Unvollendete Tazsachen

Natürlich mag ich die taz, wie kann man die auch nicht mögen? Zumindest, wenn wir vom Blatt reden. Gedruckt bringt mich die taz immer wieder zum Staunen, zum Lachen oder auch einfach nur zum interessierten Lesen. Und dass die taz die einzige überregionale Tageszeitung war, die in den letzten Monaten nennenswert und ohne irgendwelche Tricksereien an Auflage zugelegt, hatte mich nicht wirklich gewundert — es gab gute Gründe dafür.

Umso mehr wundert es mich dann doch, dass die taz bei all ihren Online-Gehversuchen und Relaunches so erstaunlich mutlos ist (wenn man sich vor allem vor Augen hält, was sie sich gedruckt so alles traut). Nach knapp drei Jahren hat man jetzt den letzten, ähm, Relaunch einem Re-Re-Launch unterzogen. Erste Frage, die man sich stellt: warum? Relaunch ist ein bisschen zu großer Name für das Aufhübschen eines Designs, wobei auch wiederum „hübschen“ vielleicht nicht der richtige Begriff ist. Wenn man sich vor Augen führt, welchen Aufwand die Redaktion wohl manchmal mit ihren Titelseiten betreibt, ist es umso erstaunlicher, wie lieblos und manchmal schlampig das Thema Online angegangen wird. Dass die eine oder andere Seite aktuell nicht aufrufbar ist: geschenkt, das ist vermutlich nach jedem Neustart so. Dass Teasertexte und Fotos nicht mal halbwegs bündig abschließen und manche Überschriften einfach nicht laufen, auch noch verziehen. Aber dass taz.de jetzt immer noch wie ein beliebiges Allerweltsangebot daherkommt und sowohl inhaltlich wie optisch ungefähr alles vermissen lässt, was man in einem guten Onlineangebot gerne sehen würde, das ist schade. Sieht jedenfalls alles so aus, als habe man mit einem Projekt begonnen und es dann einfach mal unvollendet ins Netz gestellt.

Was die Debatte um Optik und Technik soll? Das mag tatsächlich geschmäcklerisch sein. Aber dass auf taz.de unter einem Artikel zu einem klassischen taz-Thema wie Asse gerade mal ein einziger Kommentar steht, darüber sollten sie dann doch mal nachdenken in der Rudi-Dutschke-Strasse.

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