Die Hüter des Apfels und das Ende des Mittelstands

Steve Jobs ist also angeblich der Meinung, dass Apps, die lediglich einen einzigen Radiosender ausstrahlen, „Spam“ und somit überflüssig sind. Deswegen sollen solche Apps in den Apple-Stores künftig keinen Platz mehr haben. Zwar ist das noch keine wirklich offizielle Aussage und auch die Begründung dafür hat anscheinend weniger mit Inhalten, als mit einem Entwickler-Modell zu tun. Aber egal, man kann ja zumindest mal für einen Moment annehmen, dass es Apples gutes Recht ist, darüber zu entscheiden, wenn man in den erlesenen Kreis des Stores aufnehmen will. Und das wiederzum zeigt — selbst wenn diese Radiosache dann doch nicht so kommt, wie man jetzt vermuten könnte — wie sehr sich die Machtverhältnisse im Mediengeschäft verschoben haben: Man kann eine noch so ausgefeilte Strategie entwickeln, wer an den gestrengen Hütern von Apple nicht vorbei kommt, hat bis auf weiteres ein ernstes Problem. Ein sehr ernstes sogar, schließlich ist der Konzern mit seinem Konglomerat aus Endgeräten und Inhalteplattform im Bereich digitaler Medien absolut wettbewerbsbeherrschend.

Apple hat keinen Grundversorgungsauftrag, Apple muss ganz und gar nichts: Daran sollte man sich im Mediengeschäft allmählich gewöhnen und möglicherweise auch aufhören, nur über Google zu lamentieren. Das wird auch nicht besser, wenn man künftig über Apple und Google und Facebook im trauten Dreiklang lamentiert. Die Branche hat es schlichtweg verschlafen, sich auf dien kompletten Veränderungen vorzubereiten, die die Digitalisierung mit sich bringt. Sie hat immer noch nicht begriffen (und leider gilt das mal wieder massiv für die Verlage), dass sie lediglich an Symptomen herumdoktorn, wenn sie nach irgendwelchen staatlichen Schutzmaßnahmen schreit. Die wahren Gatekeeper von Information und öffentlicher Meinung sind andere, kurioserweise gar nicht mal die, die Inhalte selber produzieren. Aber sie verfügen über etwas, was womöglich noch wichtiger ist: über die unmittelbaren Zugänge zu den Konsumenten. Daran verdienen sie exorbitant, weswegen man sich in vielen Medienhäusern allmählich an den Gedanken gewöhnen müsste, dass es so wie früher nie wieder wird. Apple kontrolliert den Zugang zu digitalen Medien und Apps, Google zu den Fundstellen im Netz und Facebook zu den Millionen in den sozialen Netzen.  Alleine dieses Tatsache macht übrigens die Debatte ums Leistungsschutzrecht so wunderbar absurd: Auch Facebook produziert keinen einzigen Inhalt selber und Apple lässt sich die Tatsache, dass man fremde Inhalte transportiert, sogar fürstlich entlohnen. Und wenn sie nicht mögen, drüben in Kaliforniern, dann bekommt man eben gar kein Plätzchen.

Die bisherige Branche, wie wir sie kennen, stirbt gerade. Sie stirbt nicht wegen fehlender Leistungsschutzrechte, sondern weil sich ihr Geschäftsmodell in den Tagen der Digitalisierung erledigt hat. Man hätte das alles übrigens alles selber haben können, wenn man sich zeitig mit dem Thema und seinen Auswirkungen intensiv beschäftigt hätte. Viel zu häufig denken Medienmanager heute immer noch, ihr Job sei es ja lediglich, Inhalte (wie man heute so schön sagt) zu transformieren,  sie einfach irgendwo auf digitale Plattformen zu packen. Das wird nur sehr eingeschränkt funktionieren, weil die Medienbranche an allen Rändern angegriffen wird. Von oben kommen die Giganten, die Apples, Googles und Facebooks, die so groß sind,  dass es in deren Geschäftsfelder kein Eindringen mehr geben wird. Und es kommen von unten und von der Seite die ganzen Klein-Publizisten, Hyperlokalverleger und bloggender Journalisten. Überleben werden die ganz großen und die ganz kleinen. Das, was wir heute (medialen) Mittelstand nennen, sollte sich allmählich schon mal aufs Abwickeln vorbereiten. Ihre Zeit ist vorbei — und um ganz ehrlich zu sein: Man muss das auch überhaupt nicht schlimm finden.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Nerddeutschland

    Belügen Sie sich doch nicht selbst.
    Es geht Ihnen doch nicht darum, auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, sondern lediglich darum, irgendjemanden an den Pranger zu stellen. Die alte Leier: „die Verlage sind selbst schuld, man hätte es ja absehen können.“ Im Kanon mit anderen Wichtigtuern wird das mal regelmäßig in den Raum geblasen.
    Wenn ihnen das Wissen so sehr in die Wege gelegt wurde, dann stellt sich die Frage: wo bleibt eigentlich ihr Medienimperium? Ich sehe keines. Ich sehe nur irgendwelche Blogs in denen verschmähte Einzelgänger mit einer peinlichen Klassenstreber-Rhethorik rumkrakelen, was „man“ denn hätte alles besser machen/wissen können. Ach nee, das „was“ wird noch nichtmal konkretisiert. Wie auch. Sie haben ja selbst keine Ahnung. Na, dann bleibt man besser vage, und macht lieber einen auf digitalen Jüngling, der den ollen Verlagssäcken, die noch mit Schreibmaschinen groß geworden sind, mal ganz leger den Spiegel vorhält.
    Wer will das wissen? Niemand. Welcher Erkenntnisgewinn liegt darin für den Leser? Keiner.
    Sind sie wirklich so naiv zu glauben, nur weil Apple manche Apps nicht zulässt, Google die Suche kontrolliert, und Facebook die Aufmerksamkeit der Menschen bindet, würde sich die Medienwelt für den Mittelstand aufhören zu drehen?
    Und wovon leben die „Gatekeeper“ eigentlich? Von Content. Gibts da nicht also auch eine beiderseitige Abhängigkeit? Es ist ja nicht so, dass man davon nicht leben könnte. Kennen sie die Umsatzzahlen vom Springer IKiosk, die GuV- Rechnung der FAZ- Onlineredaktion? Haben sie Einblicke in den Bereich Geschäftsentwicklung von g+j?
    Werden nicht auch lokale und regional Angebote online abgerufen. Liegen darin nicht immer noch Chancen?
    Profitieren Anbieter nicht auch von der Reichweite und Infrastruktur von Apple? Sorgt google nicht auch für Traffic auf den Newsseiten? Liefert Facebook nicht die Möglichkeit eine bessere Kundenbeziehung aufzubauen? Sind die Nutzer nicht bereit die 30% Aufschlag aus Bequemlichkeit zu bezahlen? Ist der ganze Betrieb wirklich eine „Revolution“ in der man ein paar Monopolisten hilflos ausgeliefert ist? Bullshit! Hier gibt es keine Revolution, hier gibt es lediglich neue Vetriebskanäle. Manche nutzen die zu ihrem Vorteil, andere nicht, andere noch nicht. Wieder andere könnten Sie besser nutzen, „dürfen“ es aber aus „verlagspolitischen“ Gründen wohl nicht. Und nun?
    Haben „die Verlage“ deswegen kollektiv versagt? Hätte man eigene Suchmaschinen, Marktplätze und Netzwerke aufziehen sollen, um nicht irgendwann von irgendwelchen Monopolisten abhängig zu sein? Na, dann wären doch bestimmt die selben Media- Besserwisser aus ihren WordPress- Löchern gekrochen gekommen und hätten gemault, dass man das nicht tun sollte, weil es nicht zum Kerngeschäft gehört… Dieses destruktive Gelaber von irgendwelchen Leuten, die borniert einen auf Digital- Experte machen, als wär das das logische Resultat einer eine Art „Gnade der späten Geburt“, das kotzt mich an. Das MacBook- Air über 48- Monate finanzieren müssen, und aus einer kleinen Nische den Medienexperten mimen?

    Substanzlose, besserwisserische und blutarme Artikel wie ihrer, zeigen mit ganz deutlich, dass ich auch noch in Jahren für Journalismus bezahlen werde. In Printform, digital, über Gatekeeper, in Eigenregie. Ist mir völlig egal. Es
    wird immer Menschen geben, denen Bequemlichkeit und Lebenszeit für ihren Medienkonsum wichtiger sind als Geld. Davon werden die Verlage auch zukünftig leben können, allen Irrungen und Veränderungen zum trotz.
    Sie und andere „Experten“ werden dann voraussichtlich immer noch über kollektives Versagen und Zukunftschancen „debattieren“. Eine Zukunft, die eigentlich längst begonnen hatte, und an der sie vom Bildungsstand und Interessenslage auch aktiv hätten mitgestalten können, wenn sie sich nicht lediglich dazu entschlossen hätten, ihre Energie und ihre Zeit dazu zu verballern, anderen nur überheblich aufs Maul zu schauen.
    Außerhalb der Twitteria und der Blogosphäre interessiert sich nämlich kein Schwein für ihre Ausführungen. All das, was hier debattiert wird, ist nicht weniger und mehr, als eine Nische, in die man mal kurz reinschaut, wenn es einem langweilig ist. Strategien und Entwicklungen, sei es auf Verlegerseite, als auch auf Seite der Masse der Konsumenten, bleiben doch davon unberührt.
    Sie, und ein Großteil ihrer „Kollegen“ sind doch nichts weiter als Klassensprecher, die vor lauter Klugscheisserei, noch nichtmal bemerkt haben, dass hinter ihnen gar keiner mehr sitzt. Der Wandel passiert und funktioniert gänzlich ohne sie und ihre „global-digital-visionären“ Erkenntnisse.

  2. spltny

    schöner artikel.. von nerddeutschland 🙂

    es ist schon interessant, wie die selbsternannten webexperten jetzt wieder mal versuchen, ihr fähnchen nach dem wind zu richten. die alten lösungsvorschläge fürs internet an die medienwirtschaft „twitter-account, facebookprofil, apps basteln“ sind keine mehr. großartiges anderes hatte man ja eh noch nie auf der pfanne. ideen fordern, aber keine haben.

    nun beginnt man zurecht endlich festzustellen, dass sich die verlage noch viel abhängiger machen, wenn sie sich den strukturen der internet-monopolisten ausliefern. und genau das wird ihnen nun wiederum vorgeworfen.

    jetzt ist auf einmal die untergangsstimmung en vogue. ihr werdet eh alle sterben! das kann man durchaus so sehen. nur, braucht man für diese erkenntnis dann noch berater? was für eine überflüssige, verlogene branche.

  3. JanJasper

    Großartiger Kommentar von Nerddeutschland.
    Noch nie habe ich so einen treffenderen Kommentar gelesen, bei dem ich jede Zeile sofort und uneingeschränkt zustimmen kann.
    Christian Jakubetz, der täglich seine ganze Umwelt für dumm verkaufen möchte und zu jedem Thema alles besser wissen möchte.
    Und dann noch seine handvoll „Jünger“, die ihm täglich huldvoll zu Füßen liegen. Widerlich!
    JJ

  4. cjakubetz

    @nerddeutschland: >>All das, was hier debattiert wird, ist nicht weniger und mehr, als eine Nische, in die man mal kurz reinschaut, wenn es einem langweilig ist.

    Der Länge Ihres Kommentars zu schließen, muss Ihnen dann aber schon sehr langweilig sein.

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