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Eine kleine Zeitreise nach 2034

Die letzten beiden Wochenenden habe ich als Dozent bei Seminaren verbracht. Bei beiden Veranstaltungen ging es um Podcasts und (mal mehr, mal weniger) um das Überthema KI. Das Schöne an solchen Seminaren ist ja, dass man meistens schlauer rausgeht, als man reingekommen ist. Gerade in so wüsten Zeiten wie diesen muss man sich intensiv mit seinem eigenen Thema auseinandersetzen; mit Routine und Wissen aus vergangenen Tagen kommt man da nicht sehr weit. Und ganz nebenher entdeckt man auch noch ein paar neue Entwicklungen, über die man sich vorher gar nicht so klar war. Und die mal wieder einen ganzen Rattenschwanz an Veränderungen nach sich ziehen.

Das neue Paradox: Billiger heißt nicht schlechter

Veränderung Nummer eins: Irgendwann stand die Frage nach der Produktion der Podcasts im Raum und wer wann welches Tonstudio belegen kann (doch, ernsthaft, bei einem dieser Seminare haben wir ernsthaft so etwas wie ein richtig tolles Studio zur Verfügung!). Da das bei knapp 20 Teilnehmern naturgemäß zu leichten Kollisionen führt, haben wir noch eine Art mobiles Studio eingerichtet. Nicht sehr groß, nicht mal wahnsinnig teuer, dafür aber mobil und flexibel einsetzbar. Und dem „richtigen“ Studio nur so minimal unterlegen, dass der gewöhnliche User einen Unterschied nicht mehr wirklich bemerkt. Danach tauchte dann noch die Frage auf, ob und wie man einen Podcast noch mit Bewegtbild garnieren kann, ohne auf die in den meisten Fällen gruseligen Webcam-Aufnahmen zurückgreifen zu müssen. Und siehe da: Auch das geht mit einem vergleichsweise geringen Aufwand. Gering, zumindest im Vergleich zu Aufwand und Summen.

Je mehr etwas vom Kuchen wollen …

Zwischendrin kamen dann auch noch Gäste bzw. Veranstalter der Seminare und wollten ein paar Statements von mir zu den Inhalten. Social Media und so, Sie wissen schon. Erstellt war das auf ein paar Mausklicks. Man muss also nicht mal das hohe Loblied auf KI-Anwendungen singen, um festzustellen:  All das, was es inzwischen gibt, wird Auswirkungen haben, kulturelle und wirtschaftliche. Die Hürden für die Veröffentlichung von Texten, Fotos und Videos sind schon jetzt so niedrig wie nie. Alteingesessene hingegen werden es erwartungsgemäß schwer haben, sich anzupassen. Podcasts sind dafür übrigens ein schönes Beispiel. Man muss schon lange kein großes Studio mehr haben, um Podcasts in hochwertiger Qualität produzieren zu können. Was ich an diesem Wochenende sonst noch so gesehen habe: ein KI-gesteuertes Set-up für Livestreaming und ein Video-Set-up im knapp vierstelligen Bereich, mit dem sich richtig hochwertiges Video machen lässt. Und was gute Kameras wie beim iPhone 15 so alles draufhaben, das muss man wirklich niemand mehr erzählen. Die simple Konsequenz: Wenn es immer einfacher wird, gute Sachen zu produzieren, dann werden es auch immer mehr Menschen und Organisationen machen. Das könnte den meisten etablierten Medien weitgehend egal sein. Und vermutlich haben sie dieses Thema auch nicht richtig auf dem Schirm, weil sie davon ausgehen, dass man es bei den allermeisten ja nicht mit Konkurrenten im ökonomischen Sinn zu tun hat. Aber genau das ist der Trugschluss. Weil viele Geschäftsmodelle immer noch auf Reichweite basieren. Was aber, wenn diese Reichweiten immer mehr zurückgehen, weil es viel zu viele gibt, die sich ihre noch so kleinen Stückchen am Reichweiten-Kuchen nehmen?

Über ein paar Sachen sollten wir uns also im Klaren sein, wenn wir von der Zukunft reden. Und damit kommen wir zu den Veränderungen zwei bis fünf.

  • Reichweite ist relativ. Noch viel mehr als schon jetzt sollte man schauen, dass man nicht zwingend möglichst viele, sondern möglichst viele von den richtigen erwischt. Kenne deine Zielgruppe, diese Idee ist wichtiger denn je.
  • Mehr Media, weniger Social. Natürlich spricht einiges dafür, nicht auf fremdem Land zu bauen. Herr des eigenen Contents zu bleiben, das sollte man in jedem Fall. Trotzdem kommt man an Social Media weniger denn je vorbei. Weil sie in den vergangenen Jahren zusehends mehr Media als Social geworden sind. Eine Abspielstation für Inhalte. Und damit weitaus anspruchsvoller als das reine Posten von Links. Social ist keine Wiederverwertungsplattform, aber auch Social First ist keine zwingende Idee. Stattdessen: Social als zusätzlicher Kanal. Mit eigenen Formaten und Ideen.
  • Media as a Service: Vermutlich werden wir in zehn Jahren Geschäftsmodelle haben, von denen wir heute noch keine Ahnung haben, wie sie aussehen werden. Aber sicher ist, dass wir es dann verstärkt mit Abo-Modellen zu tun haben werden. Ähnlich wie beim Thema Software, da kommt niemand mehr auf die Idee, dass es die perfekte Idee ist, sich Gigabyte schwere Dinge auf den Rechner zu laden. Software as a Service, das kennt jeder inzwischen. Media as a Service (Betonung auf: Service) wird das nächste große Ding sein. Reichweite ade.
  • Generative KI steht erst am Anfang. Aber schon jetzt ist sicher, dass sie die Erstellung, Verbreitung und Monetarisierung von Inhalten verändern wird.  Modelle wie Perplexity geben schon jetzt eine Ahnung, warum sich die Grundlagen von Information und Kommunikation massiv ändern werden (ich habe letzte Woche schon mal ausführlich erklärt, warum das so ist).

Herausforderungen von allen Seiten also. Die Erwartungen der User steigen. Unser Job: einen umfassenden, ganzheitlichen Ansatz für unsere Leistungen bieten.

 

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