Tief im Westen (6): Die letzten Stunden der Loveparade

Es gibt Momente, in denen hält man eine Nachricht, die man bekommt, erst einmal für einen absurden Witz, so unfassbar klingt sie. So war es am Samstag, als bei uns, die wir irgendwo entlang der Emscher radelten, Anrufe von zwei Kolleginnen eingingen, die lieber zur Loveparade wollten als an die Emscher: Eine Massenpanik sei ausgebrochen, die Rede sei von zehn Toten, der Weg zum Bahnhof sei versperrt. Wir hatten am Mittag noch besprochen, wie wir die Loveparade darstellen wollen, ursprünglich hatten wir an eine „normale“ Reportage gedacht, Video schien uns angesichts der zu erwartenden Menschenmengen absurd, da wir zwar gute, fernsehtaugliche Kameras dabei haben, aber keine Teams — und jeder so multimedial wie möglich arbeiten soll. Ich habe den beiden Kolleginnen dann meine Flip in die Hand gedrückt und ihnen gesagt, dass sie ja auch dann gut funktionieren würde, wenn es mal eng würde (dass diese Bemerkung kurz darauf bittere Ironie werden würde, konnte man ja nicht ahnen).

Inzwischen haben wir das Material nochmal gesichtet und festgestellt, dass es mehr kann als die Dokumentation des Schrecklichen. Die Bilder, die Charlotte Potts und Wlada Kolosowa gedreht haben, zeigen, wie aus einem fröhlichen Fest eine Katastrophe wird – mit Ansage. Wie zunächst die ersten anmerken, in Berlin habe nicht so ein Gedränge geherrscht, wie die Polizei dann die Straßen sperrt und die Besucher auffordert umzudrehen — bis dann die ersten Zäune eingedrückt werden. Deswegen gibt es dieses Video, weil es mehr ist als die viel gesehenen Bilder einer bereits passierten Katastrophe. Diese Bilder zeigen das Entstehen einer Katastrophe und das ist mindestens genauso eindringlich.

Zum Video.

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