citizen media

eines der spannendsten dinge, die ich in den letzten jahren erlebt habe: citizen media. kann man natürlich so abtun, wie es der „spiegel“ in seiner neuesten ausgabe tut („häufig die qualität von ansagen auf dem anrufbeantworter“), aber das wird der sache nicht gerecht. der etablierte journalismus muss sich schon etwas mehr einfallen lassen als oberstudienrats-häme, wenn man eine vernünftige antwort auf diese herausforderung finden will. für mich selber stelle ich jedenfalls fest, dass ich immer häufiger und immer lieber diese rohen, ungeschliffenen dinge kosnumiere, als vorgestanzten, langweiligen allerweltsjournalismus. nicht alles, was ich dort lese, muss unbedingt meiner meinung oder meinem geschmack entsprechen, aber in jedem fall empfinde ich diese geschichten als eine echte bereicherung.

interessant: al gore (ja…genau der, der das internet erfand) hat ein interessantes projekt zu diesem thema an den start gebracht.

viele gute links dazu auch bei netzjournalismus.de

Dirty Cleverle

 clever, der herr schmidt…aber immerhin, ein beleg, dass sich mit neuen plattformen/technologien auch geld verdienen lässt:

Unter die Podcaster ist Harald Schmidt gegangen. Der Late-Night-Entertainer veröffentlicht in Apples iTunes Music Store ab sofort ein wöchentliches Podcast mit Namen „iSchmidt“. Das ist ein satirischer Wochenrückblick im Schmidt-Stil, von ihm selbst gesprochen. Während andere Podcasts bisher meist kostenlos sind, will Schmidt für seine Einlassungen 0,99 Euro pro Folge. Die erste Folge ist fast elf Minuten lang und befasst sich u.a. mit der „Sex-Akte Andreas Türck“, der Hochzeit von Verona Pooth sowie Außenminister Joschka Fischer. Podcasts sind Sound-Dateien mit meist gesprochenem Wort, die über MP3-Player wie Apples iPod abgespielt werden können. (Quelle: kress.de)

galopper des jahres

welchen sinn es machen soll, in netto 45 minuten durch drei relevante (relevante?) themen hindurchzugaloppieren und innerhalb von jeweils rund 15 minuten von stoiber bis zum weltjugendtag die lage zu analysieren und welchen sinn es dabei macht, christian wulff und hendryk broder einzuladen und sie mit einer vivamtvwasweißich-moderatorin zu paaren und das alles von bettina rust moderieren zu lassen – weiß ich nicht…

habe den sat1 „talk der woche“ deshalb nach dem zweiten versuch endgültig vom wöchentlichen speisezettel genommen. schauderhaft.

kleine mogeleien

stoiber: neue attacken auf ostwähler – so oder so ähnlich titeln heute ne menge medien aller sparten. was allerdings schlichtweg falsch ist: in der aktuellen debatte um die wähler im osten haben sich jetzt irgendwelche journalisten daran erinnert, dass stoiber bereits am 5. august in deggendorf einen ähnlichen ton anschlug.

nun ja: „erst jetzt richtig bemerkt – stoiber fährt gerne mal attacken gegen ossis“ würde sich als schlagzeile ja auch nicht richtig gut lesen. und ganz unbescheiden verweise ich dazu auch gerne auf meinen eintrag von gestern.

here, there and everywhere

liebe güte – bei den san mercury news, bei denen sich kollege mohr gerade rumtreibt und lustige dinge drüber schreibt, machen sie zum burning man eigene podcast-feeds. dass dazu eigens gebloggt wird, versteht sich beinahe von selbst.

bei uns wären sie bei zeitungen dieser größenordnung glücklich, wenn sie eine 10teilige slideshow an den start brächten, und evtl. sogar ein forum.

würde dann sogar auf der titelseite der printausgabe angekündigt.

evtl. ist das einfach der unterschied zwischen hüben und drüben.

rennende dinos

wenn ich mich manchmal mit kollegen von diversen deutschen tageszeitungen (und hierbei insbesondere regionalblättern) unterhalte, muss ich diesen uralt-antiwitz denken, wo ein mann im auto sitzt und bei der meldung aus dem radio, dass ein geisterfahrer unterwegs sei, ausruft: einer? tausende! vor allem erstaubt mich, wie ungerührt die meisten auf alle denkbaren statistiken, ma´s und sonstiges zahlenzeugs reagieren, die bei aller unterschiedlichkeit in den ansätzen zu sehr ähnlichen ergebnissen kommen. und die lesen sich für die durchschnittliche tageszeitung nicht sehr fröhlich.

weswegen man eigentlich diese geschichte hier (und viele andere ähnlichen tenors) zur pflichtlektüre im deutschen durchschnittszeitungshaus machen müsste.

obwohl ich gelegentlich meine, dass selbst dieser pflichtaushang nicht viel bewirken würde – muss ja nur mal diese geschichte mit der wirklichkeit abgleichen. bspw. meine so genannte heimatzeitung, die in diesem fall zufällig passauer neue presse heißt, was aber nix zu bedeuten hat. vermutlich sieht´s beim flensburger tagblatt auch nicht essentiell anders aus.

jedenfalls, realität vs. theorie: die pnp ist im regelfall ein mausgraues, journalistisch völlig unerhebliches langweilerblättchen, dessen geschichten entweder notdürftig redigierter agenturkrempel oder selbstgeschriebenes allerweltsallerlei sind. dazu so genannte lokalteile, die sich in den meisten fällen dadurch auszeichnen, dass dort leute schreiben dürfen, deren sprachliche und journalistische befähigung nur schwach ausgeprägt ist. kostet aber im ev und im abo lustigerweise fast so viel wie ne süddeutsche.

inhaltlich steht im regefall in dem blättchen zumeist das, was ich 12 stunden vorher schon in allen elektronischen medien und an jeder straßenecke hinterhergeworfen bekommen habe, von ein paar lokalmeldungen, die mir zumeist herzlich egal sind, abgesehen. und ne volltextsuche hat das ding auch nicht. (was zumindest die perspektive eröffnen würde, dass zeitungen sich besser positionieren könnten, würden sie sich weniger auf vermeintlich aktuelles tagesgeschehen als auf andere dinge konzentrieren).

viele in dem laden haben in ihrem ganzen berufsleben nie etwas anderes gesehen als dieses blatt. der aktuelle chefredakteur: hat irgendwo dort volontiert und ist jetzt chef. die meisten ressortleiter: seit ewigkeiten mit im boot, immer im eigenen saft geschmort. seit jahren stetige auflageverluste und kein vernünftiges konzept, um gegenzusteuern.

junge leute erreicht das blatt jedenfalls schon lange nicht mehr und wird es in dieser konstellation auch nicht mehr tun. zumal der einsatz neuer medien, mit denen man evtl. junge leute ans blatt binden könnte, entweder gar nicht oder quasi-dilletantisch erfordert: blogs, podcasts etc. werden erst gar nicht angeboten – und der online-auftritt ist in weiten teilen den abonnenten vorbehalten (ein sehr kluger gedanke, wenn man neueleserschichten erschließen will). und davon abgesehen, dass sich dort niemand mit online und new media auseinandersetzen will, es wäre auch niemand da, der was vernünftiges umsetzen könnte.

wie gesagt, passau is everywhere,nunja, fast zumindest. es gibt auch ein paar wenige positive beispiele. mir fällt nur grad keines ein.

die dinos in deutschland brauchen vermutlich noch deutlich mehr feuer unter dem hintern, um sich endlich mal in bewegung zu setzen.

das falscheste

achtung, lebe gerade meine kleinkarierte seite aus. trotzdem: wenn frau merkel bei frau illner ein sprachmoster erfindet wie „wählerbeschimpfung ist das falscheste was wir brauchen“, muss man dann ein solches monstrum, obschon als zitat getarnt, auch noch in allen meldungen und sendungen unterbringen?

es sei denn, man macht danach konsequenterweise das richtigste, was wir nicht brauchen, und zettelt im hauseigenen feuilleton wieder eine jammerdebatte über den schleichenden verfall der deutschen sprache an.

ns: n-tv.de, ftd.de und n24.de haben sich dazu entschlossen, eine ebenso sprachlich wie inhaltlich korrekte lösung zu wählen: sie schreiben, merkel habe stoibers äußerungen als „falsch und kontraproduktiv“ bezeichnet. dem grimmepreisgekrönten spiegel online hingegen ist das wurscht. da denkt man vermutlich gerade über die nächste kampagne nach, wie man sich gemeinsam mit bild gegen die „schlechtschreibreform“ stellen wird.