Aus dem Leben eines Monopolisten

Der Kulturchef der Passauer Neue Presse musste sich dieser Tage ein wenig aufregen: Warum eigentlich, so schrieb Raimund Meisenberger, müsse das Passauer Scharfrichterhaus immer noch uralte Klischees bedienen und im Zuge dessen die gute alte PNP als „Einfältigkeitspresse“ bezeichnen?

Wörtlich schreibt Meisenberger:

Nun ist das Lieblings-Klischee der Scharfrichter seit jeher die Passauer Neue Presse. Wohl daher ist auf der ersten Seite des Programmheftes, das gestern mit der Bitte um „Auslage und Veröffentlichung“ verschickt wurde, von der „Einfältigkeitspresse“ zu lesen. Und man darf sich fragen, aus welcher kämpferischen Laune heraus hier plötzlich abgestandene 70er-Jahre-Klischees ausgegraben werden.(…)

Tja, warum eigentlich? Vielleicht ja auch deswegen, weil man als Beobachter den Eindruck nicht los wird, dass die PNP und die Verlegerfamilie ihre unbestreitbare Medienmacht (ihr gehören in Niederbayern ganz, mehrheitlich oder anteilig u.a. die Tageszeitung, die Sonntagszeitung, das Anzeigenblatt, Onlinedienste, das Lokalradio, eine Telefonfirma und eine Art Postzustellbetrieb; früher auch mal ein ganzer Fußballklub aus der Champions League, aber das ist wieder eine andere Geschichte) manchmal ein kleines bisschen zu sehr für ihre eigenen Interessen nutzen.

Heute ist zum Beispiel wieder mal so ein Tag. Denn neben diversen Zeitungen findet sich im Besitz der Familie auch eine Immobilie, die so ziemlich in der exponiertesten Lage der Stadt sich befindet. Damit hatte man mal große Pläne, die sich aber erledigten, weswegen man das Ding verkaufen wollte. Aber auch das scheiterte – und warum es scheiterte, dazu gibt es inzwischen auch eine Darstellung. In der PNP (gehört der Familie), geschrieben vom neuen Lokalchef (den die Familie ziemlich spektakulär einsetzte), mit einem Statement des Rechtsanwalts der Familie, der wiederum zufällig Ehemann der Verlegerin ist. Nochmal also zum Mitschreiben: Verlegerfamilie berichtet in der verlegereigenen Zeitung über ein verlegerfamilieneigenes Geschäft und zitiert quasi als Kronzeugen den verlegerfamilieneigenen Rechtsanwalt. Ein Statement der Gegenseite fehlt leider. Und dass die Geschichte für die Verlegerfamilie ziemlich günstig und für die Gegenseite nicht ganz so günstig ausfällt, muss man vermutlich nicht eigens betonen. Wenn das nicht „Einfältigkeitspresse“ ist, lieber Herr Meisenberger – was dann?

Ab und an übrigens demonstriert Dr. Dr. Axel Diekmann mit feinen, kleinen Gesten dann auch, was er so hält von anderen Mächten außerhalb der PNP; beispielsweise der Justiz. Der Geschäftsführer seiner Anzeigenblätter nämlich wurde im Januar zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten und einer Geldauflage von 200.000 Euro verurteilt. Grund waren etwas eigenwillige Provisionszahlungen an den ehemaligen Marketingleiter eines Möbelhauses (die ganze Geschichte zum Nachlesen: hier). Die hausinterne Konsequenz daraus: Den verurteilten Geschäftsführer beförderte Diekmann kurzerhand zum „Herausgeber“.

Aber das als Beleg für „Einfältigkeitspresse“ zu werten, das wäre bestimmt auch wieder nur ein altes Klischee.

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