Online worst (7) – oder: Warum man im Netz so schwer Geld verdient

Fragt man Zeitungsverleger nach dem, was sie vom Netz halten, dann antworten sie im Tenor immer noch gerne in etwa so: Natürlich müsse man sich im Netz irgendwie engagieren, aber so richtig gerne mache man das alleine schon deswegen nicht, weil man bei diesem Engagement selten bis gar nicht Geld verdienen könne. Erlösminimierer Netz; Sie wissen schon…

Tatsächlich fällt es mir (ohne Zahlen zu kennen) sehr schwer zu glauben, dass meine lieben Freunde von der Passauer Neuen Presse auch nur einen Euro mit ihrem Online-Engagement verdienen (falls doch: Glückwunsch, damit auch noch etwas zu verdienen, wäre eine bemerkenswerte Leistung). Denn was man den Lesern dort seit Jahr und Tag anbietet, spottet nahezu jeder Beschreibung, wie wir in den vergangenen Wochen an dieser Stelle schon öfter gesehen haben. Frappierend finde ich vor allem, dass man all jene Dinge, die man für ein Printmedium seit Jahrzehnten verinnerlicht hat, online sträflich vernachlässigt – und sich dann wundert, dass der Leser auf dieses „Produkt“ gerne verzichtet.

Bemerkenswert erscheint mir auch, dass die PNP vermutlich die erste Zeitung ist, die es mit der Aktualität genau andersrum macht; das langsame analoge Medium Zeitung jedenfalls ist heute schneller als die Onlineausgabe, die heute um 8.24 Uhr folgendes titelt:

Mal wieder also eine „Blitzmeldung“; diesmal über einen tödlichen Verkehrsunfall um 4 Uhr morgens. Schnell, schnell, die Jungs, könnte man meinen – wenn sich der Unfall nicht bereits am Sonntagmorgen, resp. also vor 28 Stunden ereignet hätte. Ein 28 Stunden altes Ereignis als „Blitzmeldung“ zu verkaufen, das dürfte selbst in der an Kuriositäten reichen Onlinelandschaft ziemlich einmalig sein. Da nimmt es man fast schon mit stoischer Gelassenheit, dass die Meldung auch noch mitten im Satz abgerissen wird. Man kann sich ja denken was kommt, und wenn man das nicht kann, kann man ja weiterklicken.

Nach dem obligatorischen dpa-Ticker an zweiter Stelle (was für ein Unsinn, nebenbei bemerkt: eine Regionalzeitung, die an prominentester Stelle einen unsortierten dpa-Ticker mit Wichtigem und Unwichtigem aus aller Welt platziert) kommt dann das „Aktuelle Video von PNP-TV“). Helmut Schmidt war in Passau zu Gast, nette Geschichte soweit. Wenn man sich allerdings vor Augen hält, dass dieses „aktuelle Video“ bereits eine knappe Woche alt ist, möchte man die anderen Videos lieber erst nicht sehen. Vermutlich beschäftigen sie sich mit dem Ende der Freibadsaison in Passau oder damit, dass man in der Eishalle langsam wieder an die Saisonvorbereitungen geht. Oder mit dem Ende der Sommerferien, was weiß man schon. (Lustige Ironie übrigens: Schmidt war auf Einladung der PNP zu Gast, ebenso wie sein Gesprächspartner Wolf von Lojewski. Wenn man weiß, was Gäste dieser Kategorie an Honoraren kosten und wenn man sich überlegt, man würde auch nur den Betrag dieser beiden Gäste in den Ausbau einer halbwegs vernünftigen Onlinepräsenz stecken…aber natürlich ist es schöner, wenn der Verleger sich mit Herrn Altbundeskanzler fotografieren lassen kann.)

Und wieder darunter der Regio-Ticker, das Ding also, das wohl noch am ehesten auf dieser Seite die Kernkompetenz des Blattes ist sein sollte. Den hat man gestern abend um 18.53 Uhr letztmals mit irgendwas bestückt.

Rechnen wir also mal zusammen, was die PNP uns online bietet:

  • Einen Aufmacher („Blitzmeldung“), der über 24 Stunden alt ist.
  • Einen dpa-Ticker. Erhältlich an jeder gut sortierten Straßenecke im Internet.
  • Ein Video, ca. eine Woche alt.
  • Einen Regioticker mit irgendwas, letztmals vor ca. 14 Stunden aktualisiert.

Und wenn man dann tatsächlich auf dem Siedepunkt der Spannung angelangt ist, wenn man meint, es nicht mehr aushalten zu können und unbedingt weiterlesen will – dann empfängt einen bei einem Großteil der Geschichten folgendes Fenster:

Und so kommt es, dass ich Ihnen leider nicht sehr viel mehr über diese Perle des Onlinejournalismus erzählen kann. Bin leider kein Abonnent der PNP und kann mir angesichts von pnp-online auch nicht vorstellen, jemals einer zu werden.

Und Geld verdienen? Damit? Vielleicht sollte irgendjemand mal einen Haufen Verleger nehmen, die der PNP aber in jedem Fall, und ihnen schonend etwas über Ursache und Wirkung erzählen.

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