Kampf verloren, nix gemerkt

Dem Printmedium als solches geht es nicht so richtig gut. Das ist eine Erkenntnis, für die man heutzutage nirgends mehr bestaunt oder beklatscht wird. Das ist einfach Fakt. Ebenso, wie es Fakt ist, dass man ohne eine halbwegs intelligente Digitalstrategie die Zukunft nicht mehr erleben wird. Den Kampf gegen das Internet haben die Zeitungen verloren. Es wird sie weiter geben, natürlich und Gott sei Dank, aber mit deutlich geschrumpfter Bedeutung und mit einer veränderten inhaltlichen Ausrichtung. Wenn es jetzt schon eine „Nationale Initiative Printmedien“ gibt, die in irgendwelchen Ministerien angesiedelt ist, dann wirkt das ein wenig so wie die damalige etwas verspätete Einsicht der Titanic, dass es möglicherweise doch kein Fehler wäre, allmählich SOS zu senden.

Prima lässt sich über die Ursachen dieser Entwicklung debattieren. Susanne Gaschke von der „Zeit“ beispielsweise meint, man müsse schon auch daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten habe als das „Informationsfrikassee“ aus dem Internet. Dass genau diese immer noch durchaus verbreitete Geisteshaltung das Problem vieler Printredaktionen ist, hat Frau Gaschke offenbar noch niemand gesagt. Dieser immer noch verbreitete Glaube, Onlinejournalismus sei Journalismus zweiter Klasse, diese immer noch vorhandene und durch nichts zu begründende Arroganz, die verzweifelten Versuche, den eigenen Bedeutungsverlust einfach zu negieren und zu ignorieren – genau das führt dazu, dass viele Zeitungen von den Entwicklungen der digitalen Welt abgekoppelt sind.

Und wenn man das gesamte Zitat von Susanne Gaschke liest, dann wird man Zeuge eines unfreiwilligen Eingeständnisses, dass hier jemand die wichtigsten Entwicklungen der Medienwelt einfach nicht verstanden hat und immer noch glaubt, man müsse dem leicht muffigen Wohnzimmer einfach mal einen neuen Anstrich verpassen, um es wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen – selbst dann, wenn unter dem Putz schon der Schimmel wuchert (Zitat aus kress.de):

„Zeit“-Redakteurin Gaschke kritisierte die um sich greifende „Ideologie des Digitalismus“, nach der technischer und gesellschaftlicher Fortschritt zusammenfallen. Auch bei Verlegern und Journalisten verfange diese Ideologie zunehmend, das „Geraune irgendwelcher Blogger“ werde auch in den eigenen Reihen teilweise für erfolgreicher gehalten als das Geschäft mit gedruckten Medien. „Wir müssen wirklich daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten hat als das Informationsfrikassee aus dem Internet. Aber tun wir das?“

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3 Kommentare

  1. Das Problem ist, dass Zeitungen lange genug Selbstlaeufer waren. Und Journalisten sind keine guten Geschaeftsleute und schon gar keine weitsichtigen Menschen. Man erinnere sich an die Einfuehrung der Desktop-PCs und der DTP-Systeme. Und dann der Umgang mit Online: Wer einen PC zuhause hatte wurde Leiter der Onlineredaktion. Und, das ist das Schlimme, ist es oft genug immer noch. Manche haben viel Geld ausgegeben, manche wenig, aber man hat sich keine Kompetenz aufgebaut. Warum vor allem regionale Verlage es nicht geschafft haben, ihre Anzeigenkunden mit ins Internet zu nehmen, ist mir ein Raetsel. Aber die Tuecke lag oft genug im Detail, vielerorts hatten die Anzeigenverkaeufer gar keinen Anreiz, online zu verkaufen. Und wenn, dann fehlte es an Konzepten. Ich habe eine regionale und eine ueberregionale Zeitung erlebt – letztere scheint sich wenigstens etwas zu fangen. Fuer erstere sieht es duester aus, es durfte eine demographische Rechenaufgabe sein, wann die Lichter ausgehen.

  2. >>Und Journalisten sind keine guten Geschaeftsleute und schon gar keine weitsichtigen Menschen

    Mag sein. Aber was ist mit den ganzen Verlegern, Geschäftsführern, Controllern…?

    >>Wer einen PC zuhause hatte wurde Leiter der Onlineredaktion. Und, das ist das Schlimme, ist es oft genug immer noch.

    Stimmt. Und nicht zu vergessen, dass die meisten Onlineredaktionen im Vergleich zu ihren Printkollegenmhoffnungslos unterbesetzt sind.

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