Über das Hecheln nach Klicks

Wir saßen vergangene Woche noch keine halbe Stunde richtig zusammen, meine nächste Klasse an der DJS und ich, da steckten wir schon mitten drin in der Diskussion über den aktuellen Zustand des Onlinejournalismus. Und wenn man über ein solches Thema denn schon redet, dann muss natürlich irgendwann auch mal die Frage nach den Quoten, den Klicks und den Auswirkungen dessen, dass jeder einzelne Klick messbar ist, gesprochen werden. Man muss nicht mal sonderlich kritisch draufschauen oder gleich eine Systemfrage stellen um zu bemerken, dass die „Klickmaschinen“ gang und gäbe sind. Dass es bei Dingen wie den 150 besten Bieren der Welt, den 270 schönsten Uhren oder wie hier aktuell bebilderten Tipps zum Energiesparen um das gewaltsame Brachialhochtreiben der Klicks geht. Und um nichts, aber auch gar nichts anderes.

Natürlich könnte man jetzt mit den Schultern zucken und sich fragen: who cares? Näher betrachtet nervt zweierlei daran. Aus journalistischer Sicht, dass damit Inhalte relativiert werden, dass eine Geschichte, die man zu guten alten Zeiten in einen einspaltigen Infokasten mit 30 Zeilen gepackt hätte, hochgejazzt wird zur 15-teiligen Bildstrecke, in der dann auch noch Dinge stehen, die man selbst dann schon wusste, wenn man ein klimapolitischer Totalignorant wie ich ist (über die eigenartigen Bebilderungen von n-tv.de mag ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, das machen andere schon zur Genüge – aber wie man das Thema Energiesparlampen mit einem Foto eines beleuchteten Rummelplatzes bebildern kann, ist mir in diesem Zusammenhang auch eher schleierhaft).

Als User schließlich fühle ich mich ganz simpel etwas vergackeiert, wenn ein ziemlich banales Thema, das ich wenn schon denn schon gerne kompakt und übersichtlich zusammengefasst präsentiert bekommen hätte, auf 15 Fotos aufgeblasen wird. Man kann – natürlich – zu jedem Thema Bilderstrecken machen. Die Kunst eines vernünftigen multimedialen Arbeitns besteht aber exakt darin – für die jeweilige Geschichte die beste Darstellungsform zu finden. Sollte man vielleicht mal im aktuellen Bilderserienwahn berücksichtigen, selbst wenns viele Klicks bringt. Die journalistische Substanz jedenfalls erschlägt man mit dem Slideshow-Overkill jedenfalls ziemlich schnell und zuverlässig.

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3 Kommentare

  1. Wie wäre es denn mit einer Screenshot-Show „Die dümmsten Galerien aller Zeiten“? 😉
    Es stimmt, das Phänomen nervt. Ich glaube aber erstens, dass die Klickmaschinenphase endlich ist. Und zweitens nähere ich mich dem Phrasenschwein mit der Anmerkung: Es muss doch niemand (weiter-)klicken. Aber so lange es der User will…?

    Btw: Gutes Gelingen bei der DJS! Wir wollen den Seitensprung mal durchgehen lassen…

  2. @AM: Ich weiß, dass ich nicht zwingend muss…aber möglicherweise bin ich einfach naiv. Bei den meisten Bilderstrecken denke ich mir, da MUSS doch noch was kommen, egal was, aber IRGENDWAS…meistens bin ich dann ein wenig frustriert nach gefühlten 725 Klicks.

    Und danke dafür, dass wir eine offene Beziehung führen können – wenn Sie beabsichtigen, mich mal zu heiraten, höre ich es mir trotzdem an 🙂

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