Warnung vor dem Vodafone

Eindrücke vom Journalistentag Nord am Wochenende in Hannover, unsortiert und subjektiv und natürlich viel zu spät. Erstmal: Bei den Journalistentagen in NRW und in München waren es deutlich mehr Besucher, keine Ahnung, warum Hannover eher mau läuft. Auf den Panels sitzen mehr oder weniger übliche Verdächtige, von denen man den meisten ganz gut zuhören kann. daran kann´s weniger gelegen haben. Vielleicht war einfach das Wetter zu schön.

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Erst einmal sitze im Foyer und möchte irgendwo an einem Stehtisch ein paar Sachen via Netbook wegarbeiten. Das gute Netbook ist allerdings inzwischen massiv auf dem Vormarsch. Vodafone hat ein paar Promotion-Stände aufgestellt, mit Netbooks und Netzzugang. Nicht unlogisch, weil man ja neuerdings bei Vodafone ganz irre zwonullig sein und diese Einwohner aus Digitalien, von denen man neuerdings immer so viel hört,  an sich ketten will — und das, ohne das Web im Ansatz begriffen zu haben und ohne ein einziges adäquates Angebot zu machen (dafür hat man immerhin die Ausscheidung um den Titel „Misslungenster Werbespot des Jahres“ frühzeitig für sich entschieden). Das alles reizt ich in meinem angeborenen Trotz dann doch, mich mitten in dieses Areal zu setzen, mein Netbook samt Zugang eines Mitbewerbs auszupacken und mein iPhone daneben zu legen. Irgendwie sehen mich die Vodafone-Leute etwas pikiert an, was mich insofern nicht weiter stört, als dass mir Vodafone als ein ziemlich übler Abzocker-Laden in Erinnerung geblieben ist. Der Gipfel (neben etlichen anderen grenzwertigen Vorfällen) war vor gut einem Jahr mal, als ich einen neuen Handyvertrag bei Vodafone abschloss und ein neues Handy mitnehmen wollte. Das habe man gerade nicht auf Lager, sagte mir der Verkäufer, schicke es aber in den kommenden Tagen nach. Das Handy kam nie, stattdessen, die erste, die zweite, die dritte Monatsrechnung. Für eine nicht aktivierte SIM-Karte ohne Telefon, wohlgemerkt. Ich rufe in der Hotline an, wo das Handy bleibt, dort heißt es: keine Ahnung, ich solle doch mal direkt im Shop nachfragen. Also bei nächster Gelegenheit wieder nach München, rein in die Drückerkolonne Niederlassung, tja, heißt es dort — wie denn der Verkäufer geheißen habe. Ich sage, keine Ahnung, was mir ein kühles „Dann müssen sie mal am besten Hotline anrufen“ einbringt. Mittlerweile weigere ich mich, die Rechnungen zu bezahlen, was Vodafone aber einfordert, weil ich ja immerhin eine Karte hätte. Schließlich beruft sich Vodafone darauf, dass ich ja einen „SIM-only“-Vertrag abgeschlossen hätte und gar keinen Anspruch auf ein Handy gehabt hätte. Ich schaue — stimmt, der Kerl hat mir einen SIM-only-Vertrag untergejubelt. Mein Hinweis, ich hätte sowas doch gar nicht gewollt, wird abgeschmettert mit einer Aussage im Stil von „da könnte ja jeder kommen“. Schließlich zerrt mich Vodafone vor Gericht, bekommt auch noch recht („Tja, das ist so unterschrieben, müssen sie halt schauen, was sie da unterschreiben“) und bekommt nun einen Haufen Geld für eine nichterbrachte Leistung. Mein Anruf bei der Pressesprecherin des Konzerns und meine Nachfrage, wer denn letztendlich dafür Sorge zu tragen habe, dass tatsächlich auch der gewünschte Vertrag ausgestellt werde, bringt einen verbalen Eiertanz und schließlich ein: „Man sollte sich schon genau anschauen, was man unterschreibt“ mit sich. Also, Kollegen, achtet auf die Worte der Dame: Schaut euch gut an, wenn ihr was bei Vodafone unterschreibt. Es könnte was anderes sein als ihr denkt. Und was ich nie für möglich gehalten hätte: Der Umgang mit Kunden ist bei Vodafone noch schlechter als der Werbespot. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.

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Ibrahim Evsan, Geschäftsführer bei „Sevenload“ und neuerdings auch Buchautor (nutzt übrigens auch suchtartig iPhone – wen von dieser merkwürdigen Generation Dingsbums bekommt Vodafone überhaupt? PR-Praktikanten?), ist jemand, der in einem unfassbaren Tempo unfassbar viel erzählen kann. Und einer, der gerne ein wenig zuspitzt und auf der Bühne das kleine Einmaleins der Rampensau zelebriert. Man mag ihn also für einen begandeten Vermarkter seiner selbst halten, wie es sie in der digitalen Szene ja auch an anderen Stellen gibt. Trotzdem ist seine an diesem Tag ausgiebig und ziemlich entertainig vorgebrachte These, dass onliner und offliner de facto nicht mehr miteinander kommunzieren können, nicht von der Hand zu weisen. Den Eindruck habe ich in Hannover und in den Tagen darauf auch immer wieder mal. Wenn man einem offliner davon erzählt, was sich gerade tut da draußen, schaut er dich an, als wenn du behaupten würdest, der Papst hätte Sex mit Außerirdischen.

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Was mich im Laufe des Tages auch immer wieder erstaunt: Es tauchen regelmäßig eigentlich nur zwei, drei Fragen auf. Wie wird das mit dem paid content, wie können sich vor allem freie Journalisten künftig über Wasser halten?  Vor allem der Gedanke, es gäbe mitten in einem radikalen Wandel schon so etwas wie Regeln, Ratgeber und feste Einsichten, amüsiert mich ein wenig. Warum muss ich gerade jetzt an Lenin und die Bahnsteige denken?

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Nehme mir in dem Zusammhang übrigens fest vor, künftig auf jede Interview-Frage, die mit dem Halbsatz „Halten Sie es für vorstellbar…?“ beginnt, sofort mit einem entschiedenen „Ja“ zu antworten.

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18 Kommentare

  1. Tja, was soll man dazu sagen?
    Die eigene Dummheit etwas blind zu unterschreiben soll nun jemand anders ausbaden und wird noch beschimpft?
    Tja, wenn man in der Schule aufgepasst hätte, dann…

    Vieleicht würde derjenige auch im Krankenhaus einen OP-Auftrag unterschreiben, der anstatt einer Blinddarm-Operation eine Beinamputation durchführt.
    Und wer ist dann schuldig?
    …vermutlich das Krankenhaus.

    Völlig unsachliche Darstellung !!!

  2. So in etwa hat Vodafone auch argumentiert (Sie sind ja so dumm, hättense mal besser aufgepasst).

    Und wissen Sie was? Genau deswegen mag ich den Laden nicht. Und Ihren Kommentar, um ehrlich zu sein, auch nicht…

  3. Meine Konsequenz aus solchem Verhalten, mir ist mit E-Plus etwas ähnliches passiert, ist der völlige Verzicht auf Vertragsberatung in den Läden. Es wird nur online geschaut. Dort habe ich die Ruhe, mir auch das Kleingedruckte durchzulesen. Wenn etwas unklar ist, schreibe ich eine Nachricht an die Kundenbetreuung und hebe mir deren Antwort auf. Und wenn etwas nicht passt, habe ich ein Widerrufsrecht. All das gibt es in keinem Geschäft. Denn als Antwort darauf, dass etwas versprochen wurde, dass nicht gehalten werden kann, erhält man: „Sie sind ja von einem Fachverkäufer beraten worden.“ Schön wäre es gewesen.

  4. Das ist ja das,was mich bei Vodafone so maßlos geärgert hat: der Verweis auf einen „Fachverkäufer“ (der dann kurz darauf gar nicht mehr da war). Der Junge hatte ungefähr gar keine Ahnung. Und dann schieben die das auf den Kunden ab und erzählen: Da musst du schon genau hinschauen, wenn du bei unseren Vollpfosten was unterschreibst. Ich meine, hallo…wenn ich sage, ich möchte einen Vertrag mit Handy und die kramen den falschen raus, dann ist der Kunde schuld?? Komisches Verständnis. Zumal man dann ja auch noch kulanterweise sagen könnte: ok, das ist was falsch gelaufen, wir stornieren den Vertrag. Machen sie aber nicht. Weswegen ich auch kein schlechtes Gewissen hatte, mich mit meinen Mitbewerberprodukten mitten in deren Areal zu setzen.

  5. Ein VODAFONE-Fachverkäufer füllt versehentlich ein falsches Formular aus, JAK unrterschreibt ohne hinzuschauen. Bald darauf wechselt der Fachverkäufer die Stelle – na und? Wo ist das Problem?
    Dann urteilt ein Gericht logisch – JAK muss bezahlen – und all dies ist wichtig genug, dass JAK im www herumkrakeelt? Kann es sein, dass hier ein Journalist, der Journalisten ausbildet, sich schlicht zu wichtig nimmt nach dem Motto: Ich bin wer. Und das werde ich mir und dir und der Welt beweisen?
    Nein, aus meiner Sicht ist dies kein Ruhmesblatt an dem hohen Baum, auf dem JAK sich so gerne sieht. Mein kostenloser Rat: Künftig bei Vertragsabschlüssen aufpassen! Kritikern nicht so über den Mund fahren, wie oben geschehen – wirkt halt arrogant! Und, zur rechten Zeit angesichts eigener Dusseligkeit `s Mäu hoiten!

  6. Ich hab auch noch nen kostenlosen Tipp für Sie: Einfach was anderes lesen, hier verschwinden, und künftig, gähn, Persönlichkeitsanalysen bei denen vornehmen, die das vielleicht halbwegs interessieren könnte. Oder Pfarrer werden. Oder jemandem erklären, was ein Ruhmesblatt auf dem hohen Baum ist. Ach, Kollege W., es gäbe so viel zu tun für Sie.

  7. so eine geschichte einem freund jetzt schon zum zweiten mal passiert. und der ist eher ein vorsichtiger, der schaut, was er unterschreibt. wenn da aber supercall xxl oder son müll drausteht und mit einer fußnote auf irgendwo stehendes kliengedrucktes verwiesen wird, ist das nicht so einfach.
    er wollte eine zu-hause -option und ein typ hat ihm einen separaten vertrag für die homezone verkauft (was er erst mit der nächsten rechnung merkte) und das nächste mal ist er mit einem defekten datenstick zu einem laden gegangen, die sagten kein problem, wir tauschen den für 20 tacken aus, bitte unterschreiben sie hier. daß sich sein datenvertrag damit um 24 monate verlängert, hätte er in kauf genommen. aber der typ hat ihm ein formular für einen neuen vertrag gegeben. damit hatte er zwei datenverträge.
    n diesen fällen war vodafone allerdings kulant.
    da er einen sehr kommunikationsintensiven beruf hat, war das auch angeraten.
    in einen vodafone-laden gehe ich nicht mehr.

  8. jakubetz, kann es sein, daß sie es nicht mögen, wenn einer ihre geschichten nicht so gut findet wie sie selbst, oder? oder wenn einer anderer meinung ist als sie? kann es sein, daß sie die gleiche psychische grundstruktur haben wie so viele politiker hierzulande?

  9. Anscheinend, wenn man bestimmte Kommentare hier so liest, halten es einige Leute für vollkommen in Ordnung, wenn man von Verkäufern und Drückern verarscht wird: „Hättest ja den Vertrag lesen können!“ – traurig, traurig.

    Aber was mich eigentlich interessiert: „… onliner und offliner de facto nicht mehr miteinander kommunizieren können […] Wenn man einem offliner davon erzählt, was sich gerade tut da draußen, schaut er dich an, als wenn …“
    Wie ist das gemeint? Dass die sog. „Offliner“ von irgendwelchen wichtigen Entwicklungen und Diskussionen abgekoppelt oder ausgeschlossen sind?

  10. Eine Wertung habe ich darin auch nicht gesehen. Ich frage mich bloß, ob ich ein Onliner oder ein Offliner bin. Und ob sich an dieser Linie irgendwann tatsächlich ein Kommunikationsriss bilden wird.

  11. Ich sehe es genauso: man muss es beweisen koennen, ansonsten wirds bloed im Falle das Falles.

    Reicht es sich nicht aus, wenn man sich die eigenen Vorstellungen gegenzeichnen laesst und an das Original/Kopie des Vertrags rantackert?

    Dann haette man doch etwas in der Hand, wenn man stichpunktartig soetwas formuliert:

    – Vertragslaufzeit: XX Monate, ich muss selbst kuendigen, sonst Verlaengerung um XX Monate
    – mtl. Grundkosten ohne jegliche Nutzung des Telefons: <= XX €
    – Telefon XYZ inkl. oder XX € einmalig
    – Vertrag beginnt mit Erhalt des Telefons

    Das laesst sich doch gut mit „mein Kollege hat Scherereien gehabt, da bin ich vorsichtig geworden“ begruenden. Die angebotenen Vertraege geben das her und es klingt nicht „herbeigeholt“.

  12. Ich finde ja, dass die Debatte hier schon sehr schön zeigt, dass in einem Laden wie Vodafone ein paar Sachen durcheinander geraten sind. Man muss also ernsthaft darüber nachdenken, dass man seinenWillen auch schriftlich genau postuliert, um vor Überraschungen gefeit zu sein? Und man muss sich ein „selbst schuld“ anhören? Komischer Gedanke. Und das Nicht-Antworten hat bei Vodafone übrigens System. Ich kenne einen sehr gut begründeten Fall, da ist jemand schriftlich bis zum Vorstand gegangen. Geantwortet hat niemand, nicht mal ein Praktikant.

  13. Nicht unbedingt nur ein Fall bei Vodafone, sondern eher mehr?
    Ich hatte gerade einen aehnlichen Fall bei ThePhoneHouse (mit einem in der Werbung ausgelobten LCD-TV für den Abschluss von T-Home Entertain). Ich habe noch alle Unterlagen hier. Nach Abschluss kam natuerlich nichts. Auf Nachfrage hin hiess es plötzlich, es wäre nur für DSL Neukunden (davon war weder in der Werbung soweit ich das erkennen konnte noch beim Vertragsabschluss die Rede, im Gegenteil ich hatte extra genau nach der Kombi gegfragt). Der Verkäufer war natürlich „nicht mehr da“ als es Probleme gab.

    Ich hatte es aber schriftlich in das Bemerkungsfeld geschrieben: „kommt nur zustande in Verbindung mit Lieferung von…“ so dass nach einigem Gezerre mit der Hotline das ganze doch funktioniert hat.
    Ein schales Gefühl bleibt.
    Ich kann aus eigener Erfahrung daher nur jedem empfehlen, beim Handy, PC oder auch etwa beim Autokauf: Zusagen des Verfkäufers schriftlich zum Vertragsbestandteil zu machen.
    Bei den sehr verbraucherfeindlichen Bedingungen beim Neuwagenkauf (ich verpflichte mich das Auto in jedem Fall zu nehmen, aber der Liefertermin bleibt nebuloes, hatte ich das Thema auch schon – Hallo Stuttgart!)

  14. Hmm….wenn ich die Kommentare hier so lese, frage ich mich ja, ob man daraus nicht wirklich eine sehr generelle Geschichte machen und publizieren sollte. Scheint ja tatsächlich nicht so sehr ein Einzelfall zu sein, zumal einiges an Reaktionen auch noch per Mail kam. Gut, die Pressestellen werden nicht antworten, das kennt man ja inzwischen, aber trotzdem…

  15. Keine Sorge, ich lese viele andere Blogger. Aber warum sollte ich den bei Ihren Ergüssen hier und da aufkommenden Spaß an der Freud´ auslassen? Gerade dieser Beitrag um Ihr Vodafone-Trauma, das auf mich wie die gänzlich unerwartete Realität in Horst Schlämmers Albtraumfigur „WICHTIGKEIT“ wirkt, entschädigt doch für so viele alberne Rülpser in Ihrem JakBlog.
    Nebenbei, schlampen Sie bitte nicht: Ich schrieb vom „Ruhmesblatt AN dem hohen Baum“ –
    und „Kollege“? Nicht wirklich.

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