Zeitlos gut

(Warnung: Falls Sie es auf dieser Seite nicht gewohnt sind oder aber aus anderen Gründen nicht so gut mit hemmungslosem Lob umgehen können, sollten Sie den folgenden Beitrag besser nicht lesen.)

Schön, wenn man mal eine Erkenntnis kurz zusammenfassen kann: Sehr viel besser als das neue „Zeit online“ kann man eine journalistische Webseite nach heutigem Stand nicht machen. Man ist ja schon ziemlich glücklich, dass rein optisch mal jemand nicht den soundsovielten Nachbau von „Spiegel online“ vorlegt. Und man ist überrascht, dass jemand nicht nur eine halbwegs schicke Optik hinlegt und dabei die Inhalte der Optik nicht folgen können (tagesspiegel.de, stern.de).

Dabei ist das, was die Kollegen von „Zeit online“ gemacht haben, eigentlich gar nicht so kompliziert (vielleicht ist die ganze Geschichte deswegen so gut geworden). Die Optik ist schlicht und trotzdem schön, man nutzt endlich mal die volle mögliche Breite, bindet Fotos mit entsprechendem Platz und anständiger Größe ein. Da sieht sogar ein ziemlich langweiliges Standardfoto mit jubelnden Fußballern gut aus. Passt zu der alten Logik, die mir zu Zeitungszeiten mal ein überaus geschätzter Kollege mit auf den Weg gegeben hat: Wenn du ein schlechtes Bild hast, mach es so groß wie möglich. Klingt zunächst absurd, haut aber meistens hin.

Was ich neben der unbestrittenen journalistischen Qualität des Angebots sehr mag: Ich habe bisher zu keiner Sekunde den Eindruck gehabt, dass mich da jemand zum Klicken um des Klicks willen animieren will. Die Bildstrecken haben alle ihren Sinn und lohnen den Klick dann auch. Und wenn es tatsächlich mal auf der nächsten Seite mit einem Text weitergehen soll, dann lediglich deswegen, weil der Text sonst so lange wäre, dass man lange scrollen müsste (und das muss man ja nicht mögen).

Ich würde fast wetten wollen: Hält das neue Zeit online auf Dauer das, was es jetzt verspricht, hat der Markt der Nachrichtenwebseiten einen extrem starken Mitspieler mehr. (Nebenher: Angesichts dieser Seite nervt es mich umso mehr, dass  meine Lieblingszeitung SZ keinen Auftritt hinbekommt, der auch nur annähernd mit der „Zeit“ konkurrieren könnte. Im Gegenteil: Sieht man sich sueddeutsche.de jetzt mal im Vergleich an, bemerkt man erst, wie kläglich das ist).

Kurz und gut: well done, Kollegen. Besser geht´s nicht.

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