Wie Bayern tickt – oder: Frau Pauli (2)

Man müsste irgendwie eine Vorschrift schaffen, nach der nur Bayern über die CSU und Frau Pauli und insbesondere das Verhältnis der CSU und von Frau Pauli zueinander und dann wiederum das Verhältnis des Bayern zur CSU und zur Frau Pauli zu beschreiben. Möglicherweise käme dann Verständnisvolleres heraus als das, was wir in den letzten Tagen so gelesen haben. Ich habe mal von einem bekannten Journalisten, der eine Zeit seines Lebens in München verbracht hat, eine sehr ehrliche Antwort auf die Frage gelesen, ob er denn in dieser Zeit Bayern begriffen habe. Klare Ansage: dort gelebt, aber nie was verstanden. Ist ok. Kann man als Nordlicht auch nicht wirklich.

Also, die Sache ist so: Der Bayer mag klare Verhältnisse. Er hat auch kein Problem mit Obrigkeiten, weswegen er klare Verhältnisse insofern schafft, als dass er die Obrigkeiten mit deutlichen Mehrheiten ausstaffiert. 50 Jahren mit absoluter Mehrheit sind für den Bayern kein Problem und eine Opposition braucht er auch nicht. Die ist er nämlich qua Veranlagung selber. Deswegen gibt es in Bayern auch keine SPD bzw. das, was sich in Bayern SPD nennt, ist dazu da, dem Parlamentarismus in Bayern wenigstens den Anschein einer Auseinandersetzung zu geben. In Wirklichkeit ist das aber ganz einfach: Man wählt in Bayern CSU und begibt sich danach sofort in Opposition, weswegen man keine SPD braucht und trotzdem ein entspanntes Verhältnis zur Macht hat. Das wiederum hat damit zu tun, dass der echte Bayer eine klammheimliche Freude daran verspürt, die staatstragende Partei mit enormer Macht auszustatten, nur um ihr regelmäßig zu zeigen, dass auch Zweidrittel-Mehrheiten im Zweifelsfall nix bedeuten müssen.

Im aktuell vorliegenden Fall der Frau Pauli und ihrer Kandidatur um dem CSU-Vorsitz haben also all die ahnungslosen nichtbayerischen Journalisten, die sich aufgeregt per Aufsager live aus Zirndorf meldeten und beteuerten, die Frau habe ja so gut wie nix zu sagen gehabt, weswegen sie quasi chancenlos sei, bitter getäuscht. Der Bayer wählt zwar Zweidrittel-Mehrheiten, ist aber in der Tiefe seines Herzens immer ein Revoluzer. Deswegen überschüttet er Frau Pauli mit Sympathien und spricht ihr Mut zu, obwohl er natürlich weiß (und will), dass der Huber Erwin im September der neue Parteichef wird. Trotzdem: Wir lassen uns nicht gerne sagen, was wir zu denken und zu wählen haben, nicht mal von einem designierten Ministerpräsidenten. Oder sonstwem. Die Pauli soll kandidieren und der Huber Chef werden und wir, und nur wir ganz alleine, haben das so entschieden. Danach können´s dann wieder weiterregieren, die Zweidrittel-Mehrheitler von unseren Gnaden.

So. So ticken wir. Und wenn´s uns grad einfällt, dann auch mal wieder ganz anders.

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1 Kommentar

  1. Meine Ansicht von der Politik in Bayern hat folgende kleine Anekdote geprägt: Da hat es in irgendeiner bayrischen Kleinstadt eine Klüngelaffäre gegeben, in der sich die lokalen CSU-Granden gegenseitig kommunale Aufträge zuschusterten. Das Ganze flog auf, jedoch gab es nicht den erwarteten Riesenwirbel. Ein SPD-Lokalpolitiker regte sich darüber auf, daß der Öffentlichkeit diese Art von Vetternwirtschaft wohl egal sei, woraufhin er sich von einem Bürger bescheiden lassen mußte: „Mei, wenn Ihr noch nicht mal für Euch selber sorgen könnt, wie wollt Ihr dann für uns sorgen?“

    Sprach ein Rheinländer, der selber einige Jahre in Münchner Vororten wohnte (und sich bewußt ist, daß das noch lange nix mit Leben in Bayern zu tun hat). 😉

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