Neu bei Bildblog: Der Spiegel

Beim „Spiegel“ mögen sie es ja gerne ein wenig dramatischer: Eine Titelgeschichte über Guttenberg beispielsweise muss entweder „Das Märchen vom ehrlichen Karl“ oder aber (wie kurz zuvor) „Die fabelhaften Guttenbergs“ heißen. Folgerichtig muss also ein Titel des „Spiegel“ über die „Bild“ mindestens irgendwas mit Brandstiftung enthalten, weswegen man sich sinnigerweise dafür entschieden hat, der Geschichte den Titel „Die Brandstifter“ zu geben.

Man staunt dann ein wenig, wenn man sich durch (zumindest auf dem iPad) quälend lange 29 Seiten wühlt.  Man liest Dinge, die jeden Tag bei „Bildblog“ hinreichend dokumentiert sind und man wundert sich, wo eigentlich die eigene Rechercheleistung einer Truppe von Titel-Autoren bleibt. Der gesamte Titel liest sich wie eine Zusammenfassung der besten Bildblog-Geschichten der letzten zwei Jahre, garniert mit ein paar eigenen Einschätzungen und ein paar Hintergrundgesprächen, beispielsweise mit Ottfried Fischer, den man dann mit Sätzen zitiert, die schon etliche Male auch anderswo zu lesen waren.

Gut, ein Interview mit Kai Diekmann werden die Bildblogger vermutlich nie bekommen. Aber auch die „Spiegel“-Redakteure stellen sich im Umgang mit Diekmann nicht sehr geschickt an. Man muss Diekmann nicht mögen oder ihn gar sympathisch finden, aber insgeheim ihm zumindest eine Art Respekt zollen, wie er die „Spiegel“-Leute immer wieder im Vorbeigehen erledigt. Es ist ja auch irgendwie selten dumm, Diekmann auf den Umgang der „Bild“ mit Sarrazin festnageln zu wollen, wenn ausgerechnet das eigene Blatt Sarrazin mit (bezahlten) Vorabdrucken seines Machwerks erst eine große und seriöse Bühne gegeben hat. Und dass der „Spiegel“ in der Causa Guttenberg ziemlich angreifbar erst, wenn man erst Ende 2010 einen Titel über die „fabelhaften Guttenbergs“ und deren „Paarlauf ins Kanzleramt“ geschrieben hat, ist doch auch erwartbar.

Was mich wundert: Man will also publizistisch einen Nachweis über die Gefährlichkeit der „Bild“ liefern und deren Chefredakteur, einen bekanntermaßen brillianten Rhetoriker, ins Kreuzverhör nehmen. Und dann bringt man nicht mehr zusammen, als eine bessere Bildblog-Zusammenfassung (ohne den Namen Bildblog auch nur ein einziges Mal zu erwähnen). Zudem ein Interview, bei dem man den Eindruck nicht los wird, dass Diekmann es absolviert, ohne sich auch nur ein einziges Mal anstrengen zu müssen. In der Hausmitteilung nölt der „Spiegel“ zwar, Diekmann habe lediglich routinierte Antworten gegeben, die man in leicht abgewandelter Form auch schon in anderen Interviews von ihm gelesen habe. Mag sein, umgekehrt trifft diese Aussage aber auch die Interviewer: Man hat leider auch nur Fragen gelesen, die Diekmann schon in etlichen anderen Interviews gestellt wurden. Dass Diekmann so nicht zu packen sein würde, hätte man eigentlich schon vorher wissen können.

Am Rande bemerkt: In den letzten Wochen habe ich mal wieder zwei (Medien-)Professoren gehört, die mehr oder minder bräsig meinten, Blogs seien keine Alternative zum Journalismus bzw. dass es Bloggern am „universalen Interesse“ der Journalisten mangeln würde (sagt, kein Witz, Volker Lilienthal). Zumindest in diesem Fall würde ich sagen: Journalisten sind keine Alternative zu (Bild-)Blogs.

(Hinweis: Ich habe eine Zeit lang selbst bei „Bildblog“ mitgearbeitet).