Ein Blick auf neue Zahlen und ein kleines Jubiläum zeigt: Der Kampf um die Zukunft ist für die meisten Tageszeitungen in Deutschland endgültig verloren. Ein Abgesang. Read More

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10 Kommentare

  1. Ein Element sind auch die „Agenturen“ also, die Agenturmeldungen: nicht wenige Organe drucken sie ab und da man Agenturmeldungen über diverse Kanäle bekommt, ist die Agentur-Quote eben auch eine Meßgröße für eine Redaktion.
    Wenn zu viele Redaktionstexte zu einem Thema abgedruckt werden – anstatt eigene Leute dranzulassen – dann ist klar, dass sich hier ein Ermüdungseffekt entwickelt weil man das Thema schon erfasst hat, weil es eben über viele Quellen verbreitet worden ist.
    Was sich in jedem Falle lohnt, das ist, über einen Monat bei seiner Tageszeitung eine Statistik zu machen, wie viele „Agenturen“ pro Ausgabe gelaufen sind. Ob dieses Thema damit in der Folge abgefackelt war oder, was gut ist, ob es Fahrt aufnahm.
    Auch ist es ein Weg sich zu vergegenwärtigen, wie man selbst mit der abonnierten Tageszeitung eine Strichliste führt. Konsequent über einen Monat hinweg:
    1. Man schaut, liest. Oder, man liest nicht. Hierfür wird dann eben ein Häckchen oder ein Querstrich gemacht.
    Hat man die Zeitung „durch“, summiert man beide Spalten „Häckchen“ und „Querstrich“, dann sieht man, wohin die Reise geht. Man kann, wenn man etwas selektiver vorgehen und Untergliederung für sich einrichten.
    Wenn man dann ein halbes Jahr für jede Ausgabe die Strichliste sieht, dann weiß man, welche Bedeutung ein Organ für einen selbst hat.
    UND: man liest auch noch viel bewusster!

  2. Irgendwann wird zudem jemand auf die Idee kommen, den CO2-Fußabdruck eines Zeitungsabos zu berechnen. Dann ist die ganze Sache endgültig tot.

  3. Das ist ja alles richtig. Aber die Auflage der Zeitungen ist nicht zurückgegangen, weil sie keine Ideen hatten. Der eigentliche Grund liegt in der technischen Entwicklung. Die Zeitungen haben ihre Funktionen als Organisatoren des Marktes verloren. Journalistische Informationen waren nicht die einzigen Informationen, die man in ihnen suchte, man brauchte sie auch, weil man ein Auto kaufen wollte oder eine Wohnung suchte. Diese Funktion und alle damit verbundenen Einnahmen haben sie verloren – was sie natürlich auch im Bereich der journalistischen Informationen schwächte. Die Zeitungen hatten bis zum Internet eine Rente, konnten die Preise für die Anzeigen selbst definieren, und mussten nicht innovativ sein. Wie sollen sie sich jetzt der Disruption entgegenstellen? Das wird nicht funktionieren.

  4. @Thierry Chervel: Sicher hatte die technische Entwicklung einen Einfluss auf die Entwicklung der Auflage deutscher Tageszeitungen. Wenn man aber der Grafik der FAZ in dem Artikel https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/zeitungen-in-der-krise-medienwandel-und-internet-13089556.html von 2014 glaubt, geht die Gesamtauflage bereits seit 1983 zurück. Damals spielte das Internet noch keine große Rolle, das World Wide Web (WWW) gab es noch nicht. Mittlerweile existiert das WWW aber schon seit 30 Jahren – ein langer Zeitraum. Wieviel Zeit braucht die Branche denn noch?

  5. @Gustaf Mossakowski. Stimmt, das ist ein wichtiger Punkt. Es gab sicher schon vor dem Internet einige Faktoren, die am Status der Zeitungen sägten, in Deutschland und anderen Ländern zum Beispiel die Einführung des Privatfernsehens und damit das Problem der Mediennutzungszeit. Außerdem die kostenlosen Anzeigenblätter, die Zeitungen oft verzichtbar machten.

  6. Den Niedergang der Tageszeitung auf mangelnde Anpassungsfähigkeit und Innovationfreude zurückzuführen greift etwas zu kurz. Den Anzeigenkunden sind erst ins Fernsehen abgewandert und und den letzten Jahren auch verstärkt ins Internet. Dadurch ist den Zeitungsverlagen auf der Einnahmeseite viel Geld verloren gegangen. Das zu kompensieren scheint vielen Zeitungen nicht zu gelingen, wie soll da jemand erwarten das eben diese Zeitungen Geld investieren um in neue Technik zu investieren? Hinzu kommt das für hochwertigen Content zu wenig gezahlt wird und sich die Content Creators zunehmen nach neuen Abnehmern umsehen müssen, sehr schön am Beispiel Fotografie abzusehen. Somit bleiben nur noch die Agenturen als Lieferanten für Content übrig. Aber gerade erst hat die BILD unter ihrem neuen Besitzer KKR ihr DPA Abo gekündigt und legt immer mehr Redaktionen zusammen. Es geht aus meiner Sicht nur um die Inhalte, die jungen Leser finden in den Printmedien immer weniger Inhalte die für sie relevant sind, deshalb kaufen sie eben auch keine Zeitungen mehr. Kein (junger) Mensch liest mehr Bedienungsanleitung, da wird lieber nach irgendwelchen Erklärvideos auf YouTube gesucht. Auch dem deutschen Fernsehsendern laufen die Kunden weg, ebenfalls Richtung Internet. Die Gewinner sind Plattformen wie Netflix, Spotify und Co., wen interessiert schon was vor Ort geschieht? Mein Resümee: durch den Sparzwang der Verlage nimmt die Qualität der Inhalte in den Tageszeitungen ab, hier vor allem bei den interessanten Lokalthemen. Die jungen Menschen suchen heute andere Themen und Inhalte und diese hauptsächlich auf Internetplattformen amerikanischer Prägung, d.h. die Lokalzeitung konkurriert mit Netflix und YouTube aber auch mit der Onlineausgabe der New York Times. Diese Medien bieten eine deutlich höhere Qualität bei ihrem Content weil sie finanziell besser aufgestellt sind. Somit geht die Schere bei der Qualität der Inhalte immer weiter auseinander und hinterlässt kleine regionale Tageszeitungen als Verlierer in einem globalen Markt. Die logische Konsequenz müsste eigentlich lauten: Fusionen und Kooperationen verschiedener Printmedien zu einer eigenen Plattform von bundesweiter Relevanz.

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