Video kills itself

Nachdem ich auch nach weiterem Betrachten dieses Brüllers hier ziemlich sicher bin, dass die Formatentwickler und der, öhm, Moderator sich als Ziel gesetzt haben, jede Niveau-Schmerzgrenze mühelos zu unterbieten, habe ich mir auch mal den Rest der Videos der Seite angesehen. Um dann erst einmal festzustellen, dass von den Damen und Herren Print- und Onlinejoiurnalisten bitte nie wieder jemand ein Lamento über die vielen Me-Too-Programme im TV verfassen sollte. Klar weiß man beim Durchzappen durch die unzähligen Programme manchmal nicht mehr, wo man gerade gelandet ist. Und den Unterschied zwischen „Wer wird Millionär?“ und dem Pilawa-Quiz kann vermutlich nur Günther Struwe erklären, und das auch nur deswegen, weil er sonst wieder eine Gebührendiskussion an der Backe hat.

Trotzdem: Wenn´s im bewegtes Bild geht, regiert die Gleichförmigkeit. Nach dem Fernsehen jetzt auch online. Oder wie sonst als „Me too“ darf man es nennen, wenn jetzt die Reuters-Newsclips von Spiegel über Focus bis hin zu jetzt eben auch stern.de überall zu sehen sind – manchmal mit Moderation, manchmal ohne, aber eben immer der gleiche Reuters-Newsfeed. Und wieso überhaupt verfällt man bei den Web-TV-Machern immer in den eigenartigen Gedanken, man müsse das machen, was auch die „richtigen“ Sender machen? Wenn jetzt jedenfalls stern.de ein „Kino-Magazin“ anbietet, staunt man über diese Art der Strategie. Kinomagazine laufen inzwischen in jeder McDonalds-Filliale. Und um den Trailer von Ratatouille (übrigens einer der nettesten Filme der letzten 10 Jahre) zu sehen, Himmel nein, dafür brauche ich weiß Gott nicht den 17. Aufguss eines Kinomagazins mit einer halbwegs gut aussehenden und halbwegs unfallfrei sprechenden Moderatorin, die Vorschau-Clips der Filme antextetet. Im Übrigen unterliegt man auch einem strategischen Denkfehler, wenn man meint, eine Webseite müsse und könne mit einem TV-Sender und seiner Infratstruktur auch nur halbwegs konkurrieren.

Vermutlich, so sieht es zumindest aus, unterliegen aktuell gerade ein paar Strategen einem elementaren Denkfehler. Nämlich zu glauben, Bewegtbild auf einer Seite sei noch irgendwas Besonderes. Im Gegenteil: Wer heute Video zu einem Bestandteil seines Geschäfts erklärt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er sich in einen brutalen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit begibt. Video kann (theoreitisch zumindest) jeder und macht demnächst beinahe jeder. Die Nase vorne hat, wer sehenswerten, guten, witzigen, außergewöhnlichen Inhalt hat. Kinomagazine und Mario-Barth-Comedy, so viel lässt sich vermuten, gehören da eher weniger dazu. 

Weitaus cleverer Gedanke: Bewegtbild aus dem lokalen und dem regionalen Bereich zu bringen, Dinge zu zu zeigen, die es sonst im Fernsehen eben nicht gibt. Ganz passables Beispiel, dass man im Auge behalten sollte: merkurtz.tv, mit einer Mischung aus linearem und on-demand-Programm, strikt lokal und trotzdem nicht in verpixelter Wackelästethik von Hopbbyfilmern.

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