lieber gleich in die senderkasse

ja, zur schleichwerbegeschichte in der ard ist das meiste schon gesagt (nur noch nicht von allen). eines ist aber schon bemerkenswert, nämlich eine aussage von hr-intendant reitze. beistellungen (ein etwas euphemistischer begriff…) für produktionen bei sportübertragungen seien generell ja ok, nur eben nicht in den taschen der sportchefs.

öffentlich-rechtliche sendezeit de facto kaufen ist also ok, solange das geld direkt beim sender landet??

wir brauchen keinen anfang, nur ein ende

bei uns ziemlich undenkbar: dass man inhalte exklusiv ins web stellt, bevor sie im eigentlichen muttermedium erscheinen. bei uns neigt man ja gerne zum umgekehrten weg, nämlich dinge, die schon mal irgendwo gesendet oder gedruckt wurden, gegen bezahlung oder zumindest nur für abonnenten erreichbar online zu publizieren.

habe allerdings unlängst erst bei einem vortrag an der djs die these vertreten, dass sendeschemata zunehmend ein relikt der vergangenheit oder aber zumindest von sinkender relevanz sein werden.

und siehe da: die bbc, wer sonst, zeigt uns mal wieder, wo es langgeht. bevor sich hartnäckige onliner ihren zugang zum material selbst besorgen, setzen die british broadcaster vernünftigerweise darauf, diese distributionskanäle selbst zu steuern. sie toleriert nicht nur Internetseiten wie UKNova, sondern geht noch ein ganzes stück weiter. sie verschenkt die erste Folge der zweiten Staffel The Mighty Boosh – eine Woche, bevor sie im Fernsehen läuft.

ebenso simpel wie erstaunlich. gut hinschauen, deutsche tv-macher.

ein altes fundstück…

… aus dem perlentaucher, (wieder-) entdeckt aufgrund der debatte, die sich momentan in einigen blogs nicht nur um das live-paper des emv entsponnen hat, sondern auch noch um die kollegen von spiegel online. spon-bashing ist ziemlich chic und als die jungs dann noch einen grimme-preis bekommen haben…

nun kann man ja den zustand des onlinejournalismus mit fug und recht beklagen und mir ist auch klar, dass das „die-anderen-sind-noch-schlechter-argument“ nicht so richtig gut ist. ich halte die debatte allerdings insofern für ziemlich einseitig, weil es ganz und gar nicht schwierig wäre, jeden tag aus allen nur denkbaren deutschen medien-erzeugnissen eine ganze reihe absurder fehler herauszupicken.

daraus würde sich wiederum ziemlich schnell die alte früherwarallesbesser-saga entwickeln und dafür fühl ich mich trotz meiner stolzen 40 eindeutig zu jung (davon abgesehen, dass es nicht stimmt). unbestritten: die ökonomischen zwänge haben in den letzten jahren den qulitätsgedanken in vielen redaktionen nach hinten gedrückt – und darüber lohnt sich in der tat jede diskussion.

was das live-paper des emv und die umstrittene geschichte von spon angeht: das rad haben die nicht neu erfunden, natürlich, und der begriff „super-paper“ ist in der tat etwas euphorisch. und streng genommen ist es ja auch kein paper, ich weiß…aber wenn ich mir anschaue, dass die meisten verlage schon die einführung des normalen e-papers feiern und sich dann wieder entspannt zurücklehnen, ist das ja wenigstens ein kleiner fortschritt.

curiosity killed the cat (II)

bei der akkreditierung für die medientage münchen darüber gestolpert, dass auch das thema podcasting diesmal auf einem panel behandelt wird.

kommt mir typisch deutsch vor. während alle welt schon wie irre podcastet, wird bei uns erst mal ein panel veranstaltet und vermutlich muss man dann noch ein paar studien in auftrag geben. erst mal das risiko abwägen, dann die chance – andersrum müsste es sein.

und außerdem frage ich mich, was man auf so einem panel eigentlich bepaneln will. im grunde ist podcasting nix anderes als audio on demand, und das extrem kostengünstig und leicht zu handeln. revolutioniert die radiowelt keineswegs, ist nichts anderes als ein zusätzlicher distributionskanal, auf den ich mich, wäre ich radiomann, mit begeisterung stürzen würde.

allerdings, und das ist kein witz: kenne radiosender (die sind nicht mal klein und nicht mal unbekannt), die haben den begriff podcasting noch nicht mal gehört.

willkommen bei der stasi

man liest ja so einiges im laufe eines langen tages. nicht alles davon wird am abend in der das-hat-sich-jetzt-aber-mal-gelohnt-kategorie verbucht. manches hingegen bleibt haften, nicht allerdings unbedingt deswegen, weil´s so beeindruckend gut gewesen wäre. manchmal behält man auch ausgemachten quatsch im kopf.

wie so etwas bspw:

Medienjournalisten kontrollieren die Medien – aber wer kontrolliert eigentlich die Medienjournalisten, die Blogs?

oder sowas:

Inzwischen aber bringen vor allem die so genannten Weblogs – privat geführte, virtuelle Tagebücher im Netz -, in denen sich einige Betreiber ausschließlich mit Medienthemen beschäftigen, Bewegung in die Branche.

oder sowas:

Einer der Klassiker: das „Altpapier“ der Netzeitung, das ursprünglich täglich das Treiben der Medienseiten der deutschen Presse mit einer Portion Häme kommentierte und per Hyperlink für die Leser zugänglich machte. (grmpf…das altpapier ein blog??)

besonders nett:

Und doch sind Medienblogs im Moment meist noch nicht mehr als eine mediale Spielwiese. Vor allem Journalisten lassen hier unter falschem oder echten Namen ihren Frust über die eigene Branche ab (…)

und weil ja in einer ordentlichen philipika mindestens ein ns- oder stasivergleich sein muss:

Schon schimpfen erste Medienschaffende über die „neue Stasi“ aus dem Netz, wie es in der Washington Post zu lesen war.

gut so. ich geh jetzt ins bett, denk mir für morgen wieder einen falschnamen aus, damit ich meinen frust ablassen und dann jemanden in die pfanne hauen kann.

dass so ne geschichte nicht nur in der frankfurter rundschau, sondern auch noch in einem buch erscheint, machts nicht gerade besser.

vögel kotzen nicht

heute mal wieder mit nem alten kollegen gemailt. ein paar erinnerungen an damals: hochzeit von new economy und medienhype. die zeiten, als es ein wert an sich war, meeting statt besprechung zu sagen, bis drei uhr morgens koksend am schreibtisch zu sitzen und sich in eine absonderliche anzug-uniform zu zwängen. inzwischen sind fast alle wieder normal, der rest bei openbc.

damals – das war auch: jeden zweiten tag in einer lufthansa-maschine zu sitzen, mittendrin in der blöfferblenderschwätzer-fraktion der business-class. und dabei ganz cool sein.

aber in echt – ging es uns so.