Das System – nicht die Person

Zwei Sachen nerven an dieser ganzen Debatte um ZDF-Chefredakteur Brender aktuell ganz gewaltig. Erstens lenkt sie, bei aller Berechtigung, vom eigentlichen Thema ab. Momentan klingt das so, als würde ein dunkler (schwarzer) Bösewicht einen aufrechten Helden hinterrücks meucheln wollen. Da jault das gesammelte Gutmenschentum auf, schreibt Online-Petitionen mit so rührenden Namen wie „Brender muss bleiben“, die ungefähr gar nichts bringen (nebenbei: Was mich an solchen Dingen immer fürchterlich stört ist, dass man sich mit einer virtuellen Unterschrift schmerzfrei eine Gewissensabsolution verschaffen kann, ohne auch nur das Geringste riskieren oder ernsthaft tun zu müssen).

Dabei, um wieder zum eigentlichen Thema zu kommen, verstellt das eigentlich nur den Blick auf das eigentliche Thema, wie heute auch die FAZ sehr treffend bemerkt. Diese Debatte um Brender ist ein Scheingefecht. Viel interessanter und bedeutender ist doch die Grundsatzfrage danach, warum eigentlich ein Sender automatisch als Parteienbeute zu betrachten ist.  Selbst wenn man also den guten Brender retten würde, wofür sicherlich einiges spricht, käme unter dem Strich nicht mehr heraus, als dass sich Petitionsunterzeichner und Thorsten Schäfer-Gümbel gegenseitig auf die Schulter klopfen könnten. Das wirkliche Problem wäre damit nicht gelöst, nämlich, dass nach der kruden Logik auf dem Lerchenberg Positionen bis hin zum Hausmeister nach Farbenlehre gelöst werden. Im Klartext: Würde man Brender auf seinem Job lassen und ihn weiterhin dem roten Lager zurechnen, würde das bedeuten, dass weiterhin der Intendant ein Schwarzer sein muss – undsoweiter, bis hin zum Hausmeister. Das fände ich diskussionswürdig: das ganze System, in dem die Causa Brender momentan lediglich ein besonders bizarrer Auswuchs ist.

Dabei spricht doch ganz und gar nichts dagegen, Brender oder Kleber für herausragende Journalisten zu halten – lediglich gegen die Besetzung nach Parteiengusto und Farbenproporz spricht einiges. Daran würde sich auch dann nichts ändern, würde Brender Chefredakteur bleiben.

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4 Kommentare

  1. Eigenartig ist auch, dass wir Öffentlich Rechtliche „Nutzer“ den Laden bezahlen und Politiker anschaffen wollen, die wir obendrein hintenrum auch noch bezahlen.

  2. (Nebenbei, wäre es beser, wenn Demokratie, Beteiligung schwieriger ist? Also man was dafür tun muss? Barrieren aufbauen, damit nur, die schlau sind, oder eine Menge Aufwand in Kauf nehmen, sich beteiligen? Vorher einen Test machen? Oder einen Bankauszug? Was muss man riskieren um sich zu beteiligen?)
    Ansonsten find ich das „System“ auch ganz schön bedenkenswert.

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