Die Bahn geht – oder: Warum Journalisten besser Abstand nehmen sollten

Die Bahn ist ein großes Unternehmen. Es geht demnächst in absehbarer Zeit irgendwann mal an die Börse und es baut große moderne (Hauptstadt-)Bahnhöfe. Gut, ab und an fahren die Züge mal nicht ganz hundertprozentig pünktlich und gelegentlich weht auch mal ein Stahlträger durch die Luft, anstatt den Bahnhof zu stützen. Aber dafür hat die große, bedeutende Bahn eine Pressestelle, die dann erklärt, dass das mit den verspäteten Zügen so gut wie nie vorkommt und durch die Luft wehende Stahlträger tendenziell kein allzu großes Problem sind, weil niemand ernsthaft gefährdet wird.

Und weil die Bahn auch ein modernes, transparentes Unternehmen ist und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung verpflichtet fühlt, freut sie sich auch, wenn sie Journalisten und deren Ausbildern, resp. Journalistenschulen hilfreich zur Seite stehen kann. Man möchte eine Reportage über die Bahn drehen und braucht ein bisschen Material? Kein Thema für die Pressestelle, man hilft den Journalistenschülern gerne (und sorgt so, schöner Effekt nebenher, dafür, dass die nachfolgende Journalistengeneration mit dem Gefühl heranwächst, die Bahn sei irgendwie ein richtig prima Unternehmen).

Offensichtlich war es dann aber in der letzten Zeit doch ein bisschen viel mit den verspäteten Zügen und den umherfliegenden Stahlträgern. Jedenfalls hat die Bahn jetzt ein Rundschreiben an die Journalistenschulen (und andere Ausbildungseinrichtungen dieses Landes) geschrieben und die dramatische Situation der Arbeitsüberlastung der Pressestelle ausführlich in zwei Sätzen geschildert.  Und weil man so arg im Stress ist, zeigt die Pressestelle der Bahn Lösungsansätze, die in etwa so innovativ und originell sind wie eine Regionalbahn zwischen Landshut und Plattling: Man bitte die Schulen und Ausbildungseinrichtungen darum, sie künftig nicht mehr mit Anfragen zu belästigen – oder etwas eleganter formuliert: Man solle doch „bitte Abstand nehmen von die Bahn betreffenden Themen“.

Ein großer Job, den die Pressestelle da macht. Der Regierungssprecher, übrigens auch ein ehemaliger Journalistenschüler, kommt jetzt sicher schon neidvoll ins Grübeln, wem alles er einen Brief dieses Wortlauts gerne mal schreiben würde: „Nehmen Sie bitte Abstand von allen Frau Merkel betreffenden Themen…“

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