Ärmelschoner statt Hoodies

Jetzt also auch noch die „taz“ – könnte man seufzen. Ausgerechnet die Linksaltenativen, die die Möglichkeit, eine Frau, jung und preisgekrönt und zukunftsorientiert, in die Chefredaktion zu holen, einfach mal so sausen ließen, das ist dann schon irgendwie erstaunlich. Haben wir es nach der Hoodie-Mini-Affäre um den Chefredakteur in spe Stefan Plöchinger also jetzt auch noch mit einem taz-Gate zu tun?

Zuerst mal: Die Fälle SZ und taz sind schwerlich miteinander vergleichbar. Die Nicht-Berufung sagt mehr über die taz als über den Zustand des Journalismus aus. Es fällt ziemlich schwer, nicht gleich kübelweise Häme nach Berlin zu schicken. So viel bräsige Realitätsverweigerung bei den einstmals so erfrischend anders Denkenden, das kann man sich nicht ausdenken.

Trotzdem hat die Sache mit der dann doch lieber analog lebenden „taz“ noch einen anderen Aspekt. Einen, der ihn sehr viel spannender macht als die Causa Plöchinger bei der SZ. Weil es nicht die vermeintlich bösen Geschäftsführungen oder die unfähigen Chefredaktionen sind, die dem darbenden Redaktionsvolk den Fortschritt verweigern. Bei der „taz“ war es die Redaktionsversammlung, die ein ziemlich sowjetisches „njet“ ausgesprochen hat. Vermutlich – nein, ganz sicher – wird es interne Gründe gegeben haben, die wir Außenstehende weder kennen noch beurteilen können. Trotzdem: Eine ganz normale Redaktion (soweit bei der „taz“ irgendwas normal ist) hat ein fatales Signal gesetzt – eine Onlinerin kommt uns nicht als Chefin ins Haus.

Da kommt man dann schon mal ins Grübeln. Darüber, ob die Verweigerer nicht sehr viel öfter da sitzen, wo man sie gar nicht vermuten würde. Nämlich mitten unter uns. Man sollte jedenfalls beim nächsten Mal genau hinschauen, wer zwar irgendwelche Solidaritäts-Hoodie-Selfies postet, tatsächlich aber eher Ärmelschoner tragen sollte.

Beteilige dich an der Unterhaltung

3 Kommentare

  1. „Trotzdem: Eine ganz normale Redaktion (soweit bei der “taz” irgendwas normal ist) hat ein fatales Signal gesetzt – eine Onlinerin kommt uns nicht als Chefin ins Haus.“
    Das ist, mit Verlaub, Unsinn. Wäre die Kollegin unter anderen Bedingungen berufen worden, wäre der Vorschlag von einer anderen Chefredakteurin gekommen, wäre die Stimmung im Haus eine andere, wäre vielleicht eine ganz andere Person vorgeschlagen worden, dann wäre das anders gelaufen. Es wurde hier keine Onlinerin abgelehnt, sondern es gab eine ganze Menge an Gründen. Aber: Immer schön spekulieren, näch?

  2. Klar, das ist schon so. Aber es hat eben nichts damit zu tun, dass die Redaktion keine Onlinerin gewollt habe. Es gibt keine Parallele zu Plöchinger und der SZ.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.