Südafrika, 2010 (8): Duschen ist überschätzt

The heating manager was not on duty…

Der Anblick heute im Seminarraum ist einigermaßen bizarr: Da sitzen jetzt 20 junge Leute, eingemümmelt in dicke Jacken, Schals, Pullis, einige mit Handschuhen. Passiert ist an sich nichts Schlimmes, aber wenn draußen nachts Minusgrade sind und tagsüber das Thermometer auch nicht eben weit nach oben klettert, ist es zusätzlich ein bisschen blöd, wenn man die Heizung nicht anhat. Und wieder ist es anders, als ich es erwartet hatte: Natürlich ginge die Heizung, sie ist also, wie der blasshäutige Mitteleuropäer sofort wieder vermutet, keineswegs kaputt. Man hat nur vergessen, sie einzuschalten und der Heizungsbeauftragte der Deutschen Schule in Johannesburg ist gerade eben nicht greifbar, verspricht aber, am Nachmittag, ausreichend bevor die ersten Erfrierungen zu beklagen sind, die Heizung anzuschalten. Und einmal mehr gelernt: Welcome to Africa!

***

Das mit den Heizungen ist hier eh so eine Sache. In meinem Hotelzimmer im Stadtteil Linden ist ein kleines Heizgerät untergebracht, das sich mit den eisigen Joburg-Temperaturen redlich abmüht, letztendlich aber nach tapferem Kampf sich geschlagen geben muss. Im Badezimmer ist praktischerweise erst gar keines, was das morgendliche Duschen zu einer eisigen Angelegeheit macht, zumal es zwar heißes Wasser gibt, man sich aber angesichts des eher kümmerlichen Wasserstrahl ebenfalls denkt: Welcome to Africa. Und Duschen ist eh überschätzt.

***

 

Public Holiday heute in Joburg. Auf den Straßen fast kein Mensch – und man denkt sich dann als Mitteleuropäer: Die haben ja Glück, dass ausgerechnet heute ein Feiertag ist, wenn die Bafana Bafana auf den Platz geht. Dabei ist das nicht nur Zufall. Die Schulen beispielsweise hat man während der WM praktischerweise gleich ganz geschlossen. Wer braucht schon Schule, wenn Weltmeisterschaft ist? Es ist jedenfalls eine schlechte Legende, dass man sich hier in Südafrika nicht für die WM interessiere. Die Nationalmannschaft gleicht hier momentan einem Heiligtum und man kann sich gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn die Mannschaft einigermaßen gut kickt. Und Ehrensache für einen Südafrikaner, den Tag heute im gelben Trikot der Bafana Bafana zu verbringen.

***

Massiv geändert hat sich inzwischen unsere Webseite „Africangoals 2010“. Die Optik haben wir angepasst, inzwischen stehen schon reihenweise sehr gute Videos online, die die Kollegen der Deutschen Welle Akademie in den letzten Tagen vorproduziert haben. Dazu gibt es auch einen eigenen Kanal bei „YouTube“ Die Inhalte auf der Seite werden jetzt von Tag zu Tag mehr – so der Heizungsbeauftragte und das südafrikanische Internet wollen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.