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Twitter, eine Liebe auf den vierten Blick

Es ist gerade mal die Kleinigkeit von vier Jahren her, da habe ich an dieser Stelle und an ganz vielen anderen auch verkündet, dass dieses „Twitter“ eine ziemlich unnütze Modeerscheinung sei. Ich erinnere mich sogar an eine Textpassage, die ich mit ganz besonderem Stolz formuliert hatte: „Twitter“ sei ein weiterer Beitrag zu mehr Geschwätzigkeit in einer ohnehin geschwätzigen Welt (toll, oder?). Ich hatte mir da meinen Account gerade angelegt und war auch Tage danach eher ratlos, was das jetzt bringen soll: 140 Zeichen, das ist für jemanden, der gerne auch mal Texte von 100facher Länge schreibt, so was wie die Höchststrafe.  Zumal es damals immer diesen Vergleich mit der SMS gab und ich SMS-schreiben damals schon nicht sonderlich gerne mochte. Die Zukunft des Journalismus besteht also demnach aus einer Aneinanderreihung von SMS-artigen Texten? Ich hielt das damals für den größtmöglichen Verwirrtheits-Exzess.

twitter

Heute, vier Jahre später, habe ich einen freundlichen Erinnerungstweet bekommen, seit nunmehr genau seit vier Jahren bei Twitter zu sein. In nackten Zahlen ausgedrückt hat sich mein Verhältnis zu Twitter, nun ja, etwas gebessert: Ich habe „Twitter“ tatsächlich als etwas zu schätzen gelernt, was weitaus mehr ist, als das schnelle zeichenlimitierte Verströmen von Heißluft. Ich mag das schnelle und unmittelbare Interagieren, das nachrichtentickerartige meiner Timeline – und ja, auch das: Meine Timeline bringt mich immer wieder herzlich zum Lachen. Fußball schauen oder Fernsehen, das wird durch die Twitter-Timeline meistens erst so richtig unterhaltsam. Ich weiß nicht, wie viele sensationell lustige Tweets ich schon gelesen habe. Und nicht nur das: Meine Timeline hat mich auf viele gute Themen gebracht, hat mir Anregungen geliefert und mir ab und an auch mal gezeigt, wenn ich auf dem Holzweg bin.

Twitter ist für mich aber auch etwas anderes geworden: ein sicherer Indikator für Themen, für Dinge, die das Netz (ja, ich weiß, es gibt nicht das Netz)bewegen. So sehr mich die dauerhaft hohe Betriebstemperatur bei Twitter manchmal nervt, so sehr ich es nicht mag, wenn mal eben auf 140 Zeichen rumgebrüllt oder draufgeschlagen wird, so sehr weiß ich aber auch: Wenn heute Twitter darüber spricht, dann gibt es eine gute Chance, dass dieses Thema morgen auch in den restlichen digitalen und analogen Sphären eines sein wird. Twitter also als eine Art Frühwarnsystem; ein Wert, den man gerade für Journalisten gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Inzwischen sind wir gute Freunde geworden, dieses Twitter und ich. Ich bin nicht süchtig danach und kann auch ganz prima ein paar Tage ohne dieses Ding leben. Spätestens dann aber würde ich dann doch anfangen, es zu vermissen. Selbst dann, wenn ich gar nicht arbeiten muss.

Alles übrigens, was ich ganz oben über Twitter mal gesagt habe, habe ich mir jetzt auch über „Vine“ gedacht. Bin gespannt, ob ich in vier Jahren an dieser Stelle mal schreiben werde, wie großartig doch dieses Sechs-Sekunden-Videotool ist.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. kurzundknapp

    Wunderschön geschrieben – das sind genau meine Empfindung, auch wenn ich keine Journalistin, sondern nur privat nutzender Twitterati bin.

    Vor allem diese Aussage hier „Meine Timeline bringt mich immer wieder herzlich zum Lachen. Fußball schauen oder Fernsehen, das wird durch die Twitter-Timeline meistens erst so richtig unterhaltsam.“ kann ich nur unterstreichen. Genauso geht es mir auch.

    Oder wie die @neina_hh es mal ausgedrückt hat: Eine Twitter-Timeline ist wie eine selbstgebackene Pizza: jeder entscheidet für sich, welcher Belag sie haben soll. Und bei mir ist es die Mischung aus schnellen News und Unterhaltung.

    Ich gehe jetzt auch gerade ins vierte Jahr mit Twitter und möchte es nicht mehr missen.

    Vine? Da geht es mir genauso. Da bin ich skeptisch …. Wie damals mit Twitter

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