…sagte er der Zeitung

Ich freu mich ja regelmäßig, wenn ich mal wieder in den Frühnachrichten von meiner Heimatzeitung (Passauer Neue Presse) höre oder lese. Und in letzter Zeit lese und höre ich ziemlich viel von ihr, weil meine Heimatzeitung sich als weltläufiges Blatt versteht und viele große Interviews mit vielen großen Politikern macht und danach Vorausmeldungen an die Agenturen schickt.

Die Frühschicht-Redakteure der großen Medien freuen sich dann genauso wie ich. Nicht wegen irgendwelcher heimatnostalgischer Anwandlungen, sondern weil das prima Material zum Füllen des morgendlichen Nachrichtenlochs ist. Bei Spiegel Online beispielsweise hat es heute neben der PNP auch der Mannheimer Morgen zu der Ehre gebracht, im Früh-Aufmacher zitiert zu werden.

Bei der PNP geht man übrigens noch weiter. Einmal im Jahr gibt´s eine große Veranstaltungsreihe mit vielen bekannten Leuten. Bundespräsident, Bundeskanzler, Gorbatschow, so diese Kaliber. Dieses Jahr schaut Kofi Annan mal eben auf einen Sprung in der Weltstadt Passau vorbei. Sowas moderiert dann natürlich nicht irgendwie ein Lokalchef, sondern dafür holt man sich (2006) Sabine Christiansen oder Bio Biolek. Nett fürs Blatt, blöd für die Leser – die sind nämlich bei den großen und geschlossenen Veranstaltungen leider ausgesperrt.

Worauf ich hinaus will:  Mich wundert sehr, dass sehr viele mittelgroße Regionalblätter immer noch einen eigenartigen Dünkel pflegen. Den, dass sie eigentlich großen Journalismus machen und das Lokale nur so als lästiges Anhängsel mitschleifen. Ganz hinten im Blatt, so als würde man sich dafür schämen. Der Leitartikler, der mal geschwind die neuesten Entwicklungen im Nahen Osten analysiert, gilt hausintern (und vermutlich auch in der öffentlichen Wahrnehmung) immer noch erheblich mehr als der gestandene Lokalredakteur.

Erstaunliche Diskrepanz – und für mich einer der entscheidenden Gründe für den anhaltenden Leserschwund von Regionalzeitungen: Noch immer scheinen viele Redaktionen solcher Zeitungen zu denken, sie würden wegen ihrer Politikberichterstattung gelesen. Oder wegen ihres chicen Feuilletons. Ich vermute, vom realen Leben draußen haben die allermeisten wenig Ahnung (und wollen sie vermutlich auch nicht haben). Klar, wenn man sich intensiv um Kofi Annan kümmern muss, bleibt wenig Zeit für die Umgehungsstraße in Hintererbsing.

Allerdings überschätzt man die Wirkung solcher Radiomeldungen wie „….sagte derunder im Gespräch mit der XY-Zeitung ganz erheblich. Da freut sich der Morgenredakteur von Spiegel Online und bei mir hüpft auch kurz das Herz ob der Erwähnung eines heimatlichen Namens. Aber das ist drei Sekunden später wieder vorbei und schlägt spätestens dann in Frust um, wenn der Bericht über mein jüngstes Kreisklassenspiel wieder mal erheblich der Kürzung zum Opfer fällt.

Platzmangel, Sie verstehen?

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