Ein paar unsortierte Wocheneindrücke

„Du bloggst viel weniger als du denkst zu bloggen“.

Ohja, eine Erkenntnis, die mir freundlicherweise vermittelt wurde, die ich anfangs noch abstreiten wollte — und die ich selber leider in den vergangenen zwei Wochen eindrucksvoll belegt habe. Ab und an nimmt man sich ja mal seine Pausen, es gibt sogar Menschen, die unbestätigten Gerüchten zufolge auch mal so was wie Urlaub haben und machen. Aber alles das war´s nicht, was zu dieser Pause führte. Ich war zwei Wochen am Stück unterwegs, hab´mal wieder Kilometer gefressen und finde jetzt hier, endlich wieder am heimischen Büroschreibtisch, einen Zustand vor, der mit chaotisch gnädig umschrieben ist. Bloggen? War da mal was? Klar war da mal was: Enorm viel guter Willen und etliche Themen, die auf irgendwelchen Zetteln und Notizen als unbedingt bloggenswert festgehalten waren. Allein, es fehlt die Zeit.

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 Man kommt sich in der guten, edlen Welt des Web 2.0 ja irgendwie ein wenig komisch vor, denkt man an so was Schnödes wie Geld verdienen. Alle bloggen hochwertig und gut und edel und natürlich völlig kostenlos und man muss ja schon froh sein, wenn man dafür nicht allzu sehr beschimpft wird. Der Ton sei halt ein wenig rauer, sagen diejenigen, die mittendrin und wohlmeinend sind. Außenstehende beschreiben das auch mal anders: „Ein bissi speziell“ seien die/wir (ich?) ja schon, teilte mir jetzt ein Beobachter des Ganzen mit und ich hatte ernsthafte Schwierigkeiten, dem zu widersprechen. Ich war also Geld verdienen, müsste eigentlich als erster Satz da stehen. Weil es mit dem Bloggen halt nicht geht und wahrscheinlich auch nicht gehen wird, wenn man nicht gerade zu den wenigen Berufsbloggern gehört, die aus den verschiedensten Umständen heraus in einer Situation sind, dass sie jemand für ihre Arbeit bezahlt (und bloggen ist eben dann doch, will man es richtig machen will, neben all dem Spaß auch Arbeit; sehr viel Arbeit sogar). Nicht mal Großblogger und Gurufürallesundnix Jeff Jarvis verdient nennenswert Geld mit seiner „Buzzmachine“; in einem Bericht über die Re:publica habe ich mal gehört, es seien 2000 Dollar. Pro Jahr, versteht sich.

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Natürlich kann auch das eine Form des Geldverdienens sein: bloggen, um an anderer Stelle Geld für ein anderes „Produkt“ zu bekommen. Jarvis bekommt dann halt ein wenig was zum Leben über seine Bücher rein, andere arbeiten weiterhin als Autoren für konventionelle Medien, andere sind durchs bloggen halt einfach bekannt und bekommen Geld fürs Bekanntsein.  Vielleicht ist es ja dann doch einfach unsinnig, immer nur davon zu reden, dass man „im Internet“ kein Geld verdient. Spielt es eine Rolle, wofür man letztendlich bezahlt wird? Wenn die Bloggerei dazu führt, dass man andere gute Jobs an Land zieht, dann ist doch schlichtweg alles ok. Insofern, auch wenn manche das anders sehen, funktioniert die Aufmerksamkeitsökonomie dann eben doch. Aufmerksamkeit sagt ja erst einmal nichts darüber aus, wo und wie sie erzeugt und letztendlich monetarisiert wird.  Das war früher anders und ich vermute, es wird noch viele Jahre dauern, bis sich diese Erkenntnis durchsetzt. Mir soll´s recht sein.

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Auf der anderen Seite ist es ja dann doch wieder verwunderlich, wie wenig auch jetzt noch, nach einem guten Jahrzehnt neuer Massenmedien, Blogger und andere bereit sind, von ihrem Ausschließlichkeitsanspruch wegzugehen. Hört man die Nichtblogger, die die Blogger gerne als ein „bissi speziell“ beschreiben, man könnte meinen, Bloggen sei was von armen Irren für arme Irre. Wenn man dann wieder dem einen oder anderen Re:publica-Gerede lauscht, kommt man leicht zu dem Eindruck, es gebe kein echtes Leben außerhalb der Bloggerei. Ich kann eigentlich mit beidem ganz gut leben, habe aber momentan den Eindruck, damit zwischen allen Stühlen zu sitzen. Obwohl (endlich kann ich mal eines dieser Angeber-Zitate bringen), Hajo Friedrichs soll mal geschrieben, dass ein Journalist genau dort (zwischen die Stühle) hingehöre. Und nachdem ich eigentlich ziemlich regelmäßig zwischen allen Stühlen lande, habe ich das gute Gefühl, dass das mit mir und dem Journalismus vielleicht doch keine so schlechte Ehe ist.

 

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