Ein Buch – das Update (34): Ein neues Cover und neue Texte

Schon länger nichts mehr von uns und dem Buch gehört? Keine Sorge – das ist kein schlechtes Zeichen, sondern eher ein gutes. Tatsächlich ist in den letzten zwei Wochen sehr vieles im Hintergrund passiert, was nicht direkt bloggenswert, für das Buch aber dennoch wichtig war. Man nennt das auch Arbeit. Angekommen sind inzwischen ziemlich viele Texte, die allesamt gelesen und lektoriert werden mussten.

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Weil wir gerade beim Thema Lektor sind. Wir haben da jemanden gefunden, der diese mühselige Arbeit (es sind immerhin rund 500 Buchseiten) auf sich nimmt – wie alle anderen auch ohne Gage. Der Mann heißt Tom Leonhardt, studiert in Halle noch Medien- und Kommunikationswissenschaften, arbeitet als HiWi bei dem berufsbegleitenden Masterstudiengang „online radio“ – der ist für bereits im Beruf stehende Radiomacher gedacht, denen der Übergang zu „online“ noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist.  Und interessiert sich nach eigener Beschreibung  „mehr fürs Radio und die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Vermischung mit dem Internet ergeben“. Es ist übrigens immer wieder interessant zu sehen, was so ein aufmerksamer Lektor noch alles findet und anmerkt, selbst wenn man sich einbildet, seinen eigenen Text gründlich gegengelesen zu haben.

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Und dann hat sich auch beim Thema Buchcover einiges getan. Ich hatte ja schon mal erzählt, dass das, was Sie momentan bei Euryclia sehen, nur ein Übergangsentwurf war. Unsere Coverzeichnerin Anna Lena Schiller hat uns inzwischen einen ersten Entwurf zukommen lassen — und die Idee gefällt zumindest den meisten von uns überaus gut. Der Gedanke ist, die Themen analog und digital zu visualisieren und daraus etwas völlig neues entstehen zu lassen. Einen „Universalcode“ quasi. Ich hoffe, ich habe Anna Lena Schillers Idee einigermaßen richtig wiedergegeben. Wenn nicht, machen Sie sich doch bitte selbst einen Eindruck:

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Eine weitere kleine Leseprobe aus dem Buch: Stefan Plöchinger, der in den kommenden Tagen seinen neuen Job als Chefredakteur von sueddeutsche.de antritt, hat einen Text geschrieben, den ich selbst verschlungen habe. Vor allem auch deswegen, weil mir zumindest nicht in dieser Deutlichkeit nicht klar war, wie wichtig das „Blattmachen“ in einer Online-Redaktion ist. Sie sehen, Stefan schreibt über klassischen Online-Journalismus. Aber nicht in der Form, die man schon tausendmal gelesen hat und irgendwie so langweilig findet (mit der selten doofen Frage: Muss man fürs Netz anders schreiben??), sondern beleuchtet viele andere Aspekte. Insbesondere den, warum Onlinejournalisten mehr als alle anderen auch Blattmacher sein müssen. Warum das so ist? Hier als kleine Antwort ein Auszug aus Stefans Text:

Unabhängig davon, wie eine Onlineredaktion strukturiert ist und welche Machtstellung der Blattmacher genau hat: Jeder Journalist muss ein bisschen Blattmacher sein. Jeder muss an einer guten Seite und am gemeinsamen Produkt interessiert sein.

In anderen Medien gibt es komplexe Produktions- und Abnahmeprozesse. Bei Online ist das Veröffentlichen einer Geschichte in der Regel nur einen Mausklick entfernt. Die Hierarchien sind in der Regel flacher, die Besetzung ist enger. Darum ist Blattmachen eine Basisqualifikation.

Staunen und staunen lassen. Und noch eine Basisqualifikation: Bewahren Sie sich den offenen Blick, der unseren Beruf doch eigentlich auszeichnet. Onlinejournalismus ist oft schnell und stressig. Das macht ihn spannender, darf aber nicht dazu führen, dass Sie die Sicht verengen.

Ein neues Thema? Ach, unser Plan für heute steht doch. Hatten wir schon mal so ähnlich. Ist im Kern nichts Neues. Ausreden gibt es viele, um seinen Tagesplan nicht umwerfen zu müssen, und der hohe Arbeitsdruck bei Online verleitet dazu, sie häufiger zu benutzen, als es einer Seite gut tut. Weil sich die Welt 24 Stunden am Tag dreht, Redaktionen allerdings in engen Schichtplänen arbeiten und Überraschungen selten passend kommen, muss sich jeder zur Flexibilität und Offenheit zwingen.

Ein neues Thema ist erst mal eine Chance auf einen spannenden Text. Darum: in der Meldungsflut aktiv danach suchen, bevor die Kollegen von anderen Seiten es finden. Spätestens wenn Sie über eine Geschichte stolpern, die Sie im Büro gleich weitererzählen möchten, sind Sie fündig geworden. Dann sollten Sie sie auch dem Leser  erzählen. Kurz: staunen und staunen lassen.

Der Satz „im Kern nichts Neues“ sollte im Übrigen immer gut begründet sein – nur falls detaillierte Nachfragen vom Seitenchef kommen.

Ein Exkurs über das Blattmachen hinaus: Offenheit bedeutet auch zu lernen, Arbeit und Arbeitsweisen regelmäßig zu hinterfragen. Zeitungen hatten zum Beispiel mehr als ein Jahrhundert Zeit, ihre Strukturen zu perfektionieren. Bei Rundfunksendern wird das Publikum seit langem durch Zuschauerredaktionen von den Journalisten weggepuffert. Onlinejournalismus gibt es erst seit ein paar Jahren, er ändert sich permanent, Routinen schälen sich nur langsam heraus, und er findet unter ständiger Beobachtung statt, dank Lesermails, Watchblogs, Twitter und vielem mehr.

Man kann das als Bedrohung sehen. Oder doch besser als faszinierendes Liveexperiment bei der vierten Gewalt, an dem man teilnehmen darf. Wenn der Job mal nervt, sollte man sich immer klarmachen: In einigen Jahrzehnten wird man seinen (womöglich genervten) Enkeln erzählen, wie man den Onlinejournalismus mit erfunden hat.

Das Wichtigste in drei Thesen:

  • Beim Blattmachen kristallisiert sich, was eine Internetseite von anderen unterscheidet. Ihr Erfolg oder Misserfolg hängt letztlich vom Blattmacher ab – weil er im Alltag das Gesicht der Seite, die Ausstrahlung und die Ausrichtung verantwortet.
  • Gutes Blattmachen setzt voraus, dass sich die Redaktion über Profil, Vorlieben, Taktung, kurz: die journalistische Mission ihrer Seite verständigt. Nur dann wird die Seite ihren Lesern Orientierung geben und sie überraschen können – also ihren Daseinszweck erfüllen. Darum geht Blattmachen jeden in der Redaktion an.
  • Der Job des Online-Blattmachers: Prioritäten in der Themenflut zu setzen, das Wichtige zu filtern und klug einzuordnen, offen zu bleiben für Überraschungen, Artikel gut zu mischen und anzutexten, kreativ und trotzdem eine verlässliche Größe zu sein,kurz: die Seite und ihre Geschichten richtig zu verkaufen, 24/7.

Ein einzigartiger und im Journalismus ziemlich neuer Job.

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