Erkenntnisse, weitgehend zusammenhanglos

Ich hätte mich ja vor mir selber warnen können. Das Problem ist: Wenn ich mich mal in Rage rede, zerfransen meine Ausführungen gerne und bekommen dann auch noch Anflüge von altersbedingtem Pathos. Gestern war es mal wieder so — ausgerechnet an meinem ersten „Arbeitstag“ an der Passauer Uni, bei dem ich 15 jungen Studenten damit vermutlich die Vorfreude auf weitere Veranstaltungen gründlich ausgetrieben habe.

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Es ging den ganzen Tag über so einigermaßen querbeet über das Große und Ganze, ohne das Allgemeine dabei  zu vergessen (tatsächlich sollte es über Blogs gehen, aber wenn man schon mal dabei ist). Jedenfalls landete ich über ein paar Umwege beim Thema Begeisterung für den Beruf. Ich dachte an die ganzen Heerscharen von leblosen Redaktionsrobotern, die wahleise in Lokalredaktionen sitzen und dort gerne mal die Meisterschaft in Lustlosigkeit austragen; an Durchlauferhitzer in Mantelredaktionen von Zeitungen, die sich darin gefallen, dpa eine neue Überschrift zu verpassen. Und an ein paar wunderbare Episoden vom Wochenende aus dem großen Reich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dem man danach gerne eine Lastwagenladung mit Ärmelschonern spendieren möchte. Und dann dachte ich an die Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen, die ich gut finde (so verschieden sie im Einzelfall auch sein mögen). Mir fiel einer wie Felix Schwenzel zum Beispiel ein. Ich verstehe ihn nicht immer (er mich vermutlich auch nicht), dafür heißt sein Blog ja praktischerweise auch wirres.net. Aber meistens finde ich ihn lesenswert und ziemlich häufig muss ich laut lachen bei ihm (und das schaffen nicht viele). Ich weiß viel zu wenig über ihn, würde aber trotzdem sagen, dass es vor allem seine Begeisterung für das eigene tun, für das bloggen, twittern, fotografieren ist, was ihn ausmacht. Über den Kollegen Niggemeier brauch ich nicht viel zu sagen; wenn einer sich auf gefühlten 12000 Zeitungszeilen am Stück  über irgendwas echauffieren kann, ist er von diesem Tun vermutlich ein bisschen begeistert. Ich dachte an einen wie den DJS-(Uli)-Brenner, der über 60 ist und immer noch begeisterter Journalist. Und irgendwann kam ich dann zu dem Schluss, dass eigentlich so ungefähr jeder, den ich klasse finde, in erster Linie erstmal irgendwie Idealist ist und dann Journalist/Publizist. Wenn beides zusammengeht und die können davon auch noch (gut) leben, was will man dann eigentlich noch mehr?

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In dem Zusammenhang, liebe Passauer Studenten: Seit ihr mal froh, dass ihr einen wie Professor Ralf Hohlfeld habt. Er (und sein unfassbar nettes Team) haben es wirklich geschafft, dass ich beinahe alle Vorurteile gegen die Ausbildung von Journalisten an Universitäten über Bord geworfen habe. Und glauben Sie mir: Es waren viele Vorurteile. Momentan jedenfalls kann ich mich wirklich wie ein kleines Kind, ähm, begeistern dafür, dass direkt vor meiner niederbayerischen Haustür sowas passiert. Alleine schon deswegen, weil man möglicherweise als Niederbayer nicht mehr nur mit der PNP assoziert wird.

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Weil gerade schon bei den wüsten Gedankensprüngen sind, fiel mir dann in dem Kontext von Begeisterung und den Redaktionsbeamten noch ein, dass Nachrichtenaggregatoren noch ein zusätzlicher Sargnagel für den konventionellen Journalismus sein könnten. Vor allem für Tageszeitungen. Wenn Aggregatoren, die nichts kosten, den Job machen, den bisher Aggregatoren erledigen, die ziemlich teuer sind, dafür, dass sie nur aggregieren, könnte es ja immerhin eine Möglichkeit sein, dass man auf sie künftig gerne verzichtet.

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Dann noch heute abend beim Laufen gewesen und im Kopfhörer einen Beitrag über das Zeitungssterben in den USA und ein Interview mit, wem auch sonst, Jeff Jarvis gehört. Das Tolle an solchen Akademikern ist ja, dass sie solche Dinge, wie sie mir unsortiert durch den Kopf schießen, sehr viel strukturierter und unaufgeregter als ich vorbringen können (kein Wunder, ich bin ja immer in heller Aufregung, wenn mir gerade mal was dämmert). Aber mit den Akademikern habe ich ja inzwischen meinen Frieden geschlossen. Dafür besten Dank, lieber Ralf Hohlfeld (und Team).

(PS: Befürchtung einer Studentin gestern: Man gebe ja möglicherweise selbst beim (Medien-)Bloggen sehr viel über sich und seine Person preis. Hab ich noch noch nie so gesehen, ist aber ein interessanter Gedanke. Obwohl: Viel mehr als meine letzten drei Tage, ein paar unstrukturierte Gedanken und ein paar Anspielungen für sehr nette Menschen haben Sie ja nun auch nicht bekommen.)

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2 Kommentare

  1. Sechs zumeist junge Menschen, die gestern auf einem Betriebsausflug (Wandertag an der Ilz) waren, haben jetzt jeweils einen ziemlich roten Kopf. Aber einen, der von keinem unangenehmen Gefühl verursacht wurde. Wer sagt, dass Praxis und Theorie nicht zusammengehen? Dass Medienmenschen und Kommunikationswissenschaftler beruflich nicht zusammenpassen? Höchstens diejenigen, die das nie ausprobiert haben. Der Lehrstuhl gibt die großen Komplimente gerne und nicht höflichkeitshalber zurück. Und den Studenten hat es ebenfalls großen Spaß gemacht. Darauf kommt es ja an. Auf ein Neues!

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