Der Spiegel und die Blogger

Wie sagt man so wunderbar treffend bei uns im Süden? Nicht mal ignorieren. So hatte ich mir das gedacht, mir der inzwischen dann doch viel diskutierten Spiegel-Geschichte über Blogs und deren Bedeutungslosigkeit. Nachdem sie mich mit einem ziemlichen Gähnen und einem Anflug von Ratlosigkeit zurückgelassen hatte, war ich mir sicher, darüber nicht eine halbe Zeile verlieren zu wollen; zumal das einzig gelungene und halbwegs perfide Element an der Geschichte ist, dass man schnell in die Falle geht: Regt man sich über die Geschichte auf, heißt es schnell: Seht ihr, alles nur Dreckschleudern, die Blogger.

Drehen wir also den Spieß ein wenig um und spielen Journalist, resp. Redaktionskonferenz resp. Blattkritik. Erster Gedanke: Drei Leute haben recherchiert und waren unterwegs um eine Geschichte zu schreiben, die man mit etwas Google-Recherche auch vom Schreibtisch hätte machen können? Viel Aufwand bei so wenig Substanz; zumal die Zitate von Niggemeier und Don sicher auch schnell am Telefon hätte bekommen können. Dons Blogeinträge abschreiben ist auch nicht so rasend schwer und die Fotos, naja…wie der Don wohnt, weiß man, wenn man ihn ab und an liest und Niggemeier und Schultheiss vor der Springer-Zentrale abzulichten, hui, da muss man als Fotograf erst mal drauf kommen.

Die Geschichte selbst, was soll man sagen? Wenn jemand am Tag 20000 Besucher zieht, ist es ein bissel problematisch, ihn der Irrelevanz zu bezichtigen, finde ich.  Zumal viele Blogger sich ja in sehr speziellen Nischen bewegen, mit einem verhältnismäßig knappen Zeitaufwand arbeiten und (man kann´s ja gar nicht oft genug sagen) nur in den allerseltensten Fälen den Anspruch haben, ein großes Publikum zu erreichen. In Journalistenhirne scheint es irgendwie nicht richtig reinzugehen, dass Masse und Quote nicht zwingend das allein selig machende ist; schon gleich gar nicht, wenn man schreibt, um Spaß zu haben – und nicht, um irgendwie so viel zusammen zu bekommen, dass man am Ende des Monats seine Miete bezahlen kann (ja, ich geb´s zu: das war jetzt ein bisschen Dreckschleuder). Und gerne hätte ich auch die Frage beantwortet gehabt, wie es denn zusammengeht, wenn man auf der einen Seite die fehlende Relevanz von Blogs moniert, auf der anderen Seite aber nicht erwähnt, dass es – ebenfalls im Gegensatz zu den USA – so gut wie kein Blog einer Redaktion/eines Mediums gibt, das auch nur ansatzweihe in Relevanzverdacht geraten könnte. Vom Spiegel jedenfalls ist mir nicht mal der Versuch bekannt.

In diesen Zusammenhang passt es, dass man die Jungs, die man im gedruckten Heft noch als “Beta-Blogger” ein wenig durch den Kakao zog, in der Onlineausgabe kurzerhand zu Deutschlands Starbloggern umfirmierte und eine, na klar, Bilderstrecke daraus machte. Damit man auch ja die 5 Klicks auch noch mitnimmt. Und demnächst dann wieder eine Geschichte schreiben kann, dass die Blogger irgendwie viel weniger von diesen Klicks hätten als sie selbst.

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1 Kommentar

  1. [offtopic]

    Das, öhm, neue Design, darf durchaus als, hm, gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden. Übersichtlichkeit oder gar optische Eingängigkeit sind ihm nicht zu bescheinigen.

    (Was bin ich auch für ein alter Sack, der Veränderung um ihrer selbst willen aus tiefstem Seelengewölle haßt.)

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