können, im Übrigen gerade wir Journalisten, die wir sehr gerne sehr hart austeilen und dann demjenigen, den wir gerade eine reingepfeffert haben, freundlich mitteilen, dass das erstens durch die Pressefreiheit gedeckt sei und man das zweitens aushalten könne müsse, so viel Kritikfähigkeit sei ja wohl zu erwarten, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Für soviel Aufrichtigkeit verleihen wir uns dann gegenseitig Preise und loben unsere tapferen Verdienste um die Pressereiheit (das Netzwerk Recherche ging jetzt sogar so weit, den Preis „Verschlosse Auster“ in Abwesenheit an Putin zu verleihen, Herr Prantl hielt eigens eine Ansprache und ich stelle mir gerade vor, wie sie sich im Kreml vor Lachen über soviel Gutmenschentum gekrümmt haben – manchmal kann ich es gut verstehen, warum man sich über uns Journalisten amüsiert).

Und noch kurz angemerkt: Speziell in diesem Niggemeier-Turi-Konstrukt bin ich mir nicht nicht wirklich sicher, ob sich die selbstreferenzielle Alpha-Bloggosphäre nicht einfach mal wieder ihren persönlichen Befindlichkeiten und Abneigungen hingibt. Und ein bisschen Kalkül steckt natürlich auch bei Niggemeier und Turi dahinter: DA resp. DA-Bashing bringt zumindest Traffic und meistens auch leicht verdienten und dankbaren Applaus des „Ich kann den Don auch nicht leiden“-Publikums. Und übrigens, bevor jetzt der erhobene Zeigefinger wieder durch die Luft kreist und man den Untergang des Abendlands wegen ein bisschen Krawall vermutet, Anwälte gefordert und die Moral bemüht wird: Der Leiter des betroffenen Seminars sieht die ganze Geschichte deutlich entspannter als die weltverbessernden Alphatiere. Wovon man bisher merkwürdigerweise noch nichts gelesen hat.

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9 Kommentare

  1. Jau, von einigen anderen Blogeinträgen, die das ähnlich entspannt sehen, liest man auch nichts. So ist das wohl in der mit den traditionellen Massenmedien überhaupt nicht vergleichbaren Blogosphäre …

  2. Ich meinte gar nicht unbedingt Turi und Stefan, die sind ja nicht die einzigen, die darüber gebloggt haben. Auslöser btw für das, was da jetzt so köchelt, war weniger der erwartet polemische Vortrag als das, was danach so kam.

  3. Und hatte zudem noch nicht mal durchgehend immer was mit mir zu tun.

    Leider muss ich jetzt dem mehrfach offenbahrten Broterwerb nachgehen, also runter von der Dachterasse und Immobilien besichtigen, deren betrügerische Investorengruppen trotz allem, hm, so im direkten Umgang dem Niggemeier vorzuziehen sind. Morgen schreibe ich mal auf, wie ich die Zitate begründet habe, falls es dann noch einen interessiert.

    Was ist am Bau eigentlich so schlecht?

  4. Nix. Bau oder auch Erntehelfer in Niederbayern sind ehrenwerte und verdammt ehrliche Berufe. Wenn ich dafür mehr Begabung hätte und die etwas besser bezahlt wären… – es gibt Tage in der wunderbaren Medienbranche, an denen ich mich frage, ob das nicht ne schöne Alternative wäre.

  5. ich weiß überhaupt nicht, was das geflenne der journalistik-studenten soll. uns historikern/germanisten/anglisten wurde durch das ganze grundstudium hindurch nur ein vermittelt: „sie studieren direkt in die arbeitslosigkeit hinein.“

    und? wen hat das beeindruckt? mich nicht.

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