Ein unterhaltsamer, gebührenfinanzierter Abend mit lauter kostenlosen Ideen

Man muss ja dem öffentlich-rechtlichen Gebührenfernsehen nicht mal sonderlich kritisch gegenüber stehen, um ein paar Schwächen zu konstantieren oder aber zumindest Erklärungen dafür zu finden, warum der durchschnittliche Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens je nach Sender in Alterklassen irgendwo zwischen 55 und 70 pendelt. Beispielsweise ahnt man schon seit längerem, dass die Sache mit der Unterhaltung in der ARD eine ernste Sache ist, weil vermutlich 10 Intendendanten, 15 Unterhaltungschefs, 37 Abteilungsleiter und 23 Redaktionsleiter, die sich in einem Durchschnittsalter zwischen 55 und 70 befinden, in einer gemeinschaftlichen Schaltkonferenz exakt nach Regional-Proporz, Parteienzugehörigkeit und Blutgruppe sortiert darüber unterhalten müssen, was lustig ist.

Meistens ist es aber nicht lustig.

In solchen Fällen stelle ich mir dann immer vor, in welchem Zwiespalt sich einer dieser 37 Abteilungsleiter im Alter zwischen 55 und 70 befinden muss. Klar ist das irgendwie doof, was die Privaten da immer so anstellen, aber trotzdem: Ein wenig Neid kommt da schon hoch, wenn jemand wie Stefan Raab dazu steht, eine ziemlich ****fresse zu sein, bei der unweigerlich der Wunsch aufkommt, man möge es ihm mal ordentlich geben. Woraus der Raab dann Shows wie Schlag den Raab macht oder Box-Events, in denen er sich vor einer Frau vetrimmen lässt. Das macht nicht nur ziemlich Quote, sondern wird sogar von denen halbwegs als gelungenes Entertainment anerkannt, die Raab und Pro7 tendenziell eher skeptisch gegenüber stehen. Man würde sowas dann auch gerne mal machen als Abteilungsleiter in der ARD-Unterhaltung, was aber insofern schwierig ist, als dass es erstens schwierig werden dürfte, eine solche Idee in der Schaltkonferenz der 37 Abteilungsleiter ohne ziemliche Blessuren durchzubekomme. Und zweitens fehlt es am geeigneten Personal. Schlag den Elstner klingt zwar im ersten Moment einigermaßen reizvoll, in der Praxis aber scheitert dieses Projekt vermutlich (man kauft deswegen gerne mal ein wenig Personal bei den viel geschmähten Privaten ein, d.h. man versucht es: Bei Jauch gings nicht, bei Pocher schon).

Irgendwann in den letzten Woche muss dann bei der Schaltkonferenz der 37 Abteilungsleiter Revolutionäres geschehen sein – man muss auf die Idee gekommen sein, die Privaten einfach mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, wobei letzteres bitte wörtlich zu nehmen ist. Tanzshows mit Promis und das Publikum stimmt ab? Können wir auch, beschloss die Runde der 37, griff zum Telefon, rief mediale Nachtschattengewächse wie eine gewisse Wolke Hegenbarth an, fragte nach, ob die Tanzschuhe und das Tanzkostüm aus der ersten Let´s-Dance-Staffel noch passen und sagte dem meistens gruselig gut gelaunten Florian Silbereisen: Du bist jetzt unser neuer Kerkeling. Fertig ist die ARD-zuschauerdurschnittsalterkompatible Samstag-Abend-Variante von Let´s Dance.

Fertig? Nein. Nicht ganz. Denn RTL hat ja noch einen Pfeil im Köcher und der heißt im Zweifelsfall Dieter Bohlen. Also schickte man Ute Lemper zu irgendeinem Konzert und ließ den bekannten Großtänzer Bohlen in die Jury (was dem gut passte, weil er dann auch gleich noch singen konnte, was er ja neuerdings wieder tut). Indes, was sind ein paar RTL-Ideen gegen 37 Abteilungsleiter? Eben. Und was RTL der Herr Modern Bohlen ist, ist der ARD der Talking Anders, weswegen im Ersten in der ersten Reihe Thomas Anders tanzen sehen konnte, während bei den Privaten Bohlen die Tänzer hinrichtete und den Anders-Nachfolger Medlock präsentierte. Zwischendrin kürte RTL den Sieger der zweiten Staffel und die ARD präsentierte gleichzeitig nochmal die Teilnehmer der ersten Staffel, zeigte damit übrigens die öffentlich-rechtliche Ideenarmut bei der Unterhaltung und ließ all jene als Schelme zurück, die dabei Böses denken.

An unsere Gebühren, beispielsweise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.