Und wo bleibt das Positive (6)?

Hier. Und heute gleich in doppelter und ausführlicher Form. Zum einen gibt es das wirklich wunderbare Stück von Heribert Prantl, der in der SZ völlig unaufgeregt feststellt, dass es  keinen Grund gebe, sich vor der Zukunft des Journalismus (und der Journalisten) zu fürchten. Und dass Blogger und Journalisten gar keine geborenen Feinde sind. Im Gegenteil:

Es wird so getan, als sei die Bloggerei eine Seuche, die via Internet übertragen wird und den professionellen Journalismus auffrisst. Das ist, mit Verlaub, Unfug. In jedem professionellen Journalisten steckt ein Blogger.

Schließlich kommt Prantl zu dem überaus naheliegenden wie klugen Fazit:

Der Journalismus ist keine verspätete Veranstaltung des hochmittelalterlichen Zunftwesens. Den Journalismus kann man also nicht mit Zunftordnung und Zunftzwang verteidigen – sondern nur mit Können. Der Journalismus ist schon immer ein besonders freier Beruf gewesen. Und die Bloggerei ist eine neue Bühne für diese Freiheit. Wie viel guter Journalismus auf dieser Bühne gedeiht, muss sich noch zeigen. Kein Schauspieler muss sich vor einer neuen Bühne fürchten. Ein Journalist auch nicht.

Achja, und schön wäre es, wenn man den Prantl-Text dann auch noch ausdrucken und  per Snailmail an diverse Journalisten- und Verlegerverbände schicken könnte. Paradoxerweise würde er sich in der Hauspost der „Süddeutschen“ übrigens auch nicht schlecht machen.

Weil wir gerade beim Verhältnis Journalisten/Blogger sind: Tatsächlich reagieren viele Journalisten immer noch mit einer merkwürdig aggressiv-ablehnenden Haltung auf Blogs, was ich mir schon alleine deshalb nicht leisten kann, weil ich dann täglich mich selbst beschimpfen müsste. Zu den sehr wenigen Tageszeitungs-Chefredakteuren in Deutschland, die ein gesundes Verhältnis zum Thema haben, ist Christian Lindner von der Rhein-Zeitung. Nicht alles (wie auch?), was er macht, muss man kritiklos bejubeln, die Aktion beispielsweise, Sascha Lobo zum Chefredakteur für einen Tag zu machen, fand ich im Ergebnis nur so mittelgut gelungen. Lindners neueste Ideee finde ich dafür umso bemerkenswerter: Zwei Volontariatsplätze hält er im kommenden Jahr für Blogger parat. Ich habe natürlich keinerlei Ahnung, wie dieses Experiment ausgehen wird, aber ich mag den Gedanken, es einfach mal zu versuchen. Immerhin bestand nahezu alles, was wir in den letzten zehn Jahren in der Branche so angestellt haben, aus Versuchen. Das mit den Konzepten funktioniert ja in Zeiten des Radikalumbruchs nur eingeschränkt. Also, lasst die bei der RZ das mal machen mit den Blogvolos; bevor die Diplom-Übelnehmer kommen: Ich finde, das Experiment hat eine reele Chance verdient.

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6 Kommentare

  1. Ich finde solche Experimente/Versuche von Redaktionen auch gut, schließlich ist es für die Zeitung gut, wenn talentierte, womöglich vernetzte Netzversteher mit guter Schreibe sich bewerben. Dennoch, das explizite „für Blogger“ finde ich etwas merkwürdig. Sollten wir es nicht besser machen wie Prantl es vorschlägt, als den irreführenden Gegensatz per „Blogger“-Quote zu zementieren? Oder sind gute Leute, die ein Blog betreiben, bisland im Nachteil gewesen bei den Bewerbungen?

  2. Ich glaube nicht, dass das eine „Blogger-Quote“ ist. Man holt sich halt bewusst ein paar Leute mit einem völlig anderen Background als die klassischen Zeitungsvolontäre ins Haus, das ist erstmal ein ziemlich guter Gedanke. Das Peroblem vieler Redaktionen ist doch genau das, dass sie diese Subkultur, diese völlig andere Form des Publizierens nicht wirklich begreifen. Erklären kann man sie ja auch schlecht – also, Blogger ins Haus holen. Das Klügste, was man machen kann, finde ich.

  3. Es ist ein schlauer Zug, auf jeden Fall.

    Welchen Background haben denn heutzutage 18-25-jährige Zeitungsvolontäre? Ist eine ehrliche Frage, ich habe keine Ahnung. Aber ich hätte gedacht, was früher Schüler- oder Studizeitung etc. waren läuft heutzutage digital, mehr oder weniger in Blogform…

  4. Nein, so selbstverständlich ist das alles noch nicht. Da gibt es schon noch ganz erhebliche Unterschiede zwischen analoger und digitaler Welt. Und die Grenzen verlaufen nicht unbedingt zwischen jung und alt. Mir begegnen immer wieder junge Zeitungsvolontäre mit einer erstaunlichen Ahnungslosigkeit in Sachen digitale Medien.

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