Wie die SZ einmal einen Onliner beförderte

Auf die Zahl von „Likes“ bei Facebook sollte man an sich ja nicht zu viel geben. Es kann auch ein albernes Katzenvideo sein, bei dem sich die Likes nur so häufen. Trotzdem habe ich bei einem meiner gestrigen Beiträge in einer Mischung aus Amüsiertheit und Erstaunen festgestellt, was „Likes“ manchmal doch aussagen können.

Gepostet hatte ich:

facebook

Dass danach eine derart banale Feststellung, noch dazu völlig ironiebefreit für so viel Zustimmung sorgt (für meine Verhältnisse wenigstens, ich bin ja nicht Hans Sarpei) fand ich verblüffend. Nicht wegen der eigentlichen Sache – dass Plöchinger zum Besten gehört, was es im digitalen Journalismus gibt, ist unbestritten. Dass sie sich auch bei, sagen wir, Spiegel oder FAZ die Finger nach ihm abschlecken würden, ist ebenfalls unbestritten, insofern macht das schon Sinn, ihn mit solchen Entscheidungen ein wenig stärker an die SZ zu ketten.

Tatsächlich erstaunlich ist anderes: Man muss es also immer noch als eine meldenswerte Nachricht behandeln, wenn der oberste Onliner auch in die Chefredaktion der Zeitung/des Senders eingebunden ist. Man sagt nicht: Hey, super, der Plöchinger, der hat´s echt verdient! Sondern man denkt: Wow, eine Zeitung die einen Onliner in die Chefredaktion holt!

Man kann das ja –leider– auch nicht sehr viel anders denken. Weil in der überwiegenden Mehrheit der konventionellen Medien die Regel immer noch die ist, dass der Onliner, wenn er sehr viel Glück hat, weitgehend autark und mit journalistischer Kompetenz ausgestattet, sein Angebot machen kann.  Dass es eine ausformulierte, stringente Strategie gibt, wie aus dem Nebenher von analog und digital ein gemeinsames journalistisches Projekt gibt, kann immer noch nur eine Minderheit von sich behaupten.

Das ist, man kann das leider nicht anders sagen, an der Schwelle zum Jahr 2014 grotesk. Es ist bezeichnend, dass man immer noch das alte Lamento darüber anstimmen muss, wie wenig digitaler Journalismus in Deutschland praktiziert wird, wie sehr man immer noch an alten Ideen und überkommenen Strukturen hängt. Natürlich ist es wunderbar, wenn die SZ jetzt ihren Plöchinger auch in die Print-Chefredaktion holt. Aber andersrum stellt sich trotzdem die Frage: Wie soll das denn sonst gehen? Onliner als Anhängsel, als Dienstleister, als Zusatzangebot?

Ich würde eher eine andere Theorie aufstellen: Die SZ hat´s erkannt, spät, aber immerhin. Der Onliner gehört selbstverständlich in alle relevanten redaktionellen und strategischen Entscheidungen des Hauses einbezogen. Wer ihm das nicht zutraut, sollte beizeiten auch mal darüber nachdenken, ob er den richtigen Onliner beschäftigt. Und wer spätestens in einem Jahr immer noch nicht eine Struktur geschaffen hat, in der Online wie selbstverständlich bei jeder Entscheidung eine maßgebliche Rolle spielt, kann in zwei Jahren seinen Laden zusperren. Weil sich die Vorzeichen geändert haben. Wer heute noch behaupten würde, die Zukunft der SZ sei die gedruckte Zeitung, wird mit Plöchinger nicht unter zehn Jahren bestraft.

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2 Kommentare

  1. „Man muss es also immer noch als eine meldenswerte Nachricht behandeln, wenn der oberste Onliner auch in die Chefredaktion der Zeitung/des Senders eingebunden ist.“

    Nö, muss man nicht. Landauf, landab sitzen Onliner und Digital-Strategen seit Jahren in den Chefredaktionen – bei uns in Augsburg zum Beispiel seit 2006. Insofern würde ich die Likes nicht überbewerten. Daraus gleich eine strukturpolitische Debatte über das Verhältnis Print/Online zu konstruieren, halte ich schon für arg gewagt. „Hey, super, der Plöchinger, der hat´s echt verdient!“, dürfte die Stimmung der Liker eher treffen – meine übrigens auch.

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