Content, Kontext, Device

Müssen wir nicht alle bei Snapchat sein? Momentan gibt es mal wieder die Debatten. So wie es solche Debatten mittlerweile alle paar Monate gibt. Der Effekt dieser Debatten ist übrigens hübsch zu beobachten: Erst stürzen sich alle einigermaßen viele wie die Lemminge auf diese neuen Dinger, man wird mit Push-Meldungen zugebombt, wer jetzt gerade snapt oder streamt – und irgendwann ist das Ding, das gerade noch die Zukunft war, tot (siehe: Meerkat). Es empfiehlt sich also bei der Beurteilung von Hypes, auch mal ein bisschen längerfristig zu denken.

Längerfristig und beurteilen, das sagt sich so leicht. Vor allem gemessen daran, dass uns mehr oder weniger kurzlebige Trends im digitalen Journalismus inzwischen seit vielen Jahren begleiten und es vermutlich eine lange Liste von Dingen gibt, deren Lebenszyklus zwischen den Polen „next big thing“  und der stillen Beerdigung nicht sehr lange war. Es gibt jedenfalls inzwischen eine ganze Menge Medienmacher, die sich mit einer ordentlichen Portion Fatalismus irgendwelche Dinge runterladen, sie ausprobieren und sie dann ggf. auch schnell wieder vergessen. Nicht alles, so viel haben wir nach rund 20 Jahren jetzt gelernt, ist es wert, dauerhaft auf dem Radar belassen zu werden.

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Aber wie beurteilt man nun, ob sich etwas lohnt oder nicht? Was macht digitales Erzählen aus, was ist Hype und was ist von Dauer? Und vor allem: Wie bekommt man Zufälligkeit und Beliebigkeit aus dem digitalen Storytelling? Was unbestritten die größte Gefahr ist, wenn man plötzlich enorm viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung hat: Man gerät in die Versuchung, all diese Möglichkeiten auch zu nutzen – weil man es ja kann. Und deswegen finden sich plötzlich Videos, Audios, Animationen, datenjournalistische Anwendungen und  360-Grad-Videos in einem einzigen Stück, obwohl die Hälfte davon vielleicht gar keinen Sinn macht.

Was aber macht denn dann Sinn? Das ist, will man in einem digitalen Narrativ erzählen, die wichtigste Frage. Die sich leider nur mit einem „kommt drauf an“ beantworten lässt. Das klingt auf den ersten Blick nach einer schlechten Nachricht, dabei ist das der gar nicht mal so schlecht. Weil man die Kriterien, auf die es ankommt, einschränken kann. Alles dreht sich schlechtweg um die Frage, auf welchem Endgerät welcher Inhalt in welchem Kontext stattfinden soll.

Content – Kontext – Endgerät: Diese drei Faktoren entscheiden darüber, wo welcher Inhalt angebracht ist. Und das ist auch der Grund dafür, warum ich mich gemeinsam mit der UVK-Lektorin Sonja Rothländer dafür entschieden habe, diese kleine, griffige Formel auch zum Untertitel von „Universalcode 2020“ zu machen. In der leisen Hoffnung, dass sie etwas ist, an was man sich erinnern kann, wenn man mal wieder dasitzt, vor Kameras, Aufnahmegeräten, Smartphones, Mikros und 360-Grad-Linsen, wenn man mal wieder überlegen muss, was man jetzt twittert, facebookt, snapt, instagramt, youtubet. Oder gleich einen „Instant Article“ produzieren soll, der einem kleinen multimedialen Feuerwerk gleich kommt.

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