Archiv für Oktober 2006


Quoten

12. Oktober 2006 - 10:36 Uhr

Nur als kleiner Denkanstoß: Dieses kleine Filmchen mit den vielen Verschwörungstheorien zu Nineeleven, das seit Monaten bei YouTube rumgeistert, hat inzwischen – angeblich – über eine Million Zuschauer gehabt. Über solche Quoten, Reichweiten, Zuschauerzahlen würde man sich auch auf den konventionellen Bewegtbildabspielstationen ziemlich freuen.

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Im Focus

12. Oktober 2006 - 10:30 Uhr

Vorweg eines: Ich mag den gedruckten “Focus” nicht. Ich mochte ihn noch nie. Seit seiner ersten Ausgabe vor gefühlten 50 Jahren habe ich vielleicht zwei Geschichten bis zum Ende gelesen. Maximal drei Titelgeschichten hätte ich generell spannend gefunden, der Rest ist für mich die journalistische Pest: Listen, Grafiken, viel leere bunte Hülle und inhaltsleeres Geschwafel. Ich lese den “Spiegel” nicht aus Überzeugung, sondern um “Focus” zu entgehen. Dies als Generalabsolution und als Erklärung dafür, warum die kommenden Zeilen nicht den Hauch des Anspruchs auf objektive Betrachtungsweise erheben können.

In dieser Woche war die Neugier dann doch zu groß: eine Titelgeschichte über Web 2.0. Ich war zwar erstaunt, dass das generell so sehr auf Trendsets erpichte Magazin erst jetzt mit diesem Thema des Weges kommt, aber gut – wenn sie sauber recherchiert ist und neue Perspektiven aufzeigt, warum nicht. Rausgekommen ist, dass ich endlich gelernt habe, warum ich mit diesem Magazin nix anfangen kann. Über den entsprechenden Titel des “Spiegel” vor wenigen Wochen konnte man diskutieren, er bot einigen Stoff, der es Wert war, ihn wenigstens zu lesen. Die “Focus”-Geschichte las sich wie die Magazin-Form des Buchs “Internet für Dummys”. Ausgerechnet in einer Woche, in der (dumm gelaufen) YouTube von Google gekauft wird, erklärt der Focus seinen Lesern, dass YouTube eine Bewegtbildplattform sei, auf der alle mitspielen dürfen. Es wird erklärt was My Space ist und was Open BC ist und was FlickR ist und was…

…lassen wir das.

Zwei Dinge, die mir von dem unsäglichen Titel abgesehen noch aufgefallen sind: Erstens täte dem Blatt ein guter Bildredakteur gut. Die Fotoauswahl besteht in erster Linie aus klinisch-sterilen Lächelbildchen.  Mit dem Ergebnis, dass “Focus” optisch in etwa wirkt wie ein Möbelprospekt mit vielen Grafiken. Und zweitens würde man dem Blatt einen guten Schlussredakteur wünschen, einen, der nicht nur Fakten, Fakten, Fakten checkt, sondern gelegentlich auch so etwas wie Gefühl für die Sprache entwickelt. So liest man beispielsweise in einem der seuchenartig verbreiteten Erklärstückchen, dass die Zahl “360″ bei Web 2.0 nicht etwa der Siedepunkt sei, an dem sich die Idee des Web 2.0 auflöse, sondern…aua. Das tut weh. Verdammt weh. Und wer eine echte Ahnung über journalistischen Altherrenwitz bekommen möchte, lese einfach das “Tendezometer”. Wenn eine Schülerzeitung vor 25 Jahren versucht hat, “Tempo” zu imitieren, muss sich das ähnlich gelesen haben.

Und irgendwann mal, erschlagen von Kästchen, Grafiken, schlechten Wortwitzen, wenn du dir vorkommst, als hättest du statt eines Dinners eine Pappschachtel gegessen, stößt du dann noch auf eine Geschichte über die potenziellen Nachfolger von Edmund Stoiber, und du liest, dass momentan Joachim Herrmann Favorit sei und dass Huber und Beckstein irgendwie nicht so in Frage kämen, wenn Stoiber erst 2010 oder 2011 Platz macht, weil sie dann schon Mitte bzw. Ende 60 seien und damit nicht wirklich für einen angestrebten Generationenwechsel stünden, und dann überlegst du dir, was du eigentlich mit einem Volontär machen würdest, wenn du Chef der Politikredaktion eines Regionalblättchens wärst und der Volo würde dir diese Geschichte auf den Tisch legen…

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ARD radikal

12. Oktober 2006 - 10:08 Uhr

Hui, ein eisiger Wind der Konsequenz auf den Fluren der ARD: Beim Nordic Walking kam vermutlich alles zusammen, von dem man in der ARD momentan nicht so gerne spricht. Sport. Schleichwerbung. Und Hagen Boßdorf. Die Gemengelage ergibt dann notwendigerweise, dass man beim NordicWalking ein klitzekleines bisschen unzulässig Programm und Werbung miteinander vermischt hat, weswegen Herr Boßdorf jetzt gnadenlos rausgeschmissen wird seinen Vertrag nicht mehr verlängert bekommt.

Gnadenlos konsequent, wirklich. 

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Servus, Jugendradio

12. Oktober 2006 - 10:02 Uhr

Man liest diese Neuigkeiten irgendwie mit einem breiten Grinsen im Gesicht: Das Themenkollektiv “Wir werden jetzt jung und hip” des Bayerischen Rundfunks hat seine Pläne, den Laden mal so richtig jung und hip machen zu wollen, begraben müssen, obwohl dort, nach allem was man so hört, an der Spitze des jungen und hippen Kollektivs einer stand, der nach BR-Maßstäben als jung und hip zu gelten hat und deswegen als die Zukunft der hiphoppenden Anstalt gehandelt wird. Statt der Jugendwelle, die jetzt den Weg allen Irdischen gegangen ist und bei den 50jährigen Oberstudienräten, die gerne Zündfunk hören, nicht eben Jubel ausgelöst hatte, soll jetzt die Gute-Laune-Blubberwelle “Bayern 3″ mal so richtig verjüngt werden. Man darf aufs Ergebnis gespannt sein: Die öffentlich-rechtlichen Gute-Laune-Bären machen den 17. Anlauf, auf dass Bayern 3 endlich mal sowas ähnliches wie cool werden soll.

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“Wir lassen die Onliner jetzt auch mal mehr machen”

10. Oktober 2006 - 9:46 Uhr

Gerade sehr en vogue: Vertreter der klassischen Medien, die demonstrativ erzählen, dass sie sich jetzt auch dem Multimedia-Thema anähern wollen/müssen/werden. Was mir dabei immer noch fehlt: Verständnis dafür, dass man nicht einfach nach der Devise “was mit Multimedia” vorgehen kann, sondern dabei in Btracht gezogen werden sollte, was der Begriff “multi” bedeutet. Multimedia ist nicht Rechner mit Lautsprecher dran, ist auch nicht “uns jetzt gibts auch im Internet”. Und schon gar nicht: “Wir lassen unsere Onliner jetzt schon auch mehr machen.”

Alles Zitate aus Gesprächen der letzten Tage.

Und während man sich also dessen rühmt, dass man die Onliner jetzt schon auch mehr machen lässt, kauft Google Youtube. Für 1,6 Milliarden. Die werden ihre Onliner sicher auch mehr machen lassen in nächster Zeit.

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Was sich bei der ARD ändern wird

5. Oktober 2006 - 18:57 Uhr

Auch wenn im Inneren der Wagenburg noch etwas Unverständnis herrscht ob der anhaltenden Kritik: Die ARD ist in einer ziemlich handfesten Krise. Und das nicht nur wergen der Causa Ullrich/Boßdorf/Struve. Überaus lesenswert dazu eine Geschichte von Bernd Gäbler (ehemaliger Grimme-Chef) in der neuen Ausgabe des Medium Magazins.

Vor allem die Conclusio ist so bedenkenswert, dass man sie sich bei der ARD hinter die Ohren klemmen sollte. Gäbler schreibt:

 (…)Auf diesem Weg wird sich der Monolith nicht reformieren. Für Veränderungen werden aber drei längerfristig wirekende Erosionen sorgen. 1. Der dramatische Verlust der Jugend. 2. Die Gebührenerhebung nach Geräten wird zum Anachronismus. 3. Kommerzielle Aktivitäten werden künftig vom orginären öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag, den “public services” zu trennen sein.

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Guten Morgen, FR

5. Oktober 2006 - 9:13 Uhr

Man sollte es eigentlich nicht tun, kann´s aber dann doch nicht immer vermeiden: Die Frankfurter Rundschau stellt auf ihrer Medienseite fest, dass irgendwas mit Digitalisierung gerade passiert, dass man Fernsehen jetzt auch IP-basiert übertragen könne, dass das vermutlich ein paar Veränderungen mit sich bringt und dass – hold on to your seats! – möglicherweise ein “medialer Tsunami” bevorstehe. Was hamm wir uns gegruselt.

Und wenn der Rest des Blatts ähnlich sein sollte wie dieser Beitrag, wundert mich dessen leicht desolate Lage nicht mehr. Immerhin: Medien schreiben über Medien. Und die sollten eigentlich ein bisschen weiter sein als auf solidem Volkshochschul-Level.

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Sommermärchen im Multimedia-Spezial

4. Oktober 2006 - 9:05 Uhr

Ich mag die Multimedia-Specials von FAZ.net im Regelfall sehr. Auch die Aufarbeitung des Wortmann-Fußballfilms ist überaus gelungen. Was mir insbesondere bei dem Dreiminüter dazu auffällt: Viele Onlineredaktionen haben beim Umgang mit bewegten Bild, mit eigenen “Fernsehbeiträgen”, den Status des fröhlichen Dilettierens verlassen und machen ziemlich ansehnliche Sachen.

Passt übrigens ins Bild, dass der ZDF-Chefredakteur inzwischen verkündet hat, dass es in seinem Zuständigkeitsbereich kein Material mehr geben soll, bei dem nicht geprüft werde, ob und inwieweit es auch auf Online-Plattformen (und damit sind nicht nur die eigenen gemeint) genutzt werden kann. Klar: Wenn man sich vor Augen hält., dass lt. Spiegel ein ZDF-Beitrag unlängst online höhere Quoten als im TV erzielt hat… 

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