Fünf Jahre als Blogger

Dieses Blog feiert Geburtstag, heimlich, still und leise. Normalerweise sind mir irgendwelche Geburtstage (auch mein eigener) und Jubiläen eher egal. Und an sich denke ich auch nicht, dass man das fünfjährige Bestehen eines Blogs feiern muss, aber angesichts dieses unglaublichen Jahrestags sind mir doch ein paar Erinnerungen durch den Kopf geschossen — vor allem deswegen, weil mir diese fünf Jahre rückblickend zeigen, wie rasant sich alles verändert in diesem ganzen Mediendingsbumms.

Auf die Idee eines Blogs bin ich ca. 3 Uhr nachts gekommen. Weil ich nicht schlafen konnte, es war eine dieser Sommernächte in München, in denen es elendig heiß ist, man eigentlich müde wäre und vor lauter Hitze trotzdem nicht schlafen kann. Keine Ahnung, wie und warum — aber auf einmal schoss mir der Gedanke eines eigenen Blogs durch den Kopf. Im Nachhinein betrachtet finde ich die Ursache dafür ziemlich bezeichnend für all das, was den Reiz des Bloggens ausmacht. Ich machte damals den vermutlich langweiligsten Job meines Lebens und litt ernsthaft unter einem Unterforderungssyndrom.  In dem Haus, in dem ich damals arbeitete, bewegte sich ungefähr nichts und im Grunde genommen gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder den Gedanken ans Publizieren aufgeben und sich einem interessanten Hobby wie Fliegenfischen zu widmen. Oder aber die verkrusteten Strukturen eines Hauses komplett hinter sich zu lassen, die dort verbleibende Restzeit abzusitzen und sich mit dem Kopf eher etwas anderem widmen. Etwas eigenem. Einer Sache, in der nicht unzählige hinderliche Instanzen und Hierachien auftauchen. In der es nicht den Satz „Das haben wir noch nie gemacht“ als Standardsatz gibt. Wenn man so will also eine Art Befreiung aus einer für den Journalismus gar nicht untypischen Totalstarre. Was gibt´s für einen Journalisten schöneres?

Natürlich war die Idee nie, so etwas fünf Jahre zu machen. Die Idee war: probier´s aus und dann siehst du schon. Das Lustige daran ist für mich bis heute noch, dass ich dieses Blog eigentlich immer nur für mich geschrieben habe und beinahe schockiert war, als irgendwann mal nach einem halben Jahr der erste Kommentar eintrudelte. Huch, dachte ich: Da liest ja jemand mit. Noch heute erschrecke ich immer wieder, wenn ich bemerke, dass doch einer oder zwei mitlesen. So richtig ist mir immer noch nicht klar, dass es Menschen gibt, die dieses Blog wirklich regelmäßig verfolgen. Aus dem einen Kommentar von damals sind inzwischen übrigens über 1800 geworden, was vielleicht im Vergleich zu den großen Blogs der Szene lächerlich wenig ist. Ich freue mich trotzdem ganz fürchterlich drüber. Ich meine, es ist ähnlich wie beim neuentdeckten Flattrn: Man freut sich, weil man es als eine Art Anerkennung wertet. Jeden Kommentar, der hier erscheint, werte ich für mich als eine Art Anerkennung. Sogar die, in denen ich beschimpft werde. Immerhin macht sich jemand die Mühe, sich mit dem, was ich hier schreibe, auseinanderzusetzen und etwas dazu zu hinterlassen. Das Gefühl hatte ich in meinen früheren Redaktionen nicht immer.

Natürlich kann man von der Anerkennung und den Kommentaren nicht leben, aber das war auch nie die Idee hinter diesem Blog. Warum machst du das dann, bin ich mehr als einmal gefragt worden. Zum einen: ja, weil es auch nach fünf Jahren immer noch enorm Spaß macht und die Unabhängigkeit und die Freiheit eines solchen Blogs für mich immer noch unersetzlich sind. Und zum anderen, das gebe ich gerne zu: Über diese Seite sind Aufträge reingekommen. Ganz konkret, messbar, nachvollziehbar. Insofern hat sich die Arbeit an dieser Seite schon wieder gerechnet, auch wenn ich das vor fünf Jahren für völlig undenkbar gehalten hätte.

Ich hatte übrigens noch nie so viel Kontakt zu Lesern/Hörern/Zuschauern wie mit dieser Seite. In absoluten Zahlen gemessen bewegen sich die Nutzer des Blogs natürlich im Vergleich zu meinen früheren Jobs in homöopathischen Dosen. Aber darum geht es nicht. Ich kriege sofort und unmittelbar Feedback, ungefiltert, ehrlich — und häufig auch mal völlig entgegengesetzt zu meinen Ideen. Trotzdem hatte ich bisher fast immer das Gefühl, aus Debatten hier schlauer raus- als reingegangen zu sein. Witzige Erlebnisse gab´s zudem. Ich erinnere mich, als ich mal in Berlin auf einer Veranstaltung neben jemanden saß, der gerade über seinen RSS-Reader einen Beitrag von mir bekam. Das fand ich amüsant zu beobachten, zumal ich die Vorstellung witzig fand, dass der arme Mensch jetzt gerade etwas liest, ohne zu wissen, dass der Autor direkt neben ihn sitzt. Ich hab´ihn dann kurz darauf aufgeklärt. Der Typ war übrigens Markus Hündgen, von Beruf Videopunk.

Ein ungeheuer komplexer und langwieriger Vorgang war der Einbau meines ersten Fotos. Das muss so vor ungefähr viereinhalb Jahren gewesen sein. Ich erinnere mich verschwommen an eine ungemein lange und schwierige Handlungsanweisung, die mir ein WordPress-Spezialist damals zukommen ließ (Version 1.irgendwas). Heute debattieren wir über Fotos, Videos, Audios gar nicht mehr. Im Grunde könnte ich aus dieser Seite auch ein richtiges Onlinemagazin machen, ohne dass es mich einen Cent kosten würde. Ich befürchte, das haben viele aus den Holzmedien immer noch nicht begriffen: Die Produktionsmittel liegen heute für jeden kostenfrei im Netz rum, um mal den guten alten Marx zu bemühen. Ich brauche keine Druckerei, keinen Sender. Ich brauche einen Rechner und einen Provider. Diese Erkenntnis ist inzwischen uralt, ich finde sie dennoch jeden Tag immer wieder atemberaubend.

Nochmal fünf Jahre? Ich habe keine Ahnung. Auf der ersten Blick kommt mir das ungemein lange vor und irgendwie mag ich mir nicht vorstellen, ein Jahr nach der Fußball-WM 2014 immer noch hier zu sitzen und zu schreiben, zu fotografieren, zu filmen und dann zu bloggen.

Auf der anderen Seite: Fünf Jahre mache ich das jetzt schon. Immer noch ausgesprochen gerne. Und bitte nicht böse sein, liebe Ex-Arbeitgeber, aber ich kann mich an keinen einzigen Job erinnern, wo ich das nach fünf Jahren immer noch von mir hätte behaupten können.

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11 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch, liebes Jakblog, zum Geburtstag. Eigentlich müsste es ja angesichts dieses Ereignisses eines dieser viel beschimpften ‚virtuellen Kaffeekränzchen‘ geben (wenn die nicht dazu gut sind, wozu dann?) Danke für Anregungen und Denkanstöße.
    Und – entgegen deiner Zweifel – hebr ich jetzt mein virtuelles Weißbier (wohl eher deins als Kaffeekränzchen): auf die nächsten Fünf!

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! 🙂

    Ich bin keine fünf Jahre dabei dich zu lesen, sondern eher fünf Wochen und mittlerweile ist das JakBlog ein fester Bestandteil meines Feedreaders. Hoffentlich werden es also mindestens weitere Fünf!

    Und wer mit so viel Spaß bei der Sache ist, der sollte es auch fortführen, ohne sich große Gedanken zu machen.

  3. Nicht erschrecken: Hier ist noch ein Kommentar 😉

    Ob man ein fünfjährigen Blog-Jubiläum nun feiern muss oder nicht: Ich gratulier Dir dazu und wünsch Dir, dass Dir die nächsten fünf Jahre genauso viel Spaß machen.

  4. Tiefschuerfend…
    Druckerei-Rechner.
    Sender-Provider.
    Du selbst hast du es ganz zutreffend ausgedrueckt. Diese Erkenntnis raubt mir den Atem weg genaoso, wie dir… Das Lebenstempo ist immer hoeher, da ist also wichtig nur ein: widme sich nur Sachen, die dir Spass und Befriedung machen.
    Wie der Andre sagt: Wenn du mit viel Spass bei der Sache bist, solltest du fortfuehren, ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen…ohne es durchzupfluegen (sage ich) 🙂
    Ohnehin fuege mich zu den anderen an nud wuensch ich dir starke Intuition, die dir sagt, was beitraegend fuer dich ist.

  5. Herzlichen Glückwunsch!

    Dein Blog hat mich ermutigt, selbst den Versuch zu starten und die Eichwalder Nachrichten zu machen. Die sind jetzt seit knapp einer Woche online. Wenn sich die Printmedien weiter aus dem Lokalen zurück ziehen, dann ist das die Chance für Leute wie mich.

    Für Dein Blog wünsche ich Dir weiterhin spannende Ideen und eine spitze Feder.

  6. Herzlichen Glückwunsch zum 5ten von einem seit ein paar Monaten und bisher anonymen „Jeden-Tag-Leser“.

  7. Herzlichen Glückwunsch auch von einem Old-School-Dino. Ich lern hier ganz viel über das Zusammenspiel von alten und neuen Medien (nun gut: und auch einiges über die Auseinandersetzung der beiden) und wie wichtig der Austausch, das Zusammenführen ist. Und ich freu mich in diesem Sinne schon auf Dein neues Projekt (hoffe, Du bist startklar) 😉

  8. Und noch eine Gratulation … samt Hinweis, dass es gestern noch einen bemerkenswerten Geburtstag zu feiern gab. Am 10. August (allerdings 1990) wurde der erste Compouter in Österreich (an der Uni Wien) an das Internet angeschlossen.

    Ich wünsche dem Blog und seinem Autor weiterhin viel Erfolg.

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