GEZ ist aber dann auch wieder gut

Vermutlich gibt es momentan bei ARD und ZDF den einen oder anderen, der sich wünschen würde, man hätte beim Thema Rundfunkbeitrag alles beim Alten gelassen. Dann hätte man jetzt einige Debatten weniger am Hals. Was müssen das für schöne Zeiten gewesen sein, als man noch ein paar störrische Zahler als größtes Problem hatte, aber keine Grundsatzdebatte. Vielleicht, das gleich mal vorweg, sollten also die neuerdings zahlreicher auftretenden Befürworter einer GEZ für die deutsche Presse ein bisschen über dieses Thema nachdenken, bevor sie ihre Forderungen wieder stellen. Es ist ja nicht gerade so, als würden jene knapp 18 Euro monatlich bei den Menschen auf allzu große Begeisterung stoßen, selbst dann nicht, wenn man die momentan etwas arg überzogene Berichterstattung von „GEZ-Wutwellen“ mal außen vor lässt.

Die Zeitungen also momentan mal wieder. Wobei der Gedanke ja erstmal einleuchten könnte: Wenn Sie sich am Markt nicht mehr finanzieren können, dann muss man ihn eben einen Teil der Gebührengelder abgeben. Oder neue Gebühren für sie erheben. Presse, das ist schließlich keine Kaugummi-Fabrik, sondern eine Aufgabe, die im öffentlichen Interesse liegen sollte. Und gerade nach dem unschönen Ende der WR-Redaktion könnte man ja zudem noch ins Feld führen, dass damit womöglich Arbeitsplätze erhalten blieben.

Doch das führt auf den falschen Weg. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender werden in absehbarer Zeit in eine Legtimationsdebatte laufen, weil man sich ja zumindest fragen könnte, ob sich die Aufgabe einer Grundversorgung in einem Zeitalter der medialen Überangebote überhaupt noch stellt. Und ob das, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland anbietet, für den Begriff „Grundversorgung“ nicht hoffnungslos überdimensioniert ist. Welche Begründung sollte es dann erst für eine öffentlich-rechtliche Presse geben? Sind Zeitungen ein öffentlicher Auftrag? Gehören sie zur Grundversorgung? Und müsste man dann nicht, wenn man das mal weiter denkt, in einem möglicherweise sich einstellenden Notfall auch Angebote wie „Spiegel Online“ oder „Süddeutsche.de“  unter einen staatlichen Rettungsschirm stellen, wenn es mal heftig zu regnen anfängt? Und will man das überhaupt, neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch noch eine wie auch immer staatlich lamentierte Presse zu haben? Speziell bei regional erscheinenden Medien kommt noch ein anderes Problem dazu: Warum sollte jemand in München Interesse daran haben, eine Zeitung in Flensburg zu subventionieren? Wo, bitteschön, steckt da das öffentliche Interesse, der öffentliche Auftrag?

Journalismus, so unschön das auch klingt, wird sich auch weiterhin am Markt behaupten können und sich selbst finanzieren müssen. Das gilt für alle gleichermaßen, egal ob Radio, Fernsehen, Zeitung oder Onlineangebote (den erwähnten öffentlich-rechtlichen Rundfunk mal ausgenommen). Nur weil der Markt möglicherweise eine bestimmte Form der Darreichung nicht mehr trägt, ist es absurd, dann jedesmal ein ganzes System komplett in Frage zu stellen.

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4 Kommentare

  1. Genau.

    Ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren ein Mehr-Sterne-Koch eine öffentlich-rechtliche Förderung für sein Etablissement anregte – was er leiste, sei ebenfalls bedeutsam und Kultur. Das Fass hätte schlichtweg keinen Boden.

    Aber ich glaube, man braucht sich um die ganze Sache nicht zu sorgen oder sollte seine Erwartungen, so man anderer Ansicht ist, nicht zu hoch schrauben. Denn zwei Fragen stellen sich immer, wenn jemand an das Geld der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender will:
    1. Wo ist der Politiker, der sich mit ARD und ZDF in Gebührenfragen anlegt?
    2. Wo ist der Politiker, der es überlebt, sich mit denen in Gebührenfragen angelegt zu haben?

  2. Die „staatlich lamentierte Presse“ ist in dem Zusammenhang zwar auch hübsch, müsste dann aber vielleicht eher „stattlich lamentierende“ heißen. Oder dann doch alimentiert. 😉

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