Zeitungslamento

Krisen bewirken neben vielen anderen Dingen auch und vor allem eines: Sie beschleunigen den Niedergang schwächelnder Branchen nochmal, schrieb die SZ in diesen Tagen. Die Kollegen der Süddeutschen führten die Finanzbranche und die Autobranche als Beispiel an – und vergaßen darüber, noch eine weitere anzuführen: Zeitungen.

Schaut man sich aktuell das Lamento des durchschnittlichen deutschen Verlagshauses an, stellt man in erster Linie eines fest: Es ist heftiger geworden, das Lamento. Das, was vor kurzem noch als „Print lebt!“-Pfeifen-im Walde rüberkam, ist jetzt ziemlich düsterer Selbsterkenntnis gewichen: „Wir erleben keine Krise, sondern eine beängstigende Talfahrt und versuchen alle, vorläufig ziemlich hilflos, irgendwie gegenzusteuern,“ lässt sich beispielsweise Alfred Neven Du Mont im Magazin Cicero zitieren; während andere schon mitten drin stecken in der Krisenbewältigung. Wundern muss man sich trotzdem: Sind die aktuellen Krisenpropheten nicht bevorzugt jene, die noch vor Jahresfrist Nationale Printinitiativen geggründet und Kampagnen wie „Print wirkt“ gekleistert haben? Und diejenigen, die zwar schon seit Jahren immer wieder davon hören, dass man irgendwie was mit Online machen müsse, wolle man überlebensfähig bleiben, dennoch aber ihre Onlineredaktionen mit vier oder fünf Leuten vor sich hindümpeln lassen? Diejenigen, die einen Feuilletonisten im gedruckten Blatt innerlich immer noch für deutlich wichtiger halten als den Ressortleiter Online?

Und schließlich: auch diejenigen, die Ende 2008 immer noch nicht begriffen haben, wie dieses merkwürdige Internet üerhaupt tickt?

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