Die Kritiker-Filter-Bubble

Vielleicht ist das ja eine persönliche Sache, was weiß man schon. Aber seit geraumer Zeit gehen mir zwei Sachen ziemlich auf mein sensibles Gemüt. Zwei Sachen, die ich mal sehr geschätzt habe: das Netz (sofern man so pauschal von dem Netz sprechen kann) und nicht ganz wenige der dort in unserer Medien-Filter-Bubble auftauchenden Protagonisten. Daraus geworden ist eine merkwürdige Melange, bei der ich mir noch nicht sicher bin, was aus ihr irgendwann mal werden soll. Sicher bin ich mir nur in einem: Mein eigenes schwarz und weiß und gut und böse ist gerade ziemlich ins Wanken geraten.

Der aktuelle Auslöser: die Debatte um die „Krautreporter“. Nein, man muss nicht alles richtig finden, was die planen und natürlich darf man Dinge kritisieren. Aber der momentane Erregungsgrad ist ziemlich unappetitlich. Liest man das, was da gerade so abgeht, man könnte meinen, die Damen und Herren würden Crowdfunding für ein Atomkraftwerk betreiben. Dabei passiert hier momentan doch nur eines: Eine Truppe von Leuten will ein neues journalistisches Projekt an den Start bringen. Unterstützt es. Oder lasst es bleiben. Oder, wenn ihr denn schon so viel zu kritisieren habt und selbstverständlich wisst, wie es besser geht: Macht es selber. Macht es besser. Mit mehr Frauen, besserer Technik, besseren Inhalten und einfacherer Bezahltechnik. Oder (und jetzt mache ich etwas, was ich in diesem Blog noch nie gemacht habe): HALTET DOCH BITTE EINFACH MAL DEN MUND!! Weil es einfach nervtötend ist, dass man in diesem gottverdammten Netz ungefähr nichts machen kann, schon gleich gar nicht, was mit Medien zu tun hat, ohne dass es sofort zerredet wird. Deutschland besteht nicht nur aus 80 Millionen Fußball-Bundestrainern, sondern auch noch noch aus genauso vielen Projekt-Managern.

Es gibt aber auch etwas anderes, grundsätzlicheres, was mich stört. Der Eindruck nämlich, dass in diesem unserem Netz ziemlich viele Menschen mit einem Selbst- und Sendungsbewusstsein unterwegs sind, das nahe an der unerträglichen Selbstverliebtheit ist. Bei denen die Show, das digitale Posertum, die immer offene große Klappe sehr viel wichtiger ist als die inhaltliche Substanz. Mag sein, dass es auch bei den „Krautreportern“ den einen oder anderen gibt, bei dem das Sendungsbewusstsein über allem anderen steht. Aber wenn dann sowas von zwei Seiten aufeinander prallt, dann sind das Debatten, bei denen man sich wünscht, sie besser nicht mit erleben zu müssen. Die Filter Bubble lebt und die Meta-Ebene auch.

Ganz ehrlich: Ich kann dieses Maß an Kritik und auch an Häme, die da über den Krautreportern ausgeschüttet wird, einfach nicht mehr nachvollziehen. Lasst die Jungs und Mädels wenigstens erst mal machen. Gebt ihnen eine Chance, die länger währt als zwei Tage. Redet nicht alles kaputt, bevor es überhaupt existiert. Und ansonsten gilt wie immer der einfache wie nachvollziehbare Rat: Wenn ihr es denn alle besser wisst und könnt – machen!