Googles schlechtester Deal

Bisher war ich ja davon ausgegangen, dass ich mit Google einen für beide Seiten zufriedenstellenden Deal eingegangen sei: Ich nutze ein paar von den Diensten, die ich für wirklich gut halte, dafür bekommt Google Daten von mir. Dass  Google all diese wunderbaren Dienste und Spielzeuge mir nicht zur Verfügung stellen würde, weil man eben gut und nicht „evil“ sei, war mir schon klar. Und alles das, was ich bisher an Deals mit Google hatte, schien mir aus meiner Sicht vertretbar. Ich bekam einen wunderbaren Mail-Account zur Verfügung gestellt, der den Müll von beispielsweise web.de locker hinter sich lässt — dafür stellt mir Google ein paar Textanzeigen an den Rand. Stört mich nicht weiter. Und die Google docs sind ein wirklich hübsches Tool, vor allem dann, wenn man mit mehreren Leuten online irgendwas machen möchte. Trotzdem habe ich weiter mein Office-Paket auf dem Rechner. Ab einer bestimmten Grenze hätte ich ein eher ungutes Gefühl, wüsste ich, dass diese Daten auf einem Google-Server liegen (weswegen ich übrigens auch der allgemeinen Euphorie um das Thema „Cloud Computing“ nur sehr eingeschränkt folgen kann). Ich kann auch  nichts Verwerfliches daran erkennen, dass diese kleine Seite hier ein paar Euro mit Google-Anzeigen verdient; ich glaube, es gibt deutlich schlimmere Dinge, die Leute für Geld tun. Kurz gesagt: Bisher hatte ich immer den Eindruck,  dass ich weiß, was ich tue, wenn ich Deals mit Google mache.

Seit „Buzz“ ist das anders. Hey, erstmal: Ich WOLLTE „Buzz“ doch gar nicht. Ich melde mich dann schon, wenn ich irgendeinen Dienst nutzen möchte. Wenn ich allerdings plötzlich einen etwas veränderten Account vorfinde und das Gefühl habe, da könnte man jetzt erstmals so ziemlich alles aus mir rauslesen, wird mir das eher unangenehm. Vermutlich wird mir irgendjemand von Google erklären können, dass nichts gegen meinen Willen passiere, aber zum ersten Mal ist da so etwas wie ein tiefsitzendes Misstrauen bei mir. Ich habe „Chrome“ schon nicht installiert, weil ich die Befürchtung nicht loswurde, mir einen veritablen Datenstaubsauger auf den Rechner zu legen, bei „Buzz“ hat sich dieses Unbehagen potenziert. Das sind übrigens ähnliche Gründe, warum ich auch meine Facebook-Nutzung als eher zurückhaltend bezeichnen würde. Ich bin bestimmt kein Daten-Neurotiker, aber wenn ich den Eindruck habe, ich würde als ein von oben bis unten datenmäßig seziertes Neutrum durch die digitale Welt laufen — laufe ich lieber analog.

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1 Kommentar

  1. Ich fand die Diskussionen dieser Woche ehrlich gesagt bizarr.

    Da gibts Leute, die tatsächlichen einen relevanten Teil ihrer privaten und/oder beruflichen Kommunikation über Google Mail (also einen Freemail-Dienst) abwicklen, der seit Jahren aus Datenschutzgründen kritisiert wird, Leute die sonst überall im Netz immer vorne dabei sind, wenn man irgendwo seine Meinungen, Bilder, Kontakte usw. abgeben darf – und auf einmal kriegen alle einen Schrecken, weil Google Buzz ein Ergebnis seiner zahlreichen Useranalysen, nämlich mit wem man häufig Kontakt hat, bei den voreingestellten Followerlisten publik macht.

    Ein bisschen komisch ist das schon. Im Sinne von merkwürdig wie auch von lustig 😉

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