Abo gekündigt, Leser weg

Anke Gröner hat ihr SZ-Abo gekündigt. Nicht, weil sie die Zeitung schlechter finden würde, sondern weil sie sueddeutsche.de nicht mehr richtig gut erträgt. Ein Einzelfall? Vorerst vermutlich ja. Aber ich würde einiges darauf wetten, dass der Kontext zwischen Printobjekt und Onlineausgabe künftig häufiger hergestellt wird; dass es küftig mehr Menschen geben wird, die Zeitung und Online als eines begreifen und keineswegs gewillt sind, Abstriche in der Qualität zu machen, nur weil man Online ja ohnehin nicht so ganz für voll nimmt und das ganze ja auch nichts kostet (hab´ich übrigens wirklich mal in einem Vieraugengespräch von einem Verlagsmanager gesagt bekommen – dass sich die Leute bittesehr nicht so anstellen sollen, mit Internet würde man ja nix verdienen und kostenlos sei´s auch noch).

Ehrlich gesagt, gerade im Moment will ich auch nicht so recht daran glauben, dass sich diese merkwürdige Grundhaltung in absehbarer Zeit noch ändert. Meine Vermutung ist, dass viele Printleute neben dem Wandel der journalistischen Darstellungsformen auch etwas anderes nicht begriffen haben. Nämlich, dass sie lange Zeit das letzte Relikt der alten Bundesrepublik waren; die Zeitung, die morgens auf dem Tisch liegt wie selbstverständlich („Wer glaubt, die Bezugsgebühren für die Heimatzeitung sparen zu können, spart am falschen Platz“, titelte mein allererster Arbeitsgeber noch bis in die 90er Jahre hinein). Die Zeitung, die sich vor allem durch den Artikel „DIE“ definiert. Die keine oder wenigstens keine ernstzunehmende Konkurrenz hat und die eine Institution ist (zugegeben: Blätter wie die SZ sind es ja auch irgendwie immer noch).

Angekommen in einem ziemlich brutalen (Volkswirte nennen das: wettbewerbsintensiven)  Markt mit ganz anderen Konkurrenten sind die allermeisten dieser Gattung immer noch nicht. Sie bauen weiterhin auf ihre Unverzichtbarkeit und setzen gegen Auflagenverluste immer noch hübsche Kaffeemaschinen als Prämien und Ticketverkauf und lustige Bücherreihen. Anstatt das naheliegende zu tun und ein onlineaafines Publikum auf dem Kanal zu bedienen, den dieses Publikum nunmal bevorzugt.

Wie gesagt, ich weiß nicht, wie viele Menschen so weit gehen würden wie Frau Gröner. Aber es reicht ja schon aus, wenn sich die meisten irgendwann mal für Zeitungen schlichtweg nicht mehr interessieren.

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