Drei Jahre nach dem ersten Teil – soll es jetzt mit „Universalcode“ weitergehen. Ich weiß, das war schon längere Zeit angekündigt. Aber wie das so ist im Leben generell und bei Freiberuflern speziell: Irgendwas ist ja immer. Die richtige Zeit und Muse hatte ich nicht gefunden, dann musste ich mich um die Neuauflage des ersten Teils kümmern und…ach, lassen wir das, ich bin so schlecht im Erfinden müder Ausreden.

Jetzt aber geht es los. Ganz im Ernst und ganz richtig. Mit dem – ebenfalls schon angekündigten – Crowdfunding-Projekt bei „Krautreporter“. Dazu muss ich allerdings erst mal zwei Sätze loswerden. Vor allem als Antwort auf die Frage: Warum Crowdfunding? Die Antwort ist ziemlich simpel: Weil man mit Bücherschreiben im Regelfall kein Geld verdient und ganz froh sein kann, wenn man mit dem rauskommt, was Wirtschaftsmenschen gerne eine „schwarze Null“ nennen. Das gilt natürlich nicht für irgendwelche Bestseller-Autoren. Aber die Zielgruppe für Fachbücher ist derart zugespitzt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder man macht so ein Fachbuch sauteuer. Oder man bittet die Crowd eben um Unterstützung. Beim ersten „Universalcode“ hat das wunderbar geklappt, das war auch der einzige Grund, warum wir beim Preis unter 30 Euro bleiben konnten. Immerhin hat das Teil ja 600 Seiten und wiegt knapp ein Kilo. Man kann sich also leicht vorstellen, was alleine der Druck eines solchen Schinkens kostet.

Aber ich will ja nicht lamentieren – und euch stattdessen lieber erzählen, warum ein „Universalcode 2“ geben soll, was dort passiert und wie das Projekt ablaufen soll.

Krautreporter from Christian Jakubetz on Vimeo.

Universalcode 2 – wie wir wurden, was wir sind

Hinter den Veränderungen durch die Digitalisierung steckt mehr. Der Berufsstand des Journalisten hat erheblich gelitten. Noch vor 20 Jahren galt es als eine gute Idee, Journalist zu werden. Die Arbeitsplätze galten als sicher, waren gut bezahlt und genossen  ein gewisses Renomée. Davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Festanstellungen und gute Gehälter sind für viele junge Journalisten zu einem unerreichbaren Traum geworden. Aber was wird aus dem Journalismus, wenn er sich nicht mehr finanzieren und produzieren lässt?

Das Projekt mit dem Arbeitstitel “Universalcode 2” gibt Antworten. Im Kern auf zwei Fragen:

  • Wie konnte es soweit kommen, dass der Journalismus jetzt da ist, wo er ist?
  • Wie kommen wir aus dieser Lage wieder heraus?

Genauer beschrieben: Der geschichtliche Bogen soll aufzeigen, wie sich der Journalismus in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt hat. Er soll zeigen, warum es zu einfach ist, nur das Internet und die vermeintliche Kostenlos-Mentalität im Netz für die Probleme verantwortlich zu machen. Und er soll belegen, wie sehr sich die Anforderungen an Medien und Journalismus in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Weswegen es nicht reicht, einfach so weiterzumachen wie bisher – nur eben digital.

Das Projekt heißt bewusst “Projekt” – weil es das vorleben will, was es inhaltlich aussagen will: Journalismus wird mehr und mehr das Erzählen guter Geschichten über etliche Plattformen hinweg. Deswegen wird “Universalcode 2” auch ein Projekt, dessen Genese und auch abschließende Inhalte dort präsent sein werden, wo sie am besten aufgehoben sind. Die Endprodukte sind ein Buch, eine laufend ergänzte Webseite und dazu zahlreiche begleitende Videos.

Das Buch

Wer heute in den Journalismus will, macht das nicht wegen, sondern trotz der Rahmenbedingungen. Speziell freie Journalisten arbeiten zu Konditionen, bei denen es schwer wird, tatsächlich eine ganze Familie ernähren zu können. Der unbefristete Redakteursvertrag ist de facto ausgestorben, dazu müssen sich junge Journalisten darüber im Klaren sein, in einer Branche zu arbeiten, deren Zukunft mit enorm vielen Fragezeichen versehen ist.

Angesichts dieser Entwicklung stellen sich einige Fragen und Notwendigkeiten. Die erste ist ebenso simpel wie entscheidend: Wie konnte das passieren? Geht man dieser Frage nach, stellt man schnell fest, dass die weit verbreitete Auffassung, das größte Problem von Journalismus und Medien sei das Internet, viel zu kurz greift. Die Auflage der deutschen Tageszeitungen beispielsweise geht bereits seit Mitte der 80er Jahre zurück, lässt man die kurze Sonderkonjunktur Anfang der 90er Jahre im Zuge der deutschen Wiedervereinigung außen vor. Wenn also Tageszeitungen schon seit Mitte der 80er Jahre im Sinkflug begriffen sind, ist es dann nicht absurd, das Netz zum alleinigen Grund einer wie auch immer gearteten Zeitungskrise zu machen? Und wie konnte es passieren, dass der Journalistenberuf zu einem derartigen ökonomischen Risiko geworden ist, wie er das jetzt ist? Kurz gesagt: Bevor man sich an den Versuch der Beantwortung von Zukunftsfragen macht, ist es hilfreich, erst einmal die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Der zweite Teil des Buchs ist in seiner grundsätzlichen Fragestellung noch einfacher zusammenzufassen: Wie soll das alles weitergehen? Die Debatten der letzten Jahre beschäftigen sich zu sehr mit gegenseitigen Schuldzuweisungen (digitaler Graben, „Print vs. Online“ etc.) und mit den Feststellungen, was möglicherweise alles nicht funktioniert als mit konstruktiven Lösungen. Der zweite Teil soll also Lösungen aufzeigen. Solche, die andernorts schon funktionieren. Oder in kleinen Nischen. Oder vielleicht auch noch gar nicht, aber möglicherweise demnächst. Der zweite Teil dieses Buchs soll aufzeigen, dass es Perspektiven gibt, dass Journalismus eine (gute) Zukunft hat und dass das mögliche Ende bisheriger Geschäftsmodelle keineswegs das Ende der Zunft bedeutet. Zu Wort kommen Ökonomen ebenso wie Journalisten und Medienwissenschaftler.

Autoren und Themen

Noch nicht im Detail festgelegt. Mit dem einen oder anderen aus der ersten Universalcode-Truppe habe ich schon gesprochen. Aber nachdem auch dieses Projekt viel mit der Crowd zu tun haben soll: Ich bin natürlich sowohl für neue Autoren als auch für gute Themenvorschläge offen (wer das nicht hier machen will: cjakubetz (ät)gmail (dot) com). Ob der Umfang wieder gleich 600 Seiten haben wird, weiß ich noch nicht. Aber wie das so ist bei Projekten mit verschiedenen Autoren: Eine gewisse Größenordnung ist da ja schnell erreicht.

Idealerweise ist das Buch bis Ende des Jahres fertig. Die realistische Version lautet indes: Frühjahr 2015.

Was die Crowd tun kann

Klar, finanzieren. Alles weitere steht hier im Krautreporter-Projekt. Es startet heute und läuft dann genau vier Wochen. Aber auch anderes hilft: beispielsweise, das Projekt bekanntzumachen. Mit den üblichen Dingen, die ihr ja alle kennt: retweeten, liken,teilen.

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