wie man´s nimmt

zum ersten mal seit 2001 haben die deutschen zeitungen wieder ein umsatzplus zu verzeichnen. da jubelt der verband und einer der verbandsoberen lässt sich zu der aussage hinreissen, zeitungen „liegen gut im wind“.

ein unfreiwilliger beleg dafür, was die zeitungen in den vergangenen jahren so alles erduldet haben. das umsatzplus beträgt nämlich gerade mal 0,1 prozent und liegt damit auf dem level von 1995. die auflagenerosion ist ebenfalls nicht gestoppt (im gegenteil…)

das problem scheint mir zu sein, dass in vielen häusern einfach noch nicht erkannt worden ist, dass die letzten jahre mehr passiert ist als eine kleine ökonomische unebenheit. würde fast wetten, dass die these „forthcoming franchise is the content itself“ bei den wenigsten bisher ernsthaft diskutiert wird.

und manchmal habe ich den eindruck, dass einige verlagsmanager der irrigen annahme sind, nach dem zusammenbruch der ne renke sich schön langsam alles wieder ein.

allerdings, bevor das hier nach management-bashing aussieht: kenne leider auch nicht viele journalisten-kollegen, die sich mit dem thema multimedialität und seiner ganzen tragweite wirklich auseinandersetzen. mailen, googlen, das war´s.

dabei ist multimedia-journalismus schon on the way.

foto-blog

der überaus geschätzte kollege fabian mohr vertritt in seinem lesenswerten blog die ansicht, die meisten online-angebote seien mitunter auch deshalb etwas dröge, weil sie am schreibtisch gemacht würden.

schon richtig, gilt aber nicht nur speziell für online-angebote. auch die durchschnittliche tageszeitung wird vom ticker und nicht vom selbst-erlebten diktiert. dementsprechend erstaunlich sind dann auch die realitäten, die man dort abbildet. und manchmal drängt sich der eindruck auf, dass nicht die beste geschichte aufmacher auf der reportage-seite wird, sondern die längste. auch ein kriterium. (nebenbei: über dieses thema, nämlich schleichende lesererosion aufgrund der tatsache, dass die blätter mit immer weniger personal, zunehmenden agenturanteilen produziert und immer lebloser werden – darüber würd ich gerne die verleger und chefredakteure diskutieren hören. und nicht nur darüber, dass online irgendwie mist ist).

wie auch immer, gute hilfe zur selbsthilfe ist fabians fotoblog, vor allem auch deshalb, weil da der autodidakt in mir jubiliert. zur nachahmung empfohlen.

sex sells…

…und irgendwie muss man der verdammten ivw ja was melden können.

heute in der rechten teaserleiste bei einem „nachrichtensender“: 1 x das wort „halbnackt“. 1 x das wort „nackte haut“. 1 x „traumpartner für eine nacht“. 1 x „viel haut, wenig stoff“.

da wunderten wir uns gerade, dass wir auf der startseite einen beitrag über ein eher unbedeutendes kulturfestival in avignon fanden.

bis wir im leadsatz entdeckten, dass es dort ganz böses publikum gab, weil künstler auf offener bühne in flaschen pinkelten.

gut, dass der dienstleister „netzeitung“ nicht auch noch die tv-nachrichten produziert.

nicht mal angeschaut…

interessante theorie bei den freunden des medienrauschens: dort wird behauptet, die jury des umjubelten grimme online awards würde sich keineswegs die mühe machen, alle eingereichten beiträge zu sichten. klingt naheliegend (und ausserdem ja auch per logfile nachprüfbar). wie sollen fünf oder sechs leute rund 1400 seiten wirklich gründlich anschauen können?

einer verschwörungstheorie würde ich natürlich nie folgen wollen. aber dass es kausale zusammenhänge zwischen den preisen, den juroren und manch anderen kleinigkeiten gibt, würd ich, räusper, zumindest nicht völlig von der hand weisen.

mit der djs waren wir in diesem jahr mit einem projekt einer klasse bei den vorschlägen. hat auch keiner angeschaut und hat natürlich keinen award bekommen.

anyway. mit den nächsten klassen an der djs nutz´ ich meine zeit sinnvoller, als mich mit und über marl zu ärgern.

wo ist marl überhaupt?

zwei studenten – keine zeitung

tom und michi, zwei studenten, die zufällig auch in der herzogspitalstrasse in münchen wohnen. zwei hardcore-medienskonsumenten, die vom trainingslager der löwen bis zu börsenberichten und südafrikanischen tageszeitungen online alles fressen. fernsehen, pda´s, online, podcasts, alles im angebot.

zahl der abonnierten zeitungen im haushalt: null.

wunsch und realität

kluger aufsatz vom regionalzeitungsurgestein paul josef raue im medium-magazin. nicht alles muss man unbedingt für richtig halten, aber immerhin: der mann macht sich gedanken und hat erkannt, dass (regional-) zeitungen alles dürfen, nur eines nicht: blindlings so weitermachen wie bisher.

was raue ebenfalls richtig erkennt: „ob allerdings die meisten ihre erste aufgabe, die bürger gescheit zu informieren, wirklich meistern, darf bezweifelt werden.“

richtig auch: märkte werden sich fragmentieren, blogs spielen als „mini-welten“ (raue) eine zunehmend größere rolle (sie lesen ja auch gerade eines, hmm?).

und abschließend nennt raue noch ein paar gelungene beispiele, wie zeitungen alte und neue medien geschickt miteinander verknüpft haben (u.a. die in solchen fällen gerne genommenen „vorarlberger nachrichten“) und nimmt dies als beleg dafür, dass zeitungen durchaus zukunftsfähig sein mögen.

mag sein. wer diese theorie allerdings schnell wieder in trümmer legen möchte, braucht nur mal zu schauen, wie sich zeitungen hie und da den herausforderungen der brave new digital world stellen. von denen ganz zu schweigen.

ns: das „internationale forum der chefredakteure“ hat 100 redakteure aus der ganzen welt gefragt, wie sie sich die zukunft der medien vorstellen und daraus dann „zehn trends“ abgeleitet. lustig. die medienwelt als „matrix“.

warum nur?

blogs? gibts inzwischen wie sand am meer. es gibt sehr gute blogs, weniger gute blogs und manche, die verschenkte zeit sind.

warum also noch eines? und warum eines, das sich mit medien beschäftigt? denn gerade in diesem metier gibt es ausgesprochen viele sehr gute und von mir hochgeschätzte kollegen, die wunderbare blogs schreiben, wie z.b. dieses oder dieses. und selbstverständlich auch dieses.

es ist nicht mein anspruch, in irgendeinen konkurrenzkampf zu treten (warum auch?). eigentlich gibt´s gar keinen großen anspruch. blog-cj ist einfach eine sache, die schon länger an mir nagt und die ich jetzt einfach mal mache und von der wir dann schon sehen werden, was passiert.

es geht hauptsächlich um medien. um gedruckte genauso wie um gesendete und um ge-htmlte. ohne besserwisserei, einfach nur ein paar anmerkungen. kein watchblog, aber auch keines, das die augen vor negativ-entwicklungen entschließt.

und eines, das (hoffentlich) nicht immer bierernst zu nehmen ist.

zwei dinge, die mir wichtig sind. erstens: habe mich bewusst dafür entschieden, kommentare zuzulassen. zweitens: was ich nicht zulassen werde, sind kommentare, die nicht mal die grundlegenden anstandsregeln einhalten. wer beleidigt oder stammtischgeschwafel verbreitet, fliegt. mit zensurvorwürfen jeglicher art kann ich gut leben.

so…und nun…schaun mer mal.