Aber hier arbeiten, nein danke!

Die Welt ist ja so einfach: Die alten Journalisten, irgendwo jenseits der 40, sind diejenigen, die irgendwie verzweifelt versuchen, den digitalen Wandel aufzuhalten. Und wenn das nicht möglich sein sollte, dann diesen Wandel einfach ignorieren.  Aber von hinten, da drängelt schon der ungeduldige, volldigitalisierte Nachwuchs – der dann in den nächsten Jahren das zu Ende führen wird, was wir Alten momentan noch blockieren.

Und dann das: Fragt man 14- bis 25-Jährige, die entweder schon Journalisten sind oder es werden wollen, nach der Mediengattung, bei der sie am liebsten arbeiten würden — dann sagen verblüffende 53 Prozent, dass sie zu irgendwas mit gedrucktem Papier wollen (mehr dazu drüben beim „Universalcode“).  Fernsehen und Radio landen weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Man mag es  als Schwäche der Umfrage sehen, dass  „Online“ als eigene Branche nicht abgefragt worden ist.

Auf der anderen Seite ist das das – möglicherweise ungewollte – Verdienst dieser Umfrage: Sie bildet  Realitäten ab. Zum einen diese hier: Nach wie vor ist es für Jung-Journalisten nicht sonderlich erstrebenswert, irgendwas mit Online-Medien zu machen. Man darf wetten: Selbst wenn man die Frage um die Online-Medien erweitert hätte, sie wären vermutlich ganz am Ende der Skala gestanden. Was im Übrigen einen hübschen Widerspruch illustriert: Nirgendwo treiben sich junge Medienkonsumenten mehr herum als im Netz. Für den Rest gilt (frei nach Tocotronic): Aber hier arbeiten, nein danke.

Und nein, diese Umfrage ist keineswegs verzerrt oder unrealistisch. Jeder, der ein bisschen mit der Ausbildung junger Journalisten zu tun hat, wird das bestätigen können: Genutzt werden Onlinemedien, geträumt wird von der Seite 3. Was für die Zeitungen eine riesengroße Chance wäre, weil sie potenziell immer noch auf die größten Ressourcen des journalistisches Nachwuchses zurückgreifen könnten. Schade, dass nicht ganz wenige Zeitungen zu ihrem potenziellen Nachwuchs momentan eher unfreundlich sind.

Für digitale Medien unterdessen heißt das: Sie bleiben nach wie vor der Job einer Minderheit. Auf Veränderung und Weiterentwicklung haben nicht allzu viele Lust. Für die alten Säcke jenseits der 40 (einschließlich mich) ist das ja dann fast schon wieder eine beruhigende Nachricht. Für den Journalismus eher nicht.

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18 Kommentare

  1. Meine fünf Cent zu diesem Thema:
    – die Bezahlung für junge Journalisten ist im Normalfall eine Katastrophe. Auch im Print. Wenn sie Glück haben, werden sie nur in einer ausgelagerten GmbH untertariflich bezahlt. Wenn sie Pech haben, werden Discounttarife angeboten. Ich verstehe jeden, der hofft, irgendwie tariflich bezahlt zu werden. Da ist der Zeithorizont, in dem den dieser Tarifvertrag eventuell noch hält im Zweifelsfall egal. Das erklärt die Attraktivität für Print als Arbeitgeber. Ich spare mir mal den Verweis auf die Laufzeit von Verträgen.
    – bei Print im Vergleich zu vielen Online-Ablegern von Medienhäusern hat die Arbeit auch noch eine Spur etwas mit Journalismus zu tun. Vielleicht nichts mehr mit dem Journalismus von vor zehn Jahren. Das kann ich selbst nicht beurteilen. Das Prinzip „Recherche ist Freizeit und Privatsache“ regierte jedenfalls auf allen meinen bisherigen Berufsstationen. Fast alles Print.
    – Wer einmal als Praktikant oder Volontär die Contentschubserei der Online-Ableger von Zeitungen kennengelernt hat und das unter „Online arbeiten“ verbucht, will nie online arbeiten
    – Wer aber denkt, dass Print eine Zukunft hat, hat den Schuss nicht gehört. Schon allein der zeitliche Ablauf der redaktionellen Arbeit ist teilweise schwachsinnig oder führt dazu, dass man dem Schwachsinn anheim fällt.
    – Wer einmal gemerkt hat, wie befreiend es sein kann, manches einfach per Bild, Video oder Audio zu dokumentieren, anstatt sich noch einen Text aus den Rippen leiern zu müssen, will nie wieder für Print arbeiten.
    – Mein persönlicher News-Zyklus ist deutlich schneller als der von Print. Und nichts langweilt mehr, als sich über ein Thema in Konferenzen Gedanken machen zu müssen, dessen Nachrichten- und Diskussionswert online zu dem Zeitpunkt schon den Höhepunkt hinter sich hat.
    – Wenn mich Berufseinsteiger nach Print fragen, gebe ich gerne Tipps, frage aber dann: Warum willst Du Dir das antun?
    tl;dr: Ich kann verstehen, warum Berufseinsteiger bei Print anfangen wollen, die Sehnsucht nach der Festanstellung aber angesichts des zu erwartenden Knalls nicht nachvollziehen. Außerdem langweilt Tageszeitungsprint.

  2. In diesem Theme den Kommentarbutton zu finden, ist ja schon ein Intelligenztest…. Was ich sagen wollte: Ich teile Sebastians Ansicht nicht. Widerwillig aus den Rippen geleierte Texte braucht natürlich kein Mensch, aber die machen ja nicht den Journalismus aus, ebensowenig wie hingerotzte Bilder, Videos und Audios, die ihrerseits nicht zwangsläufig irgendetwas dokumentieren. Tageszeitungen langweilen zwar oft, das liegt aber nicht am Papier. Und verallgemeinern kann man’s schon gar nicht.

  3. „Für digitale Medien unterdessen heißt das: Sie bleiben nach wie vor der Job einer Minderheit.“ – Nö! Je mehr auf die Seite 3 wollen, desto mehr von ihnen bleiben übrig, weil es zu wenig Seite-3-Jobs gibt. Der Rest schreibt für uns – entweder als schlecht bezahlter Online-Redakteur oder auf eigene Faust.

  4. P.S.: Das mit schwer zu findenden Kommentar-Button kann ich bestätigen! Mal sehen, wie viele ihn noch finden … 😉

  5. Vielleicht 2 Gründe (unter vielen):
    1. Das Gehaltsgefälle zwischen Print und Online
    2. Welcher Journalist, der gute Texte schreiben will, möchte (und kann) dies unter SEO-Bedingungen?

  6. Im Print – der Name ‚Journalismus‘ sagt es ja – hing jeder Text immer schon nach einem Tag ‚tot‘ überm Zaun. Auch der gute. Sofern man nicht Meienberg oder Tucholsky hieß. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, lautet seit jeher die Regel. Kein Journalist schreibt für die Ewigkeit, alle nur für den Papierkorb …

  7. Was Ulf Froitzheim sagt. Ist ja auch nicht so, dass Online grundsätzlich mit mehr Sorgfalt und Liebe betextet würde. Die Lücke zwischen dem, was Online prinzipiell machbar oder wünschenswert wäre und dem, was vielerorts tatsächlich stattfindet, klafft vielerorts ganz schön auseinander.

    Ansonsten erinnert mich dieser Thread ein wenig an die berühmte Szene aus „Das Leben des Brian“ mit der abgeänderten Frage: „Was hat das Internet uns Journalisten gebracht“?
    – „Und drückt kein Redaktionsschluss mehr!“
    – „Hmpf. OK, kein Redaktionsschluss, sonst noch was“
    – „Ja, das Internet brachte uns völlig neue Möglichkeiten des Storytellings!“
    – „Hmpf. OK. (…)

  8. Die Debatte über lieblos und schlecht gemachten Journalismus führen wir ja jetzt schon seit Jahren. Seit sehr vielen. Da war von Netz noch gar keine Rede. Das, was ihr hier teilweise als Qualitätsproblem des Online-Journalismus aufzeigt, hatten und haben wir doch bei Tageszeitungen auch schon seit gefühlten Jahrhunderten. Mir ist deswegen immer noch nicht dieses Imageproblem des digitalen Journalismus klar. (Klar ist mir hingegen, dass das mit dem Kommentarbitton im neuen Layout noch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Den Intelligenztest haben jetzt aber dann doch beruhigend viele Menschen bestanden)

  9. Es tut mir leid, aber mal ein paar kritische Anmerkungen:

    Die Tatsache, dass in der Erhebung offensichtlich nicht nach einer Karriere bei einem Online-Medium gefragt wird, sollte doch stutzig machen. Wie lässt sich das erklären?

    Entweder, die Urheber der Umfrage haben versäumt danach zu fragen – was die Erhebung aus meiner Sicht disqualifiziert, weil sie schlicht kein vernünftiges Ergebnis produziert. Sie als repräsentatives Beispiel dafür zu nehmen, dass die Mehrheit „etwas mit gedrucktem Papier“ machen will, wenn nach online gar nicht gefragt wird, ist also ziemlich schlechter Journalismus. Und dann auch noch zu mutmaßen, wenn danach gefragt worden wäre, hätte sie ganz am Ende der Skala gestanden – na klar. Wozu dann überhaupt eine Umfrage?

    Oder die Umfrager haben unter „Print“ verstanden: „Print-Marke“ im Gegensatz zu Radio- und Fernsehmarken (die ja ebenfalls online agieren). Dann würde das heißen: Die jungen Leute arbeiten auch heute lieber für die Süddeutsche oder Sueddeutsche.de, als für die ARD oder ard.de – sie möchten lieber schreiben, als sprechen oder filmen. Das hat dann mit Online erstmal nichts zu tun.

    Warum hat der Autor sich nicht bemüht, diese Frage zu klären oder die Ursprungsstudie zu verlinken / zitieren anstatt einfach nur von einem „diffusen Bild“ zu sprechen?

    Was für die Marken-Version sprechen könnte: In der Pressemeldung zur Umfrage heißt es:

    „Junge Medien-Kreative setzen auf hochwertigen Online-Journalismus. Den Online-Auftritten von Printmedien, die unter dem Dach einer etablierten Info-Marke Hintergrundberichterstattung und Quasi-Echtzeitberichte gleichzeitig liefern, wird eine glänzende Zukunft prophezeit. 80% der Befragten gehen davon aus, dass Online-Auftritte von Tageszeitungen in den nächsten 3 Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Auch was das Fernsehen betrifft, sieht man die Zukunft in Online-Mediatheken, die zeitsouveräne Nutzung erlauben.“
    (http://www.presseportal.de/pm/100712/2025214/jugendkulturforschung_de_e_v)

    Das zeigt doch eigentlich, dass Nachwuchsjournalisten durchaus online-affin sind und verstanden haben, wohin die Reise geht – möglicherweise wollen sie Tageszeitungen arbeiten – und zwar auch und besonders gerne für deren Online-Auftritte. Aber vielleicht passt das ja nicht ins offenbar wenig diffuse Bild des Autors.

    viele grüße
    jens

    PS: nebenbei ist die Umfrage aus April 2011. So richtig „aktuell“ sind die Ergebnisse also nicht.

  10. Mark, berechtigte Frage…aber ich dachte eigentlich, dass bei jüngeren Kollegen, die ja quasi digital aufgewachsen sind, eine von Haus aus größere Affinität und damit auch eine höhere Wertigkeit vorhanden sein sollte.

  11. Vielleicht noch ein bisschen Senf von einem jüngeren Kollegen (wenn auch nicht mehr 25)…Meiner Ansicht nach ist Online im Moment immer noch unsicherer als Print mit seiner (vagen) Aussicht auf eine feste Beschäftigung. Außerdem gibt es ja immer noch wenige konkrete Karrierewege in den/im Online-Journalismus. Eine gute Ausbildung (etwa als Volontär) können die meisten Online-Medien (noch) nicht leisten. Weitere Punkt: Geld verdienen mit Journalismus im Netz ist nachwievor eine Aufgabe von Pionieren, meist gestandenen (und frustrierten) Redakteuren. Ich weiß nicht, ob man mit 14 bis 25 Jahren schon bereit ist, das Risiko einer Selbstständigkeit einzugehen, zumal ja oft auch die publizistische Erfahrung fehlt.

  12. “ Nach wie vor ist es für Jung-Journalisten nicht sonderlich erstrebenswert, irgendwas mit Online-Medien zu machen.“-: Kein Wunder, wird schlecht bezahlt und in 99% der Fälle wird der Quality-Content noch immer über den Print zur Verfügung gestellt. Ausnahmen: SPON und teilweige Süddeutsche.de – Na klar wollen wir JUNGEN LEUTE noch in den Print, da man dort das echte Handwerk betreiben darf, während das Online Ressort BISHER nur zum Umschreiben und online stellen da ist.

    Ähm doch, aber das müsste eben mal von den Medienkonzernen aktiv ermöglicht werden. Durch das Umdenken ihres Online-Konzepts.

  13. Ich musste erst auf Twitter fragen, wie ich hier kommentieren kann – und auch das hat nicht gleich geholfen…
    Finde es nicht ok, bzw. „typisch print-affiner Journalist“, dass so ein wesentliches Feature für den UNTERSCHIED bzgl. „Printjourmalismus“ versus „online“ hier so stiefmütterlich behandelt wird! (Tipp: Man kann solche „Themes“ auch ändern lassen – so eine Kleinigkeit wäre mit einem Betrag zwischen 50 und 100 Euro fair bezahlt! ICH hab keinen Bock drauf, kann aber jemanden vermitteln, falls gewünscht).

    „2. Welcher Journalist, der gute Texte schreiben will, möchte (und kann) dies unter SEO-Bedingungen?“

    Gute Frage von einem Kommentierenden weiter oben.
    Antwort: alle, die sich ein eigenes Profil zulegen, nicht nur bei Facebook. Sprich: ein Auftreten als „Gesamtmensch“ im Web – und dann noch gute Schreibe und wahrlich journalistische Fähigkeiten!

    Die alten Strukturen werden derzeit weggefegt… es ist nicht zu erwarten, dass es für „angestellte“ Journalisten eine große Zukunft gibt. Wobei ich die „Freien“ mit ihren noch grade so ausreichenden „alten“ Auftraggebern ausdrücklich mitmeine.

    Ich denke, letztlich muss die Zukunft des Journalismus vom Leser und der Leserin her organisiert werden – von den Bürgern, die genau DEN Journalismus brauchen, der nicht vermarktbar ist (weil in solch kritischem und tief gehendem Umfeld niemand gern wirbt…

    Es reicht! Lang genut getextet – in einem Kommentarfeld, das eine echte Zumutung ist für alle, die mehr als 140 Zeichen schreiben wollen!

    Nimm vielleicht doch besser ein anderes Theme.. 🙂

    Schon gar nicht

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