Was so vage übrig bleibt

Kein Tag, an dem man nicht irgendwas lernt. Heute gelernt: Es gibt einen Bundesverband der Medientrainer in Deutschland. Und er verschickt sogar Pressemitteilungen. Wie die dort an meine Mailadresse gekommen sind, keine Ahnung. Aber weil ich ja mit etwas gutem Willen auch als Medientrainer durchgehen könnte und außerdem neugierig bin — Pressemitteilung aufgemacht, gelesen, festgestellt: Wenn jemand etwas dazu sagen darf, dann die Medientrainer.

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Pressemitteilung
Köln, 14. Februar 2011
Abschied auf Raten?
Gottschalks Ankündigung, nicht mehr „Wetten Dass“ zu moderieren
Er ist der letzte, der uns um das elektronische Lagerfeuer zusammenbringt. Bei „Wetten Dass“ sind wir die große Gemeinschaft, sind wir eine Nation, wissen, dass Nachbarn, Freun-de und Kollegen jetzt ebenso zusehen wie wir. Damit soll nun Schluss sein.
Den Medienauftritt eines Profis wie Gottschalk zu bewerten? Das steht wohl niemandem an, auch nicht dem Bundesverband der Medientrainer. Aber ein paar Gedanken – und zwei Fragen sollten erlaubt sein.
Natürlich, ein souveräner Auftritt. Die Worte klug gewählt, sympathisch und einfühlsam. Na-türlich geht es zunächst um den verunglückten Samuel Koch. Dann, ganz sanft, macht Gottschalk klar, dass es gleich große Worte geben wird. Und einen großen Moment.
„Die große Mallorca-Show mache ich noch. Und auch noch die drei 30-Jahre-Wetten-Dass-Shows. Aber danach ist Schluss.“
Schweigen. Betretenes Schweigen. Wie auch sonst hätten die Zuschauer reagieren sollen? Ein Rücktritt in flapsiger Art, mal so eben nebenbei, hätte Reaktionen hervorgerufen: solidari-sches Gestöhne, Pfiffe, Zwischenrufe. Aber dazu war der jetzige zu Moment zu offiziell, zu pathetisch, zu seriös. Doch genau das musste er auch sein. Denn ein Abschied von Wetten Dass fällt auch einem Sonnyboy wie Gottschalk nicht leicht. Und es ist dann auch durchaus legitim, das Publikum dieses auch spüren zu lassen – auch wenn ein leichtes Unbehagen im Saal und sicherlich auch im heimischen Wohnzimmer die Folge war.
Zwei Fragen bleiben:
1. Was wäre, wenn Gottschalk alles so gemacht hätte – aber nicht vor, sondern nach der Show? Hätten wir einen schöneren, unbeschwerteren Abend gehabt? Er hätte die Show einleiten können mit den Gerüchten, die es über ihn und Wetten Dass seit einigen Tagen gibt und dann verweisen können, dass er am Ende der Show dazu etwas sagen wird.
2. Warum hat Michelle Hunziker die klare Rücktritts-Aussage wieder in Frage gestellt mit ihrem Satz: „Und vielleicht schaffe ich es ja, dass du deine Entscheidung noch einmal über-denkst.“? Haben wir also umsonst getrauert, gibt es doch noch Hoffnung, ist das ein Ab-schied auf Raten? Und weil genau das jetzt unsere Wahrnehmung ist, wird Gottschalk dem-nächst noch einmal seinen Abschied bekannt geben müssen.
Geplant war das mit Sicherheit nicht.

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