Ein Buch – das Update (35): Treffen, Texte, Tabellen (und Burli)

Bei jedem Projekt gibt es so Tage, an denen man mehr als an anderen das Gefühl hat: Jetzt ist wieder ein bisschen was geschafft. Am Wochenende war das bei mir so. Die ersten drei Texte fürs Buch sind lektoriert und vom jeweiligen Autor, der das Lektorieren über sich ergehen lassen musste, auch abgenommen. Deswegen gehen sie jetzt gerade an den Verlag, damit die Freunde bei Euryclia auch etwas zu tun bekommen. Unser dritter Herausgeber, Prof. Ralf Hohlfeld, beginnt in dieser Woche damit, eine (wissenschaftliche) Struktur in das Buch zu bringen, wir wollen ja schließlich keine lose und nette Aufsatzsammlung machen, sondern ein stringent aufgebautes Buch. Davon habe ich leider keinerlei Ahnung, Ralf Hohlfeld dafür umso mehr. Am 12.März wollen wir uns dann nochmal im größeren Kreis treffen — und dann, ja: Ich trau´s mich ja kaum hinzuschreiben, weil ich dem Braten irgendwie noch ein wenig misstraue, aber danach sollte dann mal langsam alles beim Verlag liegen und in Produktion gehen. Mit acht Wochen Produktionszeit werden wir allerdings wohl rechnen müssen, so dass das gute Stück dann irgendwann im Frühsommer bei Ihnen ankommen sollte. Bis dahin haben wir hier noch einen Wust von Texten, Tabellen und Treffen zu bewältigen und danach würde ich gerne einfach nur was Schönes feiern. Party!

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Um Sie noch ein wenig auf dem Laufenden zu halten bzw. neugierig zu machen und weil heute Sonntag ist und Sie vielleicht etwas Zeit zum Lesen haben — hier kommen nochmal zwei Leseproben. Die erste stammt von Marcus Bösch und behandelt das Thema „Mobile Reporting“, die zweite ist von mir und dreht sich um das Thema „Hyperlokaler Journalismus“.

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Aus: Marcus Bösch, Mobile Reporting:

Der australische Freelance-Journalist Guy Degen dreht im April 2009 für die UN in Georgien einen Videobeitrag über Minenfelder, als ihn die Redaktion von DW-TV kontaktiert. In der Hauptstadt Tiflis versammeln sich Demonstranten der Opposition, um gegen die Politik des Präsidenten Micheil Saakaschwili zu demonstrieren. Degen gibt dem englischen Fernsehprogramm der Deutschen Welle am Abend via Telefon zwei Live-Interviews vor dem Parlament. „Es war im Frühling 2009 noch viel zu früh, der Redaktion verständlich zu machen, dass ich mit genau dem gleichen Nokia N82-Telefon, das ich für die Live-Schalte benutzt habe, via Online-Dienst Qik auch live Videos ins Internet streamte“, sagt Degen heute. Er twittert als @fieldreports Informationen von vor Ort und den Link zu seinem Handy-Livestream. Seine Tweets werden weiterverbreitet, georgische Blogger berichten. Die Linkverweise tauchen zeitnah auf der internationalen Blog-Plattform Global Voices auf. Degen gelingt mit einem handelsüblichen Smartphone, woran viele Redaktionen scheitern: Exklusive Live-Bilder aus Georgien – weltweit und unmittelbar verfügbar auf jedem stationären Computer und jedem mobilen Endgerät mit Internetzugang.

Anfang 2011 gibt es weltweit mehr als fünf Milliarden Mobilfunkanschlüsse. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass mobile Endgeräte den klassischen PC bereits 2013 als meist verbreitetes Gerät für den Zugriff auf das Internet überholen werden. Moderne Mobiltelefone mit Internetzugang werden nicht nur ein zentraler Dreh- und Angelpunkt beim Konsum, sondern auch bei der Produktion medialer Inhalte sein. Denn sie sind klein, direkt verfügbar und technisch in der Lage, sendefertiges Audio- und Videomaterial zu produzieren.

Wenige Monate nach Degens „Mobile Reporting“-Erfahrungen in Georgien sendet der amerikanische Fernsehsender WFOR, der zur Sendergruppe CBS4 gehört, den ersten komplett auf einem „iPhone 3GS“ gefilmten Beitrag in einer Fernseh-Nachrichtensendung . Reporter und Producer Giovani Benitez hatte den Verkaufsstart des neuen iPhones, das seit der dritten Generation im Sommer 2009 über eine Videofunktion verfügt, passenderweise genau auf so einem Gerät gefilmt. Begeisterte E-Mails an den Sender und Debatten über zukünftige Einsatzmöglichkeiten im Netz sind die Folge. Der erste komplett auf einem Smartphone gefilmte Fernsehbeitrag wird von nachkommenden Generationen wahrscheinlich ebenso mit einem Schulterzucken quittiert werden, wie die offizielle Geburtsstunde des mobilen Journalismus.

Die datiert der australische Journalismus-Dozent Stephen Quinn auf den 17. Februar 2004. An diesem Tag veröffentlicht die New York Times erstmalig ein Foto, das mit der Kamera eines Mobiltelefons aufgenommen wurde. Im gleichen Jahr beginnt die Markteinführung des UMTS-Netzes in Deutschland, das das langsamere GSM-Netz ablöst und dank Übertragungsraten von theoretisch bis zu 2Mbit pro Sekunde auch komplett ruckelfreies Videoclip-Abspielen auf dem mobilen Endgerät ermöglicht. Ebenfalls im Jahr 2004 kommt mit dem Sharp GX30 das erste Megapixel-Handy auf den europäischen Markt. Es wird allerdings noch zwei Jahre dauern bevor der Begriff „Mobile Journalism“ auf einer Konferenz der Online News Association im Oktober 2006 erstmals in Fachkreisen diskutiert wird. (…)

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Christian Jakubetz, Hyperlokaler Journalismus:

Bisher haben wir im Lokalen mehr oder minder die selben Maßstäbe für eine Veröffentlichung angelegt wie die Kollegen in den Mantelredaktionen, haben nach Größe, Relevanz und Bedeutung entschieden. Was aber, wenn man diese Maßstäbe in einem hyperlokalen, digitalen Journalismus nur noch sehr eingeschränkt anlegen kann? Der Widerspruch liegt ja bereits im Namen: Hyperlokal und Relevanz für eine größere Menschenmenge, das schließt sich aus. Relevanz wird in hyperlokalen Maßstäben ein sehr relativer Begriff.

Hyperlokaler Journalismus wird also in der Praxis vermutlich noch sehr viel mehr als bisher bedeuten, dass Journalisten Informationsströme organisieren, sie lokalisieren und ggf. auch moderieren. Die Rolle des Hyperlokaljournalisten wird also vermutlich viel weniger als bisher mit der Rolle desjenigen zu tun haben, der Inhalte selber produziert und als „Gatekeeper“ der Information darüber entscheidet, was sein Publikum zu lesen bekommt. Und vor allem auch, was nicht.

Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel „Fußball Passau“. Gegründet vom damals 18jährigen Michael Wagner, warf das Portal so ziemlich alles über Bord, was man vermeintlich für funktionierenden Journalismus benötigt. Wagner ließ die Vereinsschreiber und freien Mitarbeiter weitgehend ungehindert schreiben, so dass sich auf „FuPa“ auch über C-Klassen-Spiele ausführliche Berichte und eine ganze Menge Fotos finden. Dieser hyperlokale Journalismus wird also auch Züge eines Wikis zeigen, auch wenn die Definition eines Wikis letztendlich eine andere ist. Gemeinsam ist beiden allerdings, dass es die Nutzer sind, die für den Großteil der Inhalte sorgen.

Das Beispiel des Passauer Fußballportals ist bezeichnend für die Entwicklung, die der hyperlokale Journalismus nimmt und noch nehmen wird. Würde man die normalen Maßstäbe von Relevanz, Größe und Informationsgehalt anlegen, niemand dürfte über ein C-Klassen-Spiel wesentlich mehr vermelden als das nackte Ergebnis, die Torschützen und die neue Tabelle. Niemand, nicht einmal die Beteiligten selbst, würden ernsthaft behaupten, dass ein Spiel in der C-Klasse von solcher Bedeutung und solchem sportlichem Wert wäre, als dass man darüber als Journalist ernsthaft berichten und analysieren müsste. In einer hyperlokale Welt hingegen hat das Spiel von Dorf A gegen Dorf B ausgesprochen hohe Relevanz, möglicherweise ist dieses Spiel für Dorf A und Dorf B mindestens genauso wichtig und spannend wie ein Länderspiel. Das wiederum ist zwar zum einen nachvollziehbar, würde aber zum anderen Journalisten vor ein unlösbares Problem stellen. Erstens gibt es schon rein zahlenmäßig gar nicht so viele, dass tatsächlich jedes C-Klassen-Spiel und jedes kleine Vereinsfest von uns abgedeckt werden könnte. Zweitens müssten sich Journalisten auf dieser Ebene eine Lokalkompetenz aneignen, die kaum zu bekommen ist, weil sie ansonsten dann – drittens – sich auf einen so kleinen Markt spezialisieren müssten, dass sie ökonomisch kaum überlebensfähig wären. Kurz gesagt: Selbst wenn wir wollten, hyperlokaler Journalismus wird zu einem großen Teil ohne den professionellen Journalisten auskommen müssen, zumindest dann, wenn es um seine Rolle als aktiver Inhalteproduzent geht. Damit fahren die meisten der bisher existierenden Hyperlokal-Projekte im Übrigen auch gar nicht schlecht. Die meisten dieser Seiten haben andere Probleme zu beklagen als das Fehlen von Redakteuren mit 20 Jahren Berufserfahrung. Was bedeutet das für uns als Journalisten? Zunächst einmal, dass wir deshalb nicht überflüssig werden. Sondern lediglich, dass sich unsere Rolle und unser Selbstverständnis im hyperlokalen Bereich ändern wird. (…)

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Bekanntlich darf ich mir ja noch solchen halbhistorischen Momenten immer was für unsere Party wünschen. Heute fällt die Auswahl sehr leicht. Erstens brauchen wir ja eine Reminiszenz an unsere österreichischen Autoren und an Österreich als solches — und zum anderen: Wir Älteren haben wir uns ja jetzt 25 Jahre gefragt, was eigentlich aus Burli und Amalia geworden ist. Burli ist gewachsen, Amalia auch.

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