Neues aus Passau: Frau Tucci feuert den Chefredakteur

In den letzten Woche konnte man sich das ja schon mal fragen: Was macht eigentlich Hans Schregelmann, der Chefredakteur der Passauer Neuen Presse? Als man ihm die Redaktion demontierte: schweigen. Als man das Institut zur Journalistenausbildung zerlegte: schweigen. Stattdessen wirbelte sein Vor-Vorgänger Rudolf Kollböck durchs Haus, plante neue Redaktionskonzepte, feuerte Leute, holte sich seine alte Macht wieder zurück und stellt heute auch noch ein neues Redaktionskonzept vor. Was also macht Schregelmann, Chefredakteur zumindest auf dem Papier? Antwort: nichts mehr. Auch er wurde jetzt gefeuert, just nach dem man ihm erst unlängst seinen Zeitvertrag in einen unbefristeten umgewandelt hatte. Andernorts könnte man so etwas als Vertrauensbeweis werten, bei der PNP und ihrer Geschäftsführerin Simone Tucci-Diekmann heißt das hingegen: höchste Vorsicht. Wer gestern noch der Darling im Haus war, ist heute schuld an den Auflagerückgängen.

Man darf das, was sich in den letzten Monaten in Passau ereignet hat, nicht nur als Exempel für die dräuende Zeitungskrise verwenden. Man darf das ruhig auch als Anzeichen beginnender Panik bewerten. Immerhin liest sich die Tucci-Bilanz der letzten Monate so: eine komplette Lokalredaktion abgesetzt, einen Lokalchef öffentlich degradiert und gedemütigt (Ex-Lokalchef Helmuth Rücker ist inzwischen 3. Redakteur in der kleinen Lokalredaktion Grafenau), das Journalisteninstitut zerlegt, den Chefredakteur gefeuert. Mit der Konsequenz, dass im Haus eine eigenartige Melange aus Angst und Misstrauen regiert und das Blatt inzwischen völlig gesichts- und konturenlos geworden ist. So handelt nicht jemand, der sich seiner Sache sicher ist und eine solide Idee für die Zukunft hat.

Die Devise von Frau Tucci-Diekmann lautet stattdessen: erstens zurück in die Zukunft und zweitens bedingungslose Gefolgschaft. Was sich sehr schön an der Personalauswahl zeigt. Neuer Chefredakteur wird Ernst Fuchs, ein persönlich bestimmt ausgesprochen netter und niederbayerisch verwurzelter Mensch; aber eben auch einer, der als 17-Jähriger zur PNP kam und außer einem kurzen Ausflug in die Welt der PNP-Lokalredaktionen nie etwas anderes gesehen hat als den Passauer Elfenbeinturm. Als Vize holt man Werner Windpassinger zurück, ebenfalls ein überaus netter Kollege und jetziger Leiter des Passauer Bistumsblatts. Aber eben auch jemand, der noch nie Medien außerhalb Niederbayerns gesehen hat. Und, was noch wichtiger ist: Beide, sowohl Fuchs als auch Windpassinger (als auch der weitere stellv. Chefredakteur Kellermann), haben schon in den 80ern zusammen gearbeitet – unter dem Chefredakteur Kollböck. Nun also macht Frau Tucci-Diekmann jetzt nichts anderes, als eine Besetzung zurückzuholen, die ein merkwürdiges Konstrukt erlaubt: einen Berater, der de facto Chefredakteur ist. Und eine Chefredaktion, die brav das tun wird, was der Berater ansagt. Dass Kollböck wirklich nur ein Berater ist, sollte man besser nicht glauben.

Das alles wäre schon merkwürdig genug, bliebe nicht einfach die Frage, wie man daraus auch nur einen Hauch Zukunftsfähigkeit ablesen sollte. Für digitales Denken stehen alle drei nicht. Dafür, dass man die dramatischen Veränderungen, die auf Medien im Allgemeinen und Tageszeitungen im Besonderen zukommen, begriffen hätte, auch nicht. Vielmehr deutet vieles auf schlichtes Sparen und Eindampfen hin. Und darauf, dass die Redaktion im Hause PNP zu einer Einrichtung geworden ist, die nicht mehr allzu viel zu sagen hat. Weder Kollböck noch Fuchs noch Windpassinger werden sich erlauben können, der Verlegerin auch nur im Ansatz zu widersprechen.

(Und eigentlich hätte man jetzt auch noch ein paar Zeilen über guten Stil und Anstand verlieren können; aber das ist vermutlich in diesem Fall ganz einfach überflüssig).

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5 Kommentare

  1. Auf der anderen Seite hast Du öfter gegeißelt, dass sie immer irgendwelche Backhäuser und Schregelmänner aus Berlin geholt haben, die vom Niederbayern an sich keine Ahnung haben. Insofern könnten Ernst und Werner für eine Rückbesinnung auf eigentliche Stärken, nämlich das Regionale stehen.

  2. Dank Michael Koch wird aus der veralteten PNP jetzt endlich ein zeitgemaesses und kritisches Blatt wie es besser nie war. Dankbar duerfen wir sein fuer diesen eleganten Schachzug, der den tollen Schreiberling uns allen vor die Nase setzte. Lasst sie uns ruempfen

  3. Bravo Stephan (s. o.), die Hüh- und Hott-Schreiberei von Jakubetz fällt nicht nur in dem hier kommentierten Blog auf. Und ganz richtig ist, dass mindestens der Kollege (das ist er nämlich wirklich!) Ernst Fuchs die Gewähr für eine Lokalzeitung bietet, die diesen Namen verdient und der PNP einen Lichtblick in die Zukunft eröffnet.
    Und nur am Rande einige einfache Fragen:
    Warum hackt Jak. gar so harsackisch auch auf PNP-Mitarbeitern herum, deren Kollege er doch gewesen ist?
    Und warum ist sein Verhalten so zweispälig, etwa wenn er im Blog verrät, dass er von Gewerkschaften und dem ganzen Kram wenig hält, dann aber im Gewerkschaftsblatt „journalist“ ausführlich über Fakten schreibt, die letztendlich Gewerkschaftsaufgaben berühren?
    Und ein letzter Satz: Warum entschloss sich H. Rücker nicht zu einem klaren Schnitt des freiwilligen Ausscheidens aus der PNP? Ihn als gedemütigt zu bezeichnen, weil er nun als 3. Redakteur im kleinen Grafenau arbeitet, ist ebenfalls sehr zweispältig: Sind alle die PNP-Kollegen, die nicht Lokalchefs sind, nur armselige Schreiberlinge? Sind Lokalredakteure, denen doch nach Ansicht nicht nur von Jak die Zukunft ihrer Regionalblätter in die Hände gegeben ist, wirklich am unteren Ende der Bedeutungsskala aller Journalisten anzusiedeln?

  4. Lieber Herr Westerholz,

    ursprünglich wollte ich Ihnen an dieser Stelle auf Ihren Kommentar ausführlich antworten, zumal Sie sich ja an dieser Stelle schon mehrfach ausgelassen haben und auch die Kollegen vom „journalist“ schon mit einem entsprechenden Leserbrief beglückt haben. Dann habe ich mir Ihren Kommentar nochmal durchgelesen und dann festgestellt: Sie haben von dem, um was es geht, kein Wort verstanden. Aber ich frag gerne mal andere Kollegen, ob die mit Ihnen debattieren mögen, vielleicht haben die ja auch keine Lust. Schöne Tage noch.

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