Tief im Westen (7): Dinslaken

Die Zeche Lohberg liegt inzwischen seit fünf Jahren still und zumindest in ihrem Inneren hat sich seit der Stillegung fast nichts verändert. Wenn man also man die seltene Möglichkeit hat, das Innere dieser ehemaligen Zeche zu betreten, die Kauen, die engen Gänge, dann sollte man das unbedingt nutzen. Von einer sehr eigenen Ästhetik einer solchen Industriebrache abgesehen, ist es ein merkwürdiges Gefühl, wenn man sich mit Spiegelreflex und Videokamera durch diese Hallen schleicht und über jedes Geräusch, das man verursacht, erschrickt. Dabei muss hier noch vor wenigen Jahren enorm Lärm geherrscht haben, müssen hier Männer schwitzend und fluchend ihren Knochenjob verrichtet haben (also, ich stelle mir das zumindest so vor). Im Schwarzbereich der Kauen liegen immer noch dicke, schwarze Staubschichten, auch jetzt, Jahre später noch. Wer hier reingeht, nimmt Staub mit, so viel ist sicher.

Es sind die Kleinigkeiten, die sichtbar machen, wie irrsinnig es ist, eine solche Zeche einfach zuzumachen (nicht ökonomisch, aber aus jeder anderer Hinsicht heraus). Am Boden liegen noch alte Mülläscke, ein Besteckkasten, eine alte Schutzbrille. Man hat mitten im laufenden Betrieb zugemacht, Menschen aus ihrem Arbeitsleben gerissen. Noch heute, so erzählen inzwischen die Leute, die als Künstler und Kreative aus der alten Zeche das Kreativquartier Lohberg gemacht haben, kommen sie vorbei, die ehemaligen Kumnpels, schauen sich ihre Zeche an, ihr Leben — das untrennbar mit diesen Gebäuden verbunden ist, und wenn dort noch so gähnende Leere herrscht. Vielleicht meine spannendsten Eindrücke von diesen gut eineinhalb Wochen im Pott, die morgen zu Ende gehen. Möglicherweise haben insbesondere die letzten Tage mein Bild vom Ruhrgebiet doch noch einmal ein bisschen verändert. Nein, ich finde die Gegend nach wie vor nicht „schön“ im Sinne des Wortes.  Aber genauerer Blicke wert. (In dem Zusammenhang, ich glaube, ich bin da mehrfach missverstanden worden: Ich mag die Menschen hier durchaus, was mich stört sind eher Architektur, das ewige Grundgrau der Städte und das Wetter. An einem Kiosk — ich glaube man nennt das hier Bude — einzukaufen ist dafür erheblich unterhaltsamer als in München).

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Natürlich haben wir hier wieder eine ganze Menge produziert auf unsere zehn Tage. Wir wollten möglichst viel multimedial erzählen, was zur Folge hat, dass unsere kleine Seite irgendwie einen leichten Überhang hat an Audioslideshows, Animationen, Videos, Audios.  Ein paar dieser kleinen Highlights würde ich Ihnen gerne ans Herz legen, ohne Wertung, einfach nur so (und natürlich auch, weil sie spannnde Geschichten erzählen):

  • Suche Wohnung, biete Kunst: Charlotte Horn und Ronja von Wurmb-Seibel in einer Flash-Animation über die bewohner eines Hochhhauses, die für 365 Tage Teil des lebendes Kunstwerks sind.
  • Ein Fluss als Kulturquell: Verena Zimmermann, Charlotte Potts & Daniel Krawinkel zeigen Kunst, Kommerz und Kurioses entlang der Emscher.
  • Ein Quartier für Kreative: Sabrina Gundert und Katja Köllen mit Videos, Audios, Texte, Fotos über die Geschichte einer Zeche, die  zum Kulturzentrum wird (mit einer  Animation, gebaut mit der wirklich erstaunlichen Vuvox-Software).

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