Wetten dass, das ZDF – und bild.de

Das ZDF hat heute abend „Wetten, dass…“ nach einem schweren Unfall abgebrochen und damit das einzig Richtige getan. Die Kameras haben nicht auf den offensichtlich schwer verletzten Kandidaten draufgehalten, man hat den Kandidaten zudem sofort mit einem Tuch vor Blicken geschützt.

Auf der anderen Seite habe ich gleichzeitig ziemlich ernste Zweifel bekommen, ob das mit der (anonymen) Freiheit im Netz immer das Richtige ist: Wenige Minuten nach dem Unfall standen die ersten Videos bei YouTube. Fans von Justin Bieber und Take That motzten bei „Twitter“, dass sie jetzt ihre Lieblinge nicht mehr sehen können würden. Gerüchte machten die Runde, der Kandidat sei tot, dpa habe das gemeldet (was völliger Unsinn war). Und nicht eben wenige meinten, der Bursche sei ja selbst schuld, wenn er so etwas mache.

(Hier war ursprünglich mal ein Screenshot der Startseite von Bild.de zu sehen. In den Kommentaren wurde das kritisiert; im Nachhinein muss ich sagen: zurecht. Ich habe den Screenshot deshalb entfernt).

Und ja, natürlich, es gibt auch die nicht-anonymen, die Journalisten, die daraus dann schnell den billigen Klick machen: bild.de zeigt aktuell ein Foto, wie der Mann verletzt am Boden liegend behandelt wird. Zur Feier des Tages über die ganze Bildschirmbreite. Um morgen vermutlich moralisierend zu fragen, ob diese Wetten in der Sendung nicht viel zu gefährlich sind.

Nachtrag, 22 Uhr: bild.de hat jetzt auch noch eine kleine Klickstrecke zum Unfall im Angebot.

Nachtrag, 22.30 Uhr: Man muss sich gar nicht über YouTube-User aufregen und auch nicht mehr dort nach dem Video suchen. Bild.de hat sich das Video besorgt und online gestellt. Bei YouTube hatte das ZDF alle User, die es hochgeladen hatten, ausdrücklich gebeten, die Videos wieder zu entfernen.

Nachtrag, 22.56 Uhr: Die bisher übelste Klickstrecke hat das Schweizer  „20 Minuten online“ veröffentlicht. Videos von YouTube gibt´s gratis dazu. Ist ja auch ein Gratisblatt.

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6 Kommentare

  1. Hmm.
    Ich hätte Dir alle das auch ohne den Screenshot mit dem Bild vom Verletzten geglaubt und trotzdem beim Lesen zustimmend genickt…

  2. Bei den anderen den erhobenen Zeigefinger heben und selber einen Screenshot einstellen. Ist das besser?

  3. Ein wenig moralinsauer ist das aber schon, oder? Acht Millionen Menschen habens live im TV gesehen – aber die paar Bilder und Youtube-Videos von exakt der gleichen Szene sind unanständig?

    Sorry, aber so läuft das Geschäft nun mal, so hart es auch klingt. Das sollten gerade sie als Journalist doch wissen…

  4. >>Sorry, aber so läuft das Geschäft nun mal, so hart es auch klingt.

    Und wo ist Ihrer Meinung nach dann die Grenze? Und glauben Sie eigentlich, dass es einen Unterschied zwischen Information und Voyeurismus gbt?

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